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Radfahrer-Bund kritisiert TV-Boykott

19. Jul 2007 14:00
Logo des deutschen Radrennstalls T-Mobile
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Mit Unverständnis hat der Bund Deutscher Radfahrer auf den Tour-Boykott von ARD und ZDF reagiert. Eine frühere Funktionärin des Verbands unterstützte dagegen den Schritt und griff das T-Mobile-Team scharf an.

Als «schweren Rückschlag» für den Radsport hat der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) den Ausstieg von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung der Tour de France bezeichnet. Der Boykott der öffentlich-rechtlichen Sender gehe auf das Fehlverhalten eines einzelnen Fahrers zurück und habe mit der Frankreich-Rundfahrt nichts zu tun, sagte BDR-Vizepräsident Harald Pfab, der sich als Vertreter des in China weilenden Verbandspräsidenten Rudolf Scharping äußerte. «Die Tour de France wird bestraft, obwohl bisher alle auf der Tour genommenen Doping-Proben negativ ausgefallen sind», sagte Pfab.

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Der Radsport stehe zwar zurecht im Fokus des Interesses im Kampf gegen Doping. Doch bei der «Operación Puerto» gegen den verdächtigen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes seien neben manipulierten Proben von 58 Radfahrern auch Angaben zu etwa 150 Sportlern anderer Disziplinen aufgetaucht. Dies zeige, dass andere Sportarten auch in Manipulationen verwickelt seien.

Gegen weitere Radprofis gibt es nach Pfabs Angaben zur Zeit keine weiteren Doping-Erkenntnisse «als Damoklesschwert» über dem Radsport. Das müsse aber nicht so bleiben. So bedauerlich der positive Doping-Befund beim T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz sei, «zeigt er doch, dass das Kontrollsystem funktioniert», sagte Pfab.

Die ehemalige BDR-Präsidentin Sylvia Schenk äußerte dagegen harte Kritik am T-Mobile-Team. «Das sind lauter schöne Worte, die sie machen, aber mit all ihren Ankündigungen haben sie es nicht geschafft, ihren Laden sauber zu halten. T-Mobile macht sich ja damit nur noch lächerlich», sagte Schenk der Münchner «Abendzeitung». «Man sieht einfach, dass die ihre Leute nicht im Griff haben. Der wievielte Neuanfang war das jetzt schon, den sie versprochen haben? Und jetzt erwischt es schon wieder einen von ihnen.»

In diesem Interview und einem Gespräch mit der Münchner «tz» unterstellte die frühere Leichtathletin dem positiv auf Testosteron getesteten Radsportler indirekt Dummheit. «Ich habe bei Sinkewitz nie ein gutes Gefühl gehabt. Was mich aber total überrascht, ist, dass jemand jetzt noch so blöd sein kann. Und das auch noch ausgerechnet als Fahrer des Teams T-Mobile, das sagt: Jetzt haben wir es im Griff», sagte Schenk.

Den vorläufigen Ausstieg von ARD und ZDF aus der Berichterstattung von der Tour de France begrüßte Schenk. Im Inforadio des Rundfunksenders RBB, sagte sie, finanzieller Druck könne bewirken, dass Doping im Sport aufhört. «Immerhin kostet ja Doping eine Menge Geld, und es sind die Sponsoren und die Fernsehsender, die das Geld in den Sport bringen, also offensichtlich muss man erst das Geld rausholen, damit ein Nachdenken einsetzt und damit die finanziellen Möglichkeiten gar nicht mehr so da sind zu dopen», sagte Schenk.

Die Sinkewitz Proben sind nach Angaben von BDR-Vizepräsident Pfab während eines Trainings in den Pyrenäen genommen worden. «Das Kontroll-Netz wird immer engmaschiger», sagte Pfab. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) habe dem Verband am Mittwochmorgen von Sinkewitz' positivem Dopingbefund berichtet. Der BDR habe die Öffentlichkeit dann umgehend informiert.

Der Verband und die Nada hatten seit 18. Juni rund 40 deutsche Profis zielgerichtet kontrolliert. Zum Teil handelte es sich um kombinierte Blut- und Urin-Kontrollen. Bei Sinkewitz war ein Testosteronwert von 24 zu 1 gemessen worden - mehr als sechs Mal über dem Grenzwert von 4 zu 1. (nz/dpa)

 
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