netzeitung.de«Wir sind unsterblich»

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Könige Europas: Der THW Kiel feiert Meistergewinn und Triple (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Könige Europas: Der THW Kiel feiert Meistergewinn und Triple
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Beim THW Kiel wurde nach dem Gewinn des Handball-Triples gefeiert, was das Zeug hält. Nur einer fehlte in all dem meisterlichen Trubel.

Als die Ostseehalle zum Tollhaus wurde und die Kieler Handball-Könige um die Meisterschale tanzten, hatte sich Trainer Zvonimir Serdarusic in seine Kabine verkrochen, rauchte eine Zigarette und wurde nimmer gesehen. Auch als das Team des THW auf dem Rathaus-Balkon der jubelnden Menge die Trophäe präsentierte und anschließend auf einer Bühne bis Mitternacht mit den 15.000 skandierenden Fans feierte, fehlte der 56-Jährige. «Noka freut sich im Stillen. Das ist seine Art», sagte THW-Manager Uwe Schwenker.

Stärkstes Team der Welt
Umso mehr machten die Akteure des alten und neuen Meisters ein Fass auf. Nach der Party auf dem Rathausplatz ging es zum Stamm- Italiener, wo bis zum Morgengrauen die Gläser kreisten. «Wir sind unsterblich», rief Nationalspieler Dominik Klein. Nur dem VfL Gummersbach war es zuvor vergönnt, das begehrte Triple aus Landesmeister-Cup, nationalem Pokal und Meisterschaft zu gewinnen. 24 Jahre später steht der THW auf dem Gipfel und gilt damit als das stärkste Team der Welt.

«Der THW ist in die Königsklasse des Sports aufgestiegen», sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach. Deshalb war die majestätische Maskerade angemessen: In rote Königs-Mäntel gehüllt, ließen sich die Spieler in Cabrios die wenigen Meter bis zum Rathaus chauffieren, wo der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz das Team erwarteten.

Einzigartige Saison
Das 34:28 gegen die HSG Nordhorn war der Schlusspunkt einer einzigartigen Saison, die nicht nur wegen des Triples aus dem üblichen Raster fällt. Lange Zeit mit lediglich acht gesunden Feldspielern, darunter dem reaktivierten 42 Jahre alten Andrej Tschepkin, hat der THW alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. «Wir sind bereit, auf dem Spielfeld zu sterben», nannte der als derzeit weltbester Handballer hofierte Nikola Karabatic den Grund für den Erfolgsrausch. Linksaußen Klein fügte hinzu: «Alle setzen sich für den anderen ein. Alle sind miteinander befreundet. Das gibt es nur in Kiel. Nur so kann man Titel gewinnen.»

Der THW Kiel scheint unersättlich. 13 nationale Meistertitel stehen nun schon zu Buche. Manager Schwenker hat den Unterschied zur Konkurrenz ausgemacht: «Die Spieler schaffen es, ein bisschen disziplinierter zu sein und mehr für den Erfolg zu arbeiten als andere. Die Mannschaft wirkt zielstrebiger, entschlossener.» Nicht jeder, so beteuert der Manager, wolle zum THW. «Jeder weiß, was ihn hier erwartet. Viele wollen lieber um die Häuser ziehen. Aber wer kommt und viel arbeitet, wird belohnt.»

Der emotionale Abschied von einigen Leistungsträgern trieb nicht nur den Spielern die Tränen in die Augen. Nationaltorhüter Henning Fritz, Tschepkin, Pelle Linders, Lars Krogh Jeppesen und Kurzzeit- Aushilfe Tobias Karlsson verlassen die Zebras schweren Herzens. Schwenker hat aber längst die Fangnetze nach Verstärkungen ausgeworfen. Der tschechische Kanonier Filip Jicha und der Nordhorner Börge Lund sollen spätestens zur Saison 2008/2009 kommen, vermutlich aber schon vor dem nächsten Spieljahr anheuern. «In der nächsten Woche werden wir einige Dinge bekannt geben. Es wird Überraschungen geben», meinte Schwenker geheimnisvoll und hielt noch einmal eine Laudatio auf den abwesenden Trainer: «Noka ist der anerkannteste und beste Fachmann, den es im Handball gibt.» (Franko Koitzsch und Christian Kamp, dpa)