Tibet darf nicht zu Olympia
10. Dez 2007 14:37
 |  Demonstranten in Lausanne fordern die Olympia-Teilnahme Tibets | Foto: dpa |
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Das IOC erkennt das inoffizielle Nationale Olympische Komitee Tibets nicht an. Damit ist der Traum des Landes am Himalaya geplatzt, eine eigene Mannschaft zu den Spielen nach Peking zu schicken.
Tibet darf bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking kein eigenes Team an den Start schicken. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erteilte dem im August gegründeten inoffiziellen Nationalen Olympischen Komitee (NOK) des Landes am Himalaya am Montag in Lausanne eine Absage. «Es steht ja in der Olympischen Charta, dass wir nur unabhängigen Staaten, die von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt sind, NOK-Status geben können», sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach der dpa. Die Erfüllung dieser Kriterien sei im Fall von Tibet nicht gegeben.
«Wir sehen uns nicht als Chinesen»
Der Präsident des inoffiziellen NOKs, Wangpo Tethong, wurde im Hauptquartier am Genfer See aber erstmals von einem IOC-Offiziellen empfangen. Er übergab der Kommission für NOK-Angelegenheiten eine Petition. «Wir wollen an den Spielen teilnehmen, und wir sehen uns nicht als Chinesen. Das IOC hat bei der Anerkennung von NOKs immer wieder Ausnahmen gemacht», sagte Tethong und nannte Taiwan, Hongkong sowie Palästina. Rund 50 tibetische NOK-Aktivisten hatten am «Internationalen Tag der Menschenrechte» direkt vor dem IOC-Sitz protestiert. Mit Spruchtafeln machten sie auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam. Die chinesische autonome Region Tibet ist seit Anfang der fünfziger Jahre von China besetzt. Der Dalai Lama, das im Exil lebende geistige Oberhaupt der Tibeter, fordert eine «echte Autonomie» für sein Land.
Dieter Baumann: «Man muss Brücken bauen»
Auch Olympiasieger Dieter Baumann setzt sich für das olympische Anliegen der Tibeter ein. «Ich versuche, das Projekt begleitend zu unterstützen. Mir ist das Team Tibet sympathisch. Man muss Brücken bauen», sagte der Tübinger am Montag. «Mir gefällt diese Idee, die Religionsfreiheit und die Autonomie dieses Volkes zu stärken.» Ein Boykott der Spiele 2008 in Peking sei kein Mittel, diese Ziele zu erreichen und auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen.Tibet hatte sich Hoffnungen auf eine Anerkennung durch das IOC und die Olympia-Teilnahme in Peking mit einem unabhängigen Team gemacht, das sich aus rund 30 Sportlern rekrutieren sollte. Diese Athleten leben als Flüchtlinge in verschiedenen Ländern. Ein Brief an IOC-Präsident Jacques Rogge blieb bisher unbeantwortet. «Wir bedauern es und sind auch ein bisschen frustriert, dass sie uns noch keine Antwort geben wollen», hatte Tethong vor dem Treffen mit den IOC- Offiziellen gesagt.
«Reporter ohne Grenzen» demonstrieren in Hongkong
Derweil hat die Organisation «Reporter ohne Grenzen» (ROG) hat am Montag vor der Vertretung der chinesischen Zentralregierung in Hongkong für die Einhaltung der Menschenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung in der Volksrepublik demonstriert. Am Internationalen Tag der Menschenrechte entrollten ROG-Vertreter eine Flagge, die die Olympischen Ringe als Handschellen zeigt.«Wenige Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking missachtet die chinesische Regierung weiterhin grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung», heißt es dazu in einer Erklärung des deutschen ROG-Büros in Berlin. Die Organisation fordere, dass China sein Versprechen einhalte, die Lage der Menschenrechte im Vorfeld der Spiele zu verbessern.
«Die rund 100 inhaftierten Journalisten und Internetdissidenten müssen entlassen, Zensur beendet und freier Informationszugang gewährleistet werden», betont die Organisation, der nach eigenen Angaben keine Visa für das chinesische Festland ausgestellt worden sind. ROG werte die Einreiseverweigerung als weiteres Zeichen, dass die chinesische Regierung nicht bereit ist, kritische Stimmen zuzulassen. (nz/dpa)