Kretzschmars Abschied voller Wehmut06. Jun 2007 12:14  |  Stefan Kretzschmar | Foto: dpa |
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Das Allstar-Spiel der Handball-Nationalmannschaft geriet zum sentimentalen Abschied von Stefan Kretzschmar. Bundestrainer Heiner Brand muss bereits nach vorne denken.
Als Stefan Kretzschmar noch immer mit Sprechchören gefeiert wurde und unablässig Autogramme schrieb, war Heiner Brand schon längst in der Kabine verschwunden. Dass dem Erfolgs-Coach nach dem All-Star-Spiel in Berlin nicht so recht zum Feiern zu Mute war, lag aber weniger an der 31:36 (17:18)-Niederlage seiner Weltmeister gegen die mit Klassespielern gespickte Weltauswahl, sondern eher an seinen akuten Rückenbeschwerden. Noch am Morgen vor dem Match war Brand zur Behandlung bei Professor Dietrich Grönemeyer, dem Bruder des Popstars Herbert Grönemeyer, nach Bochum geflogen und erst eine Stunde vor dem Anpfiff wieder bei seinem Team.
Zeit des Experimentierens
«Bei so einem Spiel muss man unbedingt dabei sein», meinte Brand und zeigte sich angetan von der Atmosphäre in der mit 8521 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle. Da fiel es dem Gummersbacher auch nicht schwer, über die «vielen kleinen Fehler» hinwegzusehen, die ein besseres Resultat des Weltmeisters verhindert hatten. Mit Pascal Hens, Torsten Jansen, Florian Kehrmann und Holger Glandorf fehlten in Berlin zudem ganz wichtige Stützen des WM-Teams. Sie werden auch bei den bevorstehenden Länderspielen in Spanien am 8. und 9. Juni geschont und sollen dort jungen Spielern Platz machen.«Die Stars brauchen mal eine Ruhepause, man darf die Jungs ja auch nicht verschleißen», zeigte Routinier Christian Schwarzer dafür volles Verständnis. «Für die Auswahl hat jetzt die Zeit des Experimentierens begonnen. Heiner Brand muss so viel wie möglich neue Spieler an die Mannschaft heranführen, wenn wir im kommenden Jahr bei EM und Olympia bestehen wollen», fügte der 37-Jährige hinzu, der diesmal im All-Star-Team glänzte. Schwarzer schloss aber ein nochmaliges Auswahl-Comeback im Olympia-Jahr aus: «Dafür bin ich definitiv zu alt». Kapitän Markus Baur weiß um die Schwere der Aufgaben: «Im nächsten Jahr ist der WM-Titel vergessen. Da sind EM und Olympia. Da kommen so rund 50 Länderspiele zusammen, wer da bestehen will, braucht einen großen Kader.»
«Sehnsucht aufzuhören» Mit Wehmut sehen die Cracks das Karriere-Ende von Stefan Kretzschmar, der als früherer Berliner von „seinem“ Publikum stürmisch verabschiedet wurde. «Es ist traurig, dass er aufhört. Ich kann nicht glauben, dass es das letzte Mal gewesen sein soll, dass ich mit ihm aufgelaufen bin. Es ist doch viel zu früh für Kretzsche», beklagte Schwarzer und war sich da einig mit den Weltstars der Liga. «Er hat heute bewiesen, dass er noch total fit ist. Es ist schade, aber man muss selber wissen, wann man aufhört», stimmte auch der überragende Saison-Spieler, der Franzose Nikola Karabatic vom Triple- Gewinner THW Kiel, in das allgemeine Bedauern ein.Kretzschmar, der zuvor wie auch der mit 620 Bundesliga-Spielen dienstälteste Profi Jan Holpert (Flensburg) für sein «Lebenswerk» geehrt wurde, zeigte den Zuschauern dann genau das, was sie sehen wollten: Erst begeisterte er mit einem eingesprungenen Rückhand-Tor, dann zwirbelte der 34-Jährige einen Siebenmeter unter die Latte, schließlich pritschte er einen Ball in den Kasten und erntete Begeisterungsstürme der Berliner. «Ich habe gespürt, dass die Sehnsucht aufzuhören, einen 'normalen Job' zu machen, immer größer wurde. Auch spielt mein Körper nicht mehr so richtig mit», begründete der künftige Sport-Direktor des SC Magdeburg seinen Abschied. Und er dankte den Fans: «Diesen Abend werde ich nicht vergessen.» (Frank Thomas, dpa)
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