netzeitung.deKretzschmar heult zum Abschied hemmungslos

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Stefan Kretzschmar (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stefan Kretzschmar
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Als 8000 Fans ein eigens für ihn komponiertes Lied sangen, schossen Stefan Kretzschmar die Tränen in die Augen. Der Handballer hatte es bei seinem Abschied schwer, ein Wort herauszubringen.

Alles war perfekt inszeniert, nur seine Emotionen waren nicht geplant: Der sonst so coole Stefan Kretzschmar weinte bei seinem letzten Auftritt auf der großen Handball-Bühne vor Rührung. Als seine Eltern Waltraud und Peter sowie seine Geschwister dem bekanntesten deutschen Handballer vor den mehr als 8000 Zuschauern in der ausverkauften Magdeburger Bördelandhalle ein selbstgeschriebenes Lied sangen, schossen dem 34-Jährigen die Tränen in den Augen.
Eine geile Zeit
Auch bei der Ehrenrunde im Anschluss an sein Abschiedsspiels am Samstag zwischen «Kretzsches Dream-Team» und der Bundesliga- Mannschaft des SC Magdeburg (29:29) konnte man seine Gefühle förmlich sehen - Wehmut und Rührung, aber auch Dankbarkeit. «Das ging extrem unter die Haut und war nicht einfach für mich», bekannte der Linksaußen a.D. mit stockender Stimme. «Ich habe das vierzig Mal vor dem Spiegel geprobt, aber es war noch nie so schwer für mich, etwas zu sagen. Es war eine geile Zeit - danke.»

Nach 16 Jahren Bundesliga, 821 Toren, 218 Länderspielen, zahlreichen Titeln und Ehrungen hat das Enfant terrible, das im letzten Jahrzehnt das Gesicht des Handballs im Weltmeister-Land war, keine Lust mehr. An Kretzschmars letztem Arbeitstag als Sportler ließ es sich die internationale Elite dann auch nicht nehmen, ihm seine Aufwartung zu machen.

So spielten in dem von Heiner Brand, dem früheren Magdeburger Trainer Alfred Gislason und Zvonimir Serdarusic vom Triple-Gewinner THW Kiel gecoachten «Dream-Team» unter anderem «Jahrhundert-Handballer» Magnus Wislander, Henning Fritz, Florian Kehrmann, Olafur Stefansson, Joel Abati, Lars Christiansen, Jan Holpert und Daniel Stephan. Als Überraschungsgäste waren auch die TV- Komiker Oliver Pocher und Elton auf der Platte. «Es ist eine riesen Ehre, dass so viele große Spieler gekommen sind», dankte Kretzschmar seinen ehemaligen Weggefährten und Kontrahenten.
Begeisternde Trickwürfe
In dem «Gaudi-Spiel» traf der zweimalige Handballer des Jahres sechs Mal und begeisterte mit Trickwürfen Fans und Mitspieler. Und angesichts seiner Finesse war nicht nur Lars Christiansen, seinerseits einer der weltbesten Linksaußen, der Meinung, dass «Stefan noch ein paar Jahre spielen könnte. Er wird der ganzen Handballwelt fehlen.» Für Weltmeister Henning Fritz war Kretzschmar «immer ein absolutes Vorbild. Ich habe die Zeit, mit ihm zu spielen, sehr genossen.» Wislander nannte den Paradiesvogel einen «ein bisschen ausgeflippter Ausnahmespieler».

Kretzschmar, der nach dem Spiel mit rund 400 Freunden und Bekannten noch bis in die frühen Morgenstunden feierte, hat nun als Sportlicher Leiter - er selbst nennt sich am liebsten Sportinspektor - beim SC Magdeburg eine neue Herausforderung gefunden. «Die Sehnsucht nach einem normalen Job wurde immer größer, und ich freue mich darauf», bekannte er.

Demnächst will Kretzschmar auch noch seine Memoiren schreiben. «Das ist eine gute Therapie, um meine Karriere zu verarbeiten», meinte der begnadete Ballkünstler, der unterdessen eines nie werden will - Trainer. «Um Gottes Willen. Jeden Tag mit bekloppten Typen wie mir zu arbeiten, da kriegst du ja 'ne Meise.» (dpa)