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Lupe Heimkehr in die Fremde

Am Wochenende boxt Schwergewicht Samil Sam in Ankara gegen den Amerikaner Oliver McCall, womit die Türkei ein jahrzehntelanges Verbot von Profi-Kämpfen aufhebt. Auch der Hamburger Universum-Boxstall tritt auswärts an.

Zwei deutsche Boxställe suchen an diesem Wochenende den Erfolg in der Fremde: Die Hamburger Universum Box- Promotion lässt Weltmeister Zsolt Erdei in seiner Heimatstadt Budapest antreten, der hanseatische Konkurrent Arena schickt in Ankara den Einheimischen Sinan Samil Sam im Kampf um eine WM-Chance ins Rennen. Das Interesse ist in beiden Fällen größer als in Deutschland: Die Hallen sind ausverkauft, die heimischen TV-Sender sprechen von Straßenfegern.

Fallobst für Erdei?
Erdei verteidigt seinen WBO-Titel im Halbschwergewicht am Samstag (22.00 Uhr/ZDF) in Budapest gegen den Amerikaner George Blades. Erst zum dritten Mal steigt der Ungar in seiner Heimatstadt in den Ring. Mit dem Amerikaner (21 Siege, 2 Niederlagen) steht dem in 26 Kämpfen unbesiegten Erdei ein international wenig bekannter Gegner gegenüber. In den vergangenen drei Jahren bestritt der sechsfache Vater nur einen Kampf. «Ich werde mir den Sieg in meiner Heimatstadt nicht nehmen lassen», sagt Strahlemann Erdei, der seinen WM-Titel zum achten Mal verteidigt.

Obwohl der 33 Jahre alte Erdei bislang zwanzig Kämpfe in Deutschland bestritten hat, ist er hier zu Lande weitgehend unbekannt. In Ungarn ist der frühere Amateur-Weltmeister dagegen ein Volksheld. «Hier erkennt mich jeder, wenn ich über die Straße laufe. In Deutschland ist das nicht so», sagt Erdei. Der Familienvater, der bereits ein eigenes Kinderbuch veröffentlicht hat, ist auch wegen seines sozialen Engagements in Ungarn bekannt. «Ich möchte meine Popularität nutzen, um Gutes zu tun», sagt Erdei.

Spektakel in Ankara
Knapp 2000 Kilometer entfernt veranstaltet Universum-Konkurrent Arena einen historischen Kampf. Mit dem Schwergewichts-Kampf des Türken Samil Sam in Ankara gegen den Amerikaner Oliver McCall wird ein rund 27 Jahre geltendes Verbot von Profi-Kämpfen in der Türkei aufgehoben. Arena-Chef Ahmet Öner, ein in Istanbul geborener, in Duisburg aufgewachsener und in Hamburg lebender Türke, hat sich für die Aufhebung des Verbots eingesetzt und bei den staatlichen Behörden Gehör gefunden.

Gegen den 42 Jahre alten Ex-Weltmeister Oliver McCall aus den USA will Samil Sam am Samstag (22.00 Uhr/Premiere) seinen internationalen WBC-Titel verteidigen. Gewinnt er, hat er die Chance, um die WBC- Weltmeisterschaft zu kämpfen. «Am Samstag werden wir einen ganz neuen Sinan sehen», sagte Trainer Manny Masson, der den Stil des behäbigen Türken umgestellt hat. «Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er McCall ausknockt.»

McCall siegesgewiss
Genau das kann sich der Amerikaner überhaupt nicht vorstellen. Weil er sich seiner Sache absolut sicher ist, hat er seine Börse von rund 100.000 Euro auf einen K.o.-Sieg seinerseits gesetzt. Schafft er das, erhält er die doppelte Summe von Öner. Geht er jedoch selbst k.o., bekommt er nichts.

«Ich bin einfach bärenstark», sagte McCall, der sich als «echte Kampfmaschine» bezeichnet und noch heute mit seinem Sieg gegen Weltmeister Lennox Lewis vor 13 Jahren prahlt. Zweiter Hauptkampf in der 7000 Zuschauer fassenden Atatürk-Halle ist das Schwergewichts-Duell des Kubaners Juan Carlos Gomez gegen den Russen Dennis Bachtow. Bei einem Sieg kann Gomez auf einen Titelkampf bei den Verbänden WBA und WBO hoffen. (dpa)