Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Polizist erschießt Fußballfan

11. Nov 2007 13:30, ergänzt 17:40
Die italienische Polizei untersucht den Tatort
Bild vergrößern
In Italien wurde ein Anhänger vom Erstliga-Klub Lazio Rom auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel von einem Polizisten erschossen. Daraufhin kam es in mehreren Städten zu schweren Ausschreitungen.

Der gewaltsame Tod eines Fans hat den italienischen Fußball am Sonntag an den Rand des Abgrunds getrieben. Nachdem ein 26 Jahre alter Anhänger von Lazio Rom auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Clubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz von einem Polizisten erschossen worden war, kam es vor vielen Spielen zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Ordnungskräfte. «Mörder, Mörder», skandierten aufgebrachte Fans.

Mehr in der Netzeitung:
Mehrere Polizisten wurden verletzt. Der italienische Fußballverband sagte das Spitzenspiel von Meister Inter gegen Lazio ab, die Partie zwischen Atalanta Bergamo und dem AC Mailand musste nach nur sieben Minuten wegen Fan-Randale genauso abgebrochen werden wie die Drittligapartie in Taranto. Die übrigen Spiele wurden mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen, Spieler und Schiedsrichter liefen mit Trauerflor auf.

«Es war ein tragischer Fehler»

«Es war ein tragischer Fehler», sagte der tief betroffene Polizeichef von Arezzo, Vincenzo Giacobbe, der «La Gazzetta dello Sport». Ministerpräsident Romano Prodi äußerte sich «höchst besorgt» über die tragischen Ereignisse, Oppositionsführer Silvio Berlusconi sprach von einem «schrecklichen Tag».

Der 26-jährige Römer ist bereits der zweite Tote, den der italienischen Fußball in diesem Jahr zu beklagen hat. Bei schweren Fan-Ausschreitungen war am 2. Februar ein Polizist in Catania von Randalierern erschlagen worden. Daraufhin hatte die Regierung die Gesetze gegen Gewalt rund um den Fußball drastisch verschärft, das Problem jedoch nicht in den Griff bekommen. Justizminister Clemente Mastella forderte deshalb am Sonntag «noch härtere Maßnahmen» gegen gewaltbereite Fußballfans.

Zwei Schüsse auf der Raststätte

Die Nachricht vom Tod des Lazio-Fans hatte sich am Sonntag wie ein Lauffeuer unter den Tifosi aller Clubs verbreitet und drohte das Pulverfass explodieren zu lassen. Italienischen Medien zufolge war es auf dem Autobahnrastplatz von Badia al Pino zu einer kleineren Rangelei zwischen den Lazio-Anhängern und Fans von Juventus Turin gekommen, die auf dem Weg zum «Juve»-Auswärtsspiel beim AC Parma waren. Eine Polizeistreife griff ein, dabei fielen zwei Schüsse. Scharfmacher unter den Fans sprachen von mindestens einem gezielten Schuss. «Alles hat sich in einer, höchstens zwei Minuten abgespielt», berichtete der Chef des Autobahnrestaurants.

Während die Ermittlungen auf dem teilweise abgesperrten Rastplatz noch andauerten und der Polizeichef die Verantwortung seines Beamten noch gar nicht eingestanden hatte, war der Fall für die Lazio-Fans schon klar: «Die Polizei hat ihn getötet.» Nachdem sich die aufgebrachten Inter-Fans mit den Lazio-Anhängern verbrüderten, drohte die Lage in Mailand zu eskalieren. Rund 400 Tifosi zogen durch die Straßen und bewarfen eine Polizeidienststelle mit Steinen.

Polizeigewerkschaft fordert «Stopp aller Spiele»

Auch in Bergamo war es schon vor der später abgebrochenen Partie zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Zwei Beamte wurden verletzt, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Auch auf den Internetseiten der Fan-Clubs entlud sich die Wut in Hass-Tiraden gegen die Polizei.

«Für den Polizisten habt ihr die Liga gestoppt, aber ein Fan ist euch nichts wert», riefen die aufgebrachten Fans in Mailand und forderten die Absage aller Partien des 12. Spieltags. Eine Forderung, die auch zahlreiche Politiker in Rom vertraten. «Es ist unverständlich, dass der Fußball weiter rollt», klagte Grünen- Fraktionschef Angelo Bonelli. «Es war richtig, die übrigen Partien anzupfeifen«, verteidigte dagegen FIFC-Präsident Giancarlo Abete die höchst umstrittene Entscheidung. Die Polizeigewerkschaft forderte am Sonntag bis auf weiteres «den Stopp aller Spiele». (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Sportschauen
Zu weiteren Sportschauen
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Vor dem Nordderby in der Bundesliga: 
Olic und Wiese begraben das Kriegsbeil
Nach dem Spiel ist vor dem Gottesdienst: 
Zé Roberto plant Karriere als Pastor
 
Champions League, 4. Spieltag: 
Effiziente Bayern punkten in Florenz
Werder rutscht tiefer in die Krise: 
«... dann müssen wir uns von Spielern trennen»
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.