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Aufstiegskampf in der 2. Liga: 

Dorfverein vor dem Durchmarsch

03. Mrz 2008 12:06
Nicht zu halten: Hoffenheims Carlos Eduardo (l.)
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Viel Geld steckt hinter der Erfolgsstory von 1899 Hoffenheim. Doch der Neid der Konkurrenz ist inzwischen einer schwärmerischen Begeisterung ob der Spielkultur des Teams von Trainer Ralf Rangnick gewichen.

Deutschlands erfolgreichster Dorfverein klopft vehement an die Tür zur großen Fußball-Welt. Nach dem fünften Sieg im fünften Rückrunden-Spiel der 2. Bundesliga geraten selbst die unter die Räder gekommenen Konkurrenten ins Schwärmen über 1899 Hoffenheim. «Auch Bayern München hat Profis von hoher spielerischer Qualität. Doch Hoffenheim hat aus seinen Möglichkeiten mehr gemacht», sagte Osnabrücks Trainer Claus-Dieter Wollitz, nachdem seine Mannschaft am Sonntag bei der 0:3-Niederlage eine Lehrstunde erhalten hatte.

Den Begriff Durchmarsch nimmt Ralf Rangnick nicht in den Mund, obwohl sich seine Mannschaft in der Spitzengruppe festgesetzt hat. Doch das wird selbst für den sprachgewandten Trainer allmählich zum verbalen Eiertanz. «Natürlich spielen wir im Moment wie ein Aufsteiger. Aber das Thema Aufstieg interessiert uns nicht. Wir haben noch zwölf Spiele vor uns. Wenn wir am Ende der Saison in akute Aufstiegsgefahr geraten, hat niemand etwas dagegen», sagt der frühere Bundesliga-Trainer von SSV 1846 Ulm, VfB Stuttgart, Hannover 96 und Schalke 04. «Mit 37 Punkten ist noch keine Mannschaft aufgestiegen. Mit 37 Punkten sind Mannschaften schon abgestiegen. Wir sprechen hier nicht von Aufstieg, das interessiert uns nicht.»

Langfristige Absicherung

Der 49-Jährige führte den Klub aus dem 3.300-Einwohner-Ort Hoffenheim, der zur Gemeinde Sinsheim gehört, in die zweite Liga und durfte vor dieser Saison für 20 Millionen Euro Spieler einkaufen. Mit Ulm gelang Rangnick schon einmal der Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga. Während die «Spatzen» schnell wieder in der Versenkung verschwanden, ist das Projekt Hoffenheim langfristig angelegt und mit Namen wie dem ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters und dem Psychologen der Nationalmannschaft, Hans- Dieter Hermann, verbunden. Dass Mäzen Dietmar Hopp, laut «manager magazin» mit einem geschätzten Vermögen von 6,3 Milliarden Euro der neuntreichste Deutsche, irgendwann abspringt, diese Angst hat in Hoffenheim kaum einer. Der Mitbegründer des Software-Giganten SAP, so versicherte Rangnick, würde das Projekt testamentarisch auf seine Söhne übertragen: «Für 20, 30 Jahre ist alles völlig abgesichert.»

Erstaunlich schnell war es Rangnick gelungen, aus den afrikanischen und brasilianischen Ballkünstlern eine Mannschaft zu formen. Dank der Winter-Neuzugänge Marvin Compper und Andreas Ibertsberger von den Liga-Rivalen Mönchengladbach und SC Freiburg sowie Torwart Ramazan Özcan von Red Bull Salzburg wurden inzwischen auch die Probleme in der Defensive gelöst.

Neues Stadion vor der Fertigstellung

«Wir müssen in dieser Saison gar nichts, aber wir wollen eine Menge», sagte Rangnick. Deutlicher als der ehemalige Lehrer für Englisch und Sport, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 hat, äußerte sich Hopp: Zwar hat sich der 67-Jährige den Bundesliga- Aufstieg erst zum 70. Geburtstag gewünscht, gegen eine vorzeitige Bescherung hätte er jedoch nichts: «Wir wollen alles tun, um die Chance am Schopf zu packen.»

Eine vorausschauende Investition hat Hopp dafür bereits geleistet. Mit einer 300.000-Euro-Spende für den Oberligisten SV Waldhof und drei Millionen für ein Jugendförderzentrum schuf er ein gutes Klima im 55 Kilometer entfernten Mannheim. Als Bundesligist müsste Hoffenheim seine Heimspiele im dortigen Carl-Benz-Stadion austragen. Die neue Arena in Sinsheim, die Hopp gerade für 30.000 Zuschauer und mit einem Kostenaufwand von 60 Millionen Euro bauen lässt, wird nämlich erst zur Rückrunde 2008/09 fertig. (dpa)

 
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