Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf muss im zweiten WM-Spiel gegen England auf Sandra Minnert verzichten, doch viel mehr Diskussionsstoff lieferte vor dem Fußball-Klassiker der umstrittene Torjubel des englischen Mittelfeld-Stars Kelly Smith.
Die 28 Jahre Ausnahmespielerin von Arsenal London hatte sich nach ihren zwei Treffern beim 2:2 gegen Japan die weißen Fußballschuhe von den Füßen gerissen, sie hochgereckt und geküsst. Und alles nur, um ihren Sponsor ins rechte Licht zu rücken. Doch das «Schuhwinken» kam weder bei ihrer Trainerin Hope Powell, geschweige denn im deutschen Lager gut an vor dem Duell in Shanghai am Freitag (20.00 Uhr MESZ/ARD und Eurosport). Mit einem Sieg kann sich Tabellenführer Deutschland vorzeitig für das WM-Viertelfinale qualifizieren. «Das ist unser Ziel», betonte DFB-Trainerin Silvia Neid am Donnerstag.
«Wenn ich Schiedsrichterin gewesen wäre, hätte ich ihr erst die Gelbe und dann die Gelb-Rote Karte gezeigt», monierte Neid das unkorrekte, aber von der Schiedsrichterin Kari Seitz (USA) nicht geahndete Verhalten von Smith. Auch Englands Nationaltrainerin war «not amused» und knöpfte sich ihren Schützling vor. «Es war nicht nötig, das so zu feiern. Ich mochte das nicht, und sie wird es nicht wieder tun», sagte Powell am Donnerstag. Smith hatte zuvor zugegeben, die Aktion aus Dankbarkeit für den Sponsor getan und in der Nacht zuvor sogar davon «geträumt» zu haben. Hintergrund: Der Schuh trägt ihren Namen und soll auf der Insel gut verkauft werden.
Auch den deutschen Spielerinnen, die das Spiel ihres nächsten Gegners im TV verfolgt hatten, störte die übertriebene Smith-Geste. «Ich fand es schlecht und unpassend, den Torjubel so zu zelebrieren», kritisierte Ariane Hingst. «Aber wenn sie das gegen uns nicht machen kann, ist es okay. Denn das heißt, dass sie nicht trifft.» Darüber hinaus habe man Respekt vor den Britinnen, aber keine Angst.
Obwohl Smith mit ihren Dribblings und ihrer Power besonders gefährlich ist, denkt Neid nicht daran, ihr eine Sonderbewachung zukommen zu lassen. Ihre Kreise sollen im Kollektiv eingeengt werden. «Natürlich haben wir Smith im Auge, wollen kompakt stehen und sie doppeln. Aber wir werden nicht unser ganzes Spiel nach ihr richten, zumal England auch andere gute Spielerinnen hat.» Doch auch in ihrem Team gebe es herausragende Einzelkönnerinnen wie Birgit Prinz. Die individuelle Klasse werde von entscheidender Bedeutung sein. Neid: «Smith und Prinz können beide ein Spiel an sich reißen und Tore schießen. Auch England wird sich überlegen, wie sie Prinz stoppen können.»
Wegen Sandra Minnerts Ausfall muss Neid ihre Abwehr umbauen. Das 34 Jahre alte Defensiv-As aus Bad Neuenahr hat sich im Training eine Oberschenkelzerrung zugezogen und wird wohl auch am Montag im dritten Gruppenspiel gegen Japan in Hangzhou nicht mitwirken können. So steht Annike Krahn vom FCR Duisburg vor ihrem WM-Debüt, auch wenn Neid das nicht verraten wollte. Die 22 Jahre alte Bochumer Sportstudentin ist auf der Innenverteidiger-Position die erste Alternative. Darüber hinaus sieht Neid keinen Grund, die Startelf zu ändern.
Auch wenn gegen England in 16 Spielen bisher 15 Siege und ein Unentschieden heraussprangen, rechnet Neid mit einer völlig anderen Gegenwehr als beim 11:0-Rekordsieg über Argentinien. «England hat sich unheimlich verbessert. Das wird ein sehr schweres und knappes Spiel», prophezeit Neid. Und DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte sogar: «Das Spiel gegen Argentinien war ja nicht die eigentliche Eröffnung. Die kommt erst jetzt gegen England.» (nz/dpa)