03.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Blick zurück im Zorn: Ottmar Hitzfeld
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch nach dem zum Saisonende angekündigten Abschied des Erfolgstrainers bleiben beim FC Bayern viele Fragen offen. Auch über eine vorzeitige Trennung wird spekuliert.
Nach dem von Ottmar Hitzfeld selbst verkündeten Abschied im Sommer stehen dem FC Bayern München Machtkämpfe und unruhige Zeiten ins Haus. Und das Kandidaten-Karussell für die Nachfolge des 58 Jahre alten Fußball-Lehrers dreht sich bereits auf Hochtouren. Als mögliche Nachfolger werden vor allem Frank Rijkaard, Marco van Basten, José Mourinho und Jürgen Klinsmann genannt. Und während sogar über eine vorzeitige Trennung spekuliert wird, macht sich der noch in der Schweiz urlaubende Hitzfeld um seine restliche Dienstzeit in München keine Sorgen. «Jeder muss sich an die Regeln halten, dann geht es», sagte der Erfolgstrainer dem Fachmagazin «kicker».
Das seit der Trainer-Attacke von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge im November angespannte Verhältnis zwischen Hitzfeld und den Bayern-Bossen, die bis zum Trainingsstart am kommenden Montag noch in Urlaub und nicht zu sprechen sind, ist seit dem Jahreswechsel auf eisige Temperaturen abgekühlt. Und das nicht ohne Schuld der Vorstandsetage: Gegen die Vereinbarung, sich erst Ende Januar zu äußern, verkündete Manager Uli Hoeneß in der Silvesternacht schon indirekt das Ende der im Februar 2007 noch als Traumehe gefeierten Zusammenarbeit.
Standhaft ohne KopfzerbrechenDrohende Auseinandersetzungen mit der Führungscrew um Macht und Autorität bereiten Hitzfeld jedoch kein Kopfzerbrechen. Er verspürt «große Freude auf die Rückrunde» und will einen Verhaltenskodex aufstellen, «an dem sich die Spieler zu orientieren haben. Sie müssen wissen, was geht und was nicht.» Die angesprochenen Disziplinlosigkeiten eines Oliver Kahn oder Christian Lell in der Hinrunde sind ein Grund für Hitzfelds Flucht, die ihn voraussichtlich in die Schweiz treibt, wo er nach der Europameisterschaft 2008 Nationalcoach werden soll.
«Was bei uns passiert, ist nicht normal. Jedes Thema das beim FC Bayern aufkommt, wird noch Wochen später behandelt, selbst wenn es längst vorbei ist», sagte Hitzfeld dem «kicker». Schon bei der Kahn-Suspendierung hatte er befürchtet: «Wenn wir nicht aufpassen, haben wir ein Irrenhaus.» Die Standhaftigkeit gegenüber der Medienlandschaft wird daher ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des neuen Trainers sein. Zudem muss der Hitzfeld-Nachfolger zwar kein Deutscher sein, aber deutsch sprechen und darüber hinaus die Stars des Millionen-Ensembles in den Griff kriegen.
Stevens empfiehlt HiddinkMarco van Basten, der nach der EM als Coach des niederländischen Nationalteams aufhören will, gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Doch auch Ajax Amsterdam, der Heimatklub des 43-Jährigen, sucht dann einen neuen Coach. «Ich denke, van Basten passt besser zu Ajax als zu Bayern. Er hat die Erfahrung nicht», sagte HSV-Trainer Huub Stevens in der «tz» und empfahl den Bayern van Bastens Landsmann Guus Hiddink, den derzeitigen Nationaltrainer Russlands.
Für den Niederländer Frank Rijkaard, der beim FC Barcelona seinen Abschied plant, spricht, dass er den von den Bayern geforderten attraktiven Offensivfußball spielen lässt. Machthungrige Trainer wie der derzeit verfügbare José Mourinho (zuletzt FC Chelsea) oder Rafael Benitez (FC Liverpool) werden sich die Bayern wohl ebenso wenig leisten wie den populären, aber nie aus Mainz herausgekommenen Jürgen Klopp oder frühere Bayern-Profis wie Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus. Das Verhältnis zwischen dem Rekord-Nationalspieler und den Klub-Bossen ist ohnehin nicht das beste, seit Uli Hoeneß Matthäus nicht einmal «als Greenkeeper» im neuen Stadion anstellen wollte. (dpa)