11.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Fans von Kamerun hofften vergeblich auf den Titelgewinn
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch fern der Heimat zog das Finale des Afrika-Cups die afrikanischen Fußball-Fans in ihren Bann. Elke Wittich erlebte in Berlin, wie eine ganze Region mit den Kamerunern litt. Bilderschau: Schräge Typen, schrille Vögel und guter Fußball
Ägypten? Kamerun? Im Berliner Stadtteil Moabit stellt sich die Frage, welchem Team man im Afrika-Cup-Finale die Daumen drückt, nicht: Die meisten Zuschauer, die sich an diesem Abend zum Public Viewing im Afrika-Haus versammelt haben, wollen die Kamerunern siegen sehen. Man komme schließlich mehrheitlich aus den Ländern der Subsahara, also aus Kamerun, Burkina Faso, Ghana oder Nigeria und da denke man in punkto Titelgewinn eben regional, erklärt ein junger Afrikaner. Ein anderer fügt hinzu, dass diese westafrikanische Sicht der Dinge für Europäer allerdings wohl nicht so ganz einfach zu verstehen sei: «Deutsche würden sich bestimmt nicht freuen, wenn Holländer Europameister werden, obwohl damit der Cup nach Westeuropa gehen würde.»
«Es wird klappen, es muss klappen»Trotz Bildausfalls in der ersten Halbzeit ist die Stimmung unter den Fans gut. Bei Bier und Gemüse-Reis in Erdnusssauce wird gefachsimpelt, und auch an Familien und Freunde in Afrika gedacht. «Zu Hause sitzen jetzt alle vor dem Fernseher», erzählt Idriss, «selbst die alten Leute sind heute fußballverrückt.» Der junge Kameruner seufzt, denn auf der großen Leinwand ist überdeutlich zu sehen, dass die Ägypter, immerhin Titelverteidiger, das Spiel dominieren. Trotzdem hofft er auf den Sieg, «es wird klappen, es muss klappen, es ist einfach so wichtig für das Land.»
So sieht das auch eine elegante Mittdreißigerin, die mit Mann und Sohn zum großen Finale ins Afrika-Haus gekommen ist: «Jeder Cup-Gewinn steigert das Interesse am Fußball und das wiederum steigert das Interesse von Sponsoren und die Bereitschaft staatlicher Stellen, den Fußball zu unterstützen. Besonders wichtig ist dies für die Nachwuchsförderung, Kinder und Jugendliche müssten stärker gefördert werden.»
Vergebliches Hoffen auf das «Wunder von Accra»Viel mehr möchte sie jetzt aber nicht mehr sagen, denn die Kameruner brauchen nun Unterstützung. Obwohl man den Akteuren auf der Videowand mit durchdachten Vorschlägen wie «Abspielen» und «Nun schieß doch» zu Hilfe kommt, geraten die «unzähmbaren Löwen» immer stärker unter Druck. «Das wird wohl nichts», befürchten eher pessimistische Fans, während die Optimisten unter den Kamerun-Supportern «das Wunder von Accra» prophezeien.
Dann aber geht alles ganz schnell: In der 76. Minute gelingt dem Ägypter Mohamed Aboutreika nach einem Fehler von Rigobert Song das entscheidende 1:0. Viel Mitleid hat man in Moabit mit dem glücklosen ehemaligen Kölner Profi Song nicht: «Man muss es sagen wie es ist: So was Dummes habe ich noch nie gesehen!» ärgert sich die Dame aus Afrika, «eigentlich war das sogar so dumm, dass man es als Eigentor zählen müsste.»
Trotzdem wird weiter gehofft und ein bisschen auf den Schiedsrichter geschimpft, der in der 84. Minute einen klaren Handelfmeter gegen Ägypten nicht pfeift und somit dafür sorgt, dass am Ende die Kameruner trauriger Zweiter werden. Man müsse fair sein und zugestehen, dass das ägyptische Team verdienter Sieger sei, meint man in Moabit und beklatscht den neuen alten Titelträger. Trotzdem zeigt sich wieder einmal, dass es im Fußball auch missgünstigen Beifall geben kann.