ARD rückt von Doping-Vorwürfen ab
17.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) begrüßte den Rückzieher der ARD. «Ich finde es gut, dass die ARD ein Stück Größe zeigt und die Vorwürfe, nachdem sie sich bisher nicht bestätigt haben, zurückgezogen hat», sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Die ARD hatte behauptet, dass etwa 20 von rund 30 Sportlern, die angeblich Kunden bei einer Wiener Blutbank gewesen sein sollen, aus dem deutschen Wintersportlager kämen.
Der Deutsche Skiverband (DSV) bekräftigte die Absicht, die für die Berichterstattung Verantwortlichen zu belangen. «Aus der angeblichen Doping-Affäre ist jetzt mehr oder weniger eine Medienaffäre geworden. Wir haben uns auch deshalb vorbehalten, jetzt rechtliche Schritte einzuleiten gegenüber den verantwortlichen Redakteuren, wohlgemerkt nicht gegenüber der ARD», sagte DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach. Das sei «eine sehr, sehr harte Nummer» für alle gewesen.
Der aus Ruhpolding stammende Wolfgang Pichler, der als Auswahltrainer die schwedischen Biathleten betreut, glaubt nicht, dass alle Anschuldigungen aus der Luft gegriffen sind. «So dumm können die Deutschen doch gar nicht sein», meinte er einerseits, fügte aber an: «Allerdings denke ich aber auch, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Ich nenne keine Namen, doch ich habe in diesem Winter schon einige Sportler anderer Nationen so die Berge hochstürmen sehen, dass ich mir verwundert die Augen gerieben habe.»
Empört reagierte der international anerkannte Wiener Doping- Experte Hans Holdhaus zur Entwicklung in dem Blutbank-Fall. «Wie das Ganze bisher abgelaufen ist, ist es völlig indiskutabel und juristisch nicht vertretbar», sagte er der dpa. Er sei ein absoluter Gegner des Dopings, aber so könne man es nicht machen. Er würde es begrüßen, wenn einer der namentlich genannten Sportler oder der Chef des Blutplasma-Unternehmens Humanplasma in Wien gegen die Vorwürfe Klage erheben würde. «Dann würde diese Sache sehr schnell bereinigt».
ARD-Programmdirektor Günter Struve hatte zunächst Konsequenzen für die Wintersport-Berichterstattung des Senders ausgeschlossen: «Es gibt zwar neue Doping-Vorwürfe, die jedoch bisher nicht für einzelne Sportler belegt sind. Auch bei solchen Vorwürfen gilt zunächst die Unschuldsvermutung.» ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt, der für die Berichterstattung verantwortlich ist, hatte unterdessen Interviews bei Radiosendern des öffentlich-rechtlichen Verbundes gegeben. Er nannte jedoch keine Fakten oder Namen. (nz/dpa)

