netzeitung.deT-Mobile schließt Radsport-Ausstieg nicht aus

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Einen Schluck aus der Pulle genommen? Patrik Sinkewitz beim Henninger-Turm-Rennen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Einen Schluck aus der Pulle genommen? Patrik Sinkewitz beim Henninger-Turm-Rennen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Radprofi Patrik Sinkewitz hat im Juni eine positive Dopingprobe abgeliefert. Der mögliche Dopingfall des schwer verletzten T-Mobile-Fahrers hat weit reichende Folgen.

Die positive Doping-Probe von T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz hat weit reichende Folgen - nicht nur für den Fahrer: «Wir haben Sinkewitz sofort suspendiert», sagte T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner, nachdem bekannt wurde, dass der Radprofi Anfang Juni eine positive A-Probe auf Testosteron abgegeben hatte. ARD und ZDF haben nach Bekanntwerden des Resutats ein vorläufiges Ende der TV-Übertragungen von der Tour beschlossen, T-Mobile überdenkt möglicherweise sein Engagement im Radsport: «Bisher unterstützt der Sponsor uns auf unserem Weg des strikten Anti-Doping-Programms. Wie er jetzt reagieren wird, kann ich nicht sagen. Das ist Sache von T-Mobile», erklärte Wagner.

«Ensetzt, enttäuscht, geschockt»
T-Mobile-Konzernsprecher Christian Frommert sagte der ARD: «Wir sind entsetzt, enttäuscht, geschockt.» Gleichwohl wolle der Konzern das Ende der Tour abwarten, ehe er über sein weiteres Engagement im Radsport berät. Frommert: «Wir hatten gesagt: Wir geben dem Radsport eine Chance, daran hat sich für uns zunächst nichts geändert.» Gleichwohl könne man nicht zur Tagesordnung übergehen: «Wir werden die Faktenlage prüfen und uns nach der Tour zusammensetzen und eine Entscheidung treffen. Mit Schnellschüssen ist niemand gedient.»

Sinkewitz hattte fassungslos auf die Nachricht reagiert. «Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein», sagte der 26 Jahre alte Fahrer der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit wird Sinkewitz in einer Hamburger Klinik an den Verletzungen behandelt, die er sich bei einem schweren Sturz während der Tour der France zugezogen hat. «Ich werde gleich operiert und kann mich jetzt nicht darum kümmern», sagte der Radprofi.

Nach Angaben des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) vom Mittwoch war Sinkewitz bei einer Kontrolle in einem T-Mobile-Trainingslager in den Pyrenäen am 8. Juni positiv auf Doping getestet worden. Der BDR war von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada über den positiven Analysebefund mit dem erhöhten Testosteronwert informiert worden. Nach dpa-Informationen lag der Wert bei 24 zu 1 - der zulässige Grenzwert liegt bei 4 zu 1.

Der Bonner Rennstall hatte sich nach dem Dopingskandal im vergangenen Jahr und dem massiven Dopingverdacht gegen den einstigen Vorzeigefahrer Jan Ullrich ein striktes Antidoping-Programm auferlegt. Vor der Tour de France hatte der Rennstall, dessen Sportlicher Manager der einstige Epo-Doper Rolf Aldag ist, den Ukrainer Sergej Gontschar wegen auffälliger Blutwerte erst suspendiert, dann entlassen.

«Entdecken mehr als andere»
In einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vom Mittwoch hatte Professor Walter Schmidt von den Vorzügen des T-Mobile-Antidopingprogramms geschwärmt: «Wir entdecken, was andere nicht finden», sagte der Bayereuther Sportphysiologe, der für das deutsche Radteam die unangekündigten Blutvolumentests vornimmt, der FAZ. Zweifel an dieser optimistischen Sichweise sind nach Sinkewitz' Auffälligkeit angebrachter denn je. T-Mobile-Teammanager Bob Stapleton wies darauf hin, dass in seinem Team keine Dopingkontrollen vorgenommen würden, sondern nur Bluttests. Das diese ebenfalls teamintern vorgenommen werden, lehnte der Amerikaner ab.

Sinkewitz muss nun innerhalb von fünf Tagen erklären, ob er die Öffnung der B-Probe beantragen will. «Sollte die B-Probe den positiven Befund bestätigen, wird der BDR die Einleitung eines Verfahrens beim Bundessportgericht beantragen und Patrik Sinkewitz aus allen Kadern streichen», erklärte der Verband in seiner Pressemitteilung.

Sollte auch die B-Probe von Sinkewitz positiv sein, riskiert der 26-jährige Hesse aus Fulda die Zahlung eines Jahres-Gehalts im hohen sechsstelligen Bereich an den Weltverband UCI. Mit seiner Unterschrift unter eine UCI-Verpflichtungs-Erklärung, die an den Tour-Start gekoppelt war, hatte sich der Profi dazu bereit erklärt. Das Geld würde die UCI in den Anti-Doping-Kampf stecken. (dpa/nz)