netzeitung.deDFB überarbeitet Stadionverbots-Richtlinien

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DFB-Präsident Theo Zwanziger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe DFB-Präsident Theo Zwanziger
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Der Deutsche Fußball-Bund wird im Sinne der Fans die in der Szene umstrittenen Stadionverbote neu regeln. So könnte es auch ein Verbot auf Bewährung geben.

Der Deutsche Fußball-Bund geht einen Schritt auf die Fans zu und wird die in der Szene umstrittenen Stadionverbote neu regeln. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn kündigte am Sonntag zum Abschluss des ersten bundesweiten Fan-Kongresses in Leipzig an, dass die Richtlinien in Bezug auf Dauer, Transparenz und Gerechtigkeit in naher Zukunft modifizieren werden. Auch ein Stadionverbot auf Bewährung sei im Gespräch. «So eine Variante ist denkbar. Aber die Stadionverbote ganz abzuschaffen, ist undenkbar. Die gewaltbereiten Fans müssen aus den Stadien verbannt werden», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger bei seinem Kongressbesuch am Samstag.

Änderungen ab 1.Januar gültig
Die Änderungen des Stadionverbots sollen ab 1. Januar 2008 in Kraft treten und vor allem die Interessen der Fans berücksichtigen. «Das wir nicht in allen Punkten Annäherung erreichen, war klar. Aber wir haben gute Ergebnisse erzielt», meinte Spahn. Demnach soll in Zukunft über die Dauer des Stadionverbots im Einzelfall entschieden werden. Die Bezugsvereine sollen verstärkt mit einbezogen werden und es soll eine automatisierte Verbotseinstellung sowie die Möglichkeit der Bewährung geben. Insgesamt gab es fünf Diskussionsforen mit Themen wie Sicherheit, Stadionverbote, Diskriminierung und Fan- Kultur.

«Wir sind stolz, mit dem Verband einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben», resümierte Mathias Scheurer von der Interessengemeinschaft «Unsere Kurve». Er betonte, dass die Vereine das von den Fans ausgearbeitete Papier zu den Stadionverboten unterstützen. Derzeit hat der DFB rund 3000 Stadionverbote zwischen drei und fünf Jahren verhängt. Die Fans fordern unter anderem eine maximale Dauer eines bundesweiten Stadionverbotes von einem Jahr. In der Regel soll es aber deutlich darunter liegen. Außerdem sollen die Betroffenen generell angehört werden.

Zwanziger zufrieden
Zwanziger zog wie auch die Vertreter der Fangruppen ein positives Fazit nach der Premierenveranstaltung. «Ich finde gut, dass nichts unter den Teppich gekehrt wurde», sagte der 62-Jährige. Für Scheurer war der Kongress aber «nur der Anfang eines Dialoges, der zukünftig in einem festen Gremium fortgeführt werden muss.» Gerald von Gorissen, Leiter der DFB-Fananlaufstelle, kündigte an, dass die den Kongress vorbereitende Arbeitsgruppe als Gruppe «Fan-Dialog» weiterarbeiten werde. Ein zeitnahes weiteres Treffen ist geplant.

Zwanziger rief zudem zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und Gewalt auf. «Die Leute, die dieses schleichende Gift transportieren, haben doch gar keine Chance, wenn die anderen mutig sind und nicht weg gucken», sagte der Chef des größten deutschen Sportverbandes. Den Kampf aufgegeben hat dagegen Mario Weinkauf. Er trat am Freitag beim BFC Dynamo als Präsident zurück. Weinkauf fühlte sich im Kampf gegen Teile des BFC-Anhangs, eine Mischung aus Hooligans und rechtsextremen Gewalttätern, auch vom DFB und dem Nordostdeutschen Fußballverband im Stich gelassen. «Das, was ich habe, sind Bekenntnisse und gute Worte. Aber das sind Willensbekundungen, die helfen nicht viel», sagte Weinkauf am Samstag in der ARD-«Sportschau».

Bei der zweitägigen Veranstaltung in Leipzig diskutierten 420 Vertreter von Fangruppen mit dem DFB. Fan-Kritik wurde vor allem laut, da Vertreter der Deutschen Fußball-Liga nicht anwesend waren. Ligapräsident Wolfgang Holzhäuser hatte seine Teilnahme kurzfristig aus zwingenden privaten Gründen abgesagt. (Sandra Degenhardt, dpa)