T-Mobile-Team droht das Aus
«Wir können nicht so tun, als könnte es so weitergehen wie bislang. Es sind Dinge passiert, die von der Bedeutung her in der Vergangenheit falsch eingeschätzt worden sind. Wer hätte gedacht, dass in Freiburg solche Dinge vorgehen? Ich nicht», sagte Althoff. Auch das Engagement von Rolf Aldag als Teamchef - der Ex-Profi hatte Doping in den 90er Jahren bis zur Verjährungs-Grenze gestanden - müsse man sich noch einmal ansehen. Wenige Stunden zuvor hatte Teamsprecher Stefan Wagner der Deutschen Presse-Agentur dpa erklärt: «Ich kann in keiner Weise die Vermutung bestätigen, dass der Sponsor aussteigen will. Wir haben Ende 2006 dramatische Änderungen herbeigeführt und einen neuen Weg beschritten, den wir weiter verfolgen».
Sinkewitz hatte bei seiner Beichte im «Sportstudio» und im «Spiegel» keine Namen genannt, aber deutlich werden lassen, dass die Praxis des Eigenblut-Dopings in der Freiburger Uni-Klinik auch während der Tour 2006 nicht für ihn exklusiv geschaffen wurde. Gemünzt auf den Team-Kapitän Rogers hatte der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke erklärt: «Natürlich wird man immer dem, der am meisten leisten soll, auch etwas geben. Der Sinkewitz will nichts sagen, weil er auch Schiss hat.» Rogers bestritt nicht, in Freiburg gewesen zu sein, «aber nur für die üblichen Leistungstests».
Nach den umfassenden Aussagen des Ex-T-Mobile-Profis aus Fulda war spekuliert worden, dass der Kommunikations-Konzern aus dem Doping belasteten Profi-Radsport vorzeitig aussteigen will, obwohl im August eine Verlängerung der Finanzierung bis 2010 postuliert wurde. T- Mobile investiert in sein im Moment 29 Fahrer umfassendes Team unter Manager Bob Stapleton, der 2007 ein striktes Anti-Doping-Programm installierte, pro Saison rund zehn Millionen Euro.
Nach der Sinkewitz-Beichte ist davon auszugehen, dass zumindest 2006 weitere Profis, die im Team fahren, Profiteure eines teaminternen Doping-Systems waren. Der Doping-Experte Franke riet der Teamleitung den Gang zur Staatsanwaltschaft Bonn zur gemeinschaftlichen Aussage an: «Alle sollen endlich die Hosen runterlassen.»
Der einstige deutsche Vorzeige-Rennstall mit der früheren Galionsfigur Jan Ullrich hat in diesem Jahr drei Profis fristlos entlassen: Sinkewitz wegen nachgewiesenen Testosteron-Dopings, Sergej Gontschar (Ukraine) wegen auffälliger Blutwerte, die interne Untersuchungen erbrachten, und den Italiener Lorenzo Bernucci, der den jahrelangen Gebrauch von Appetitzüglern zugegeben hat. (Andreas Zellmer, dpa)
