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Uefa stellt EM-Gastgebern Ultimatum

30. Jan 2008 18:57
Uefa-Präsident Michel Platini
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Michel Platini sorgt sich um die Euro 2012 in Polen und der Ukraine. Um den Rückstand bei den Vorbereitungen aufzuholen, müssen die Gastgeber jetzt Gas geben - sonst droht die Uefa mit einer Neuvergabe des Turniers.

Die Wogen der Wahlschlacht von Düsseldorf sind längst geglättet, doch vor dem Harmonie-Kongress von Zagreb bereiten Michel Platini die Vorbereitungen für die EM 2012 plötzlich mächtig Sorgen. Angesichts der schleppenden Vorbereitungen in Polen und der Ukraine griff der Uefa-Präsident am Mittwoch zu drastischen Maßnahmen und stellte den gemeinsamen Gastgebern der übernächsten Titelkämpfe ein Ultimatum. Bis zum Sommer muss der Rückstand bei den Stadionbauten und anderen Infrastrukturmaßnahmen aufgeholt werden. Sonst droht den Ländern offenbar die Aberkennung der Gastgeberrolle für die übernächste Fußball-EM in vier Jahren. Plötzlich plagen Platini damit ähnliche Probleme wie seinen Fifa-Kollegen Joseph Blatter mit dessen WM-Projekt 2010 in Südafrika.

«Es ist die Zeit für Taten»

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  • «Ich habe das Gefühl, dass die nächsten vier bis sechs Monate entscheidend sein werden, um einen kritischen Ausrutscher bei sportlichen und öffentlichen Infrastrukturprojekten zu vermeiden, und die Glaubwürdigkeit der Euro selbst zu schützen», teilte Platini in einem schriftlichen Statement nach der Uefa-Exekutivkomiteesitzung in Zagreb mit. Generalsekretär David Taylor betonte, dass es einen von der Uefa ausgearbeiteten Aktionsplan gebe, um die bei praktisch allen Bauvorhaben bestehenden Verzögerungen aufzuholen. «Es ist nicht die Zeit für Worte, es ist die Zeit für Taten», sagte Taylor und nannte neben den EM-Arenen den Straßenbau, Flughäfen und das Schienennetz als Problemzonen, die bis nach der EM in diesem Sommer in Österreich und der Schweiz behoben sein müssen.

    Der Schotte betonte mehrfach, dass ein «Plan B» noch nicht existiere, doch die Deutlichkeit der Kritik machte klar, dass die Uefa vor der Suche nach einem Ersatz-Ausrichter nicht zurückschrecken würde. «Wir müssten das Verfahren völlig neu aufrollen. Es gibt keinen Automatismus, dass es dann die Nummer zwei oder drei werden würde», beschrieb Taylor schon ein mögliches Szenario. Polen und die Ukraine hatten im April 2007 überraschend den Zuschlag für die EM 2012 bekommen und sich gegen die Bewerbungen aus Italien und Ungarn/Kroatien durchgesetzt.

    «Es bedarf dringend einer Management-Struktur»

    «Es war der richtige Schritt, dass wir uns Richtung Osten geöffnet haben», sagte Taylor. Grund für die Verzögerungen sei vor allem die politische Instabilität in beiden Ländern. Mit den neuen Regierungen arbeite man nun konstruktiv zusammen. «Es ist notwendig die Regierungen richtig zu mobilisieren, indem man ihnen verdeutlicht, dass es dringend einer Management-Struktur bedarf, um die EM-Projekte zu verwirklichen», sagte Platini.

    Der EM-Alarm passte nicht in die für das Meeting in Zagreb erwartete Stimmung. Ein Jahr nach seiner von sportpolitischen Zwistigkeiten begleiteten Inthronisierung könnte Platini eigentlich völlig entspannt zum Kongress der 53 Uefa-Mitgliedsverbände fahren. Mit in dieser Form kaum für möglich gehaltener Fähigkeit zur Diplomatie hat der 52-Jährige nicht nur Eckpfeiler seines ehrgeizigen Programms durchgesetzt, sondern auch noch die Zweifler besänftigt. «Es gibt inzwischen ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu allen führenden Repräsentanten des deutschen Fußballs, das sich bereits bei der Vergabe der Frauen-WM 2011 bestens bewährt hat», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

    DFB und Uefa wieder versöhnt

    Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte im Januar 2007 noch die «Sozialromantik» Platinis beklagt. Doch der Uefa-Boss hat es in einem sportpolitischen Spagat geschafft, die von ihm vor der Wahl hofierten kleinen National-Verbände mit weiteren Europapokal-Plätzen zu befriedigen, und die Fußball-Schwergewichte des Kontinents dennoch nicht zu vergraulen. Als Pfund wuchern kann der Ex-Weltklassespieler mit der Gründung der European Club Association, mit der der Verband die Spitzenclubs besänftigt und langwierige Rechtsstreits um die Abstellung von Nationalspielern verhindern kann. Ein Scheitern der ersten unter seiner Regie bestimmten EM-Gastgeber würde aber einen Kratzer hinterlassen und Platini erstmals richtig als Krisenmanager fordern. (Arne Richter, dpa)

     
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