30.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Luiz Lula da Silva (l.) und Sepp Blatter
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Es ist perfekt: Die Fußball-WM 2014 findet in Brasilien statt. Obwohl die Wahl des einzigen Kandidaten keine Überraschung war, löste sie im größten Land Südamerikas Jubelstürme aus.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wird zum Samba-Sommer. Der Zuschlag für die Gastgeberrolle bei den übernächsten Titelkämpfen hat Brasilien in einen nationalen Glückstaumel versetzt. Im ganzen Land brach nach der Entscheidung des Fifa-Exekutivkomitees am Dienstag in Zürich großer Jubel aus. Im Maracana-Stadion und auf dem weltberühmten Zuckerhut von Rio de Janerio wurden riesige Trikots entrollt, wildfremde Menschen prosteten sich schon in den Morgenstunden in den Bars zu und lagen sich in den Armen.
«Nicht nur das Recht, auch die Verantwortung»Zum ersten Mal seit 1950 und zum zweiten Mal überhaupt wird die WM im Land des Rekordweltmeisters ausgetragen. Doch auch nach der allseits erwarteten Entscheidung bleiben Zweifel, ob Brasilien die Mammutaufgabe WM-Organisation wird meistern können. «Brasilien bekommt nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung zur Ausrichtung», sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Ab sofort gilt es für die Organisatoren, sich um den Neu- und Umbau von 18 Stadien zu kümmern. Besondere Aufmerksamkeit verlangen auch die erwarteten Probleme bei Sicherheit und Infratstruktur in dem Schwellenland.
Brasiliens Staatschef Luiz Lula da Silva rief seine Landsleute zu einem gemeinsamen Kraftakt auf. «Es ist ein Grund für eine große Party, aber auch eine große Aufgabe, die wir nach Hause tragen», sagte er in Zürich. Auch bei Bayern-Profi Lucio mischten sich Freude über den Zuschlag und der Gedanke an eine große Verantwortung: «Die Infrastruktur ist gut, wir haben gute Stadien. Es wäre gleichzeitig die Gelegenheit, das ganze noch besser zu machen», sagte der Wahl-Münchner.
Erstmals seit 1978 in Südamerika«Ich hoffe, dass alles so geschieht, wie es sich die Brasilianer vorstellen. Es ist eine perfekte Entscheidung. Kein Land hat so viele Stars hervorgebracht wie Brasilien», sprach Franz Beckenbauer den Südamerikanern Mut zu. Das deutsche Mitglied der Exekutive hatte zuvor an der Abstimmung im höchsten FIFA-Gremium teilgenommen und den Weg für Brasilien 2014 mit frei gemacht. Zuletzt hatte die WM 1978 mit Ausrichter Argentinien in Südamerika stattgefunden. Zuvor waren Brasilien 1950, Uruguay bei der WM-Premiere 1930 sowie Chile 1962 die Gastgeber gewesen.
Kolumbien musste 1986 wegen organisatorischer seine Gastgeberrolle an Mexiko abtreten. Die Angst, das gleiche Schicksal zu erleiden, schwang in Zürich bei fast allen Aussagen der brasilianischen Delegation mit. Energisch verbat sich Blatter Fragen nach Parallelen zu den Problemen der südafrikanischen WM-Organisatoren 2010 bezüglich einer hohen Kriminalitätsrate und mangelhafter Infrastruktur.
«Fußball ist Brasilien»«Ich bin begeistert. Fußball ist Brasilien», hatte Fifa-Präsident Blatter schon nach der halbstündigen Bewerbungsshow zur Mittagszeit seine Meinung verkündet. In der Präsentation hatten sich die Brasilianer als große Fußball-Nation - aber vor allem auch als Land mit großen Entwicklungschancen präsentiert. Durch den Zuschlag werde das fünftgrößte Land der Erde einen wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg erleben.
«Es ist ein nationales Projekt», sagte Sportminister Orlando Silva. Schriftsteller Paulo Coelho amüsierte die Delegierten mit einer humorvollen Rede. «Ich habe erlebt, dass Menschen noch fünf Jahre nach einem Spiel über Fußball reden. Fünf Jahre nach einer Liebesbeziehung redet man nicht mehr darüber. Fußball ist besser als Sex», referierte der Poet.
Die früheren Fußballstars und Weltmeister von 1994, Romario und Dunga, heute Nationalcoach, wurden dabei zu Randfiguren. In mehreren Videospots legten die Brasilianer viel mehr Wert darauf, die ökonomische und soziale Bedeutung der WM 2014 zu verdeutlichen. «Krankenhäuser werden gebaut, Schulen entstehen und unser Land wird sicherer werden», sagte Fußballverbandschef Ricardo Teixera. Genau in diesen Bereichen müssen die WM-Gastgeber die Fifa trotz des Zuschlags in den kommenden Jahren noch überzeugen. (Arne Richter und Emilio Rappold, dpa)