netzeitung.deRadprofis Aldag und Zabel gestehen Doping

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Erik Zabel (l.) und Rolf Aldag. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erik Zabel (l.) und Rolf Aldag.
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T-Mobile-Sportchef Rolf Aldag und Sprintstar Erik Zabel haben ein umfassendes Doping-Geständnis abgelegt. Jan Ullrich schweigt weiterhin hartnäckig, muss sich aber einen neuen Anwalt suchen.

Der Teamchef des Bonner Radrennstalls T-Mobile, Rolf Aldag, hat Doping mit Epo zugegeben. Erik Zabel outete sich als erster noch aktiver Radprofi als Doping-Sünder. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Bonn gab der bald 37-Jährige unter Tränen zu, vor und in der ersten Woche der Tour de France 1996 mit Epo gedopt zu haben. «Ich habe gedopt, weil es ging», sagte Zabel, «das war ein Test, das war einmalig.» Der 38 Jahre alte Aldag erklärte: «Ich habe im Vorfeld der Tour de France 1995 mit Epo-Doping begonnen.» Er habe dabei ein «schlechtes Gewissen» gehabt, sich aber am Ende an das «Grundgerüst» gehalten: «Es gibt keine Chance, dass ich erwischt werde.» Ihm tue das alles «sehr leid».

«Für mich schließe ich es (Doping, Anm. d. Red.) auch aus», hatte Aldag noch am 27. März auf Netzeitung.de gesagt. Und hinzugefügt, dass es für ihn nicht vorstellbar sei, dass es «beim Team Telekom organisiertes Doping gab». Allerdings: «Was der Einzelne gemacht hat, weiß ich nicht. Die Hand ins Feuer lege ich nicht.»

Erst in Bonn rückte Aldag heute mit der Wahrheit raus. Doping sei ab 1997 schwieriger geworden, als nämlich der Hämatokritwert eingeführt worden sei. Da habe man mehr aufpassen müssen, es sei »nicht lustig gewesen, sich morgens um fünf die Nadel in den Arm zu stecken«, sagte Aldag. Als der Festina-Skandal 1998 bei der Tour zustande gekommen sei, hätte es eigentlich Klick machen müssen, so Aldag.

Aber es machte nicht Klick bei Aldag.

Gedopt, um mitzuhalten
Nachdem er die Tour de France von 1999 bis 2001 verpasste, habe er, Aldag, vor der Situtaion gestanden, weitermachen zu wollen, aber gleichzeitig auch gewusst, dass Spitzenleistungen in jener Verfassung nicht mehr möglich sein würden. Er habe sich dann erstmals übers Internet Doping-Mittel besorgt und manches Mal »dubiose Sachen bekommen«. Erst 2002 habe er sich dann enschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. »Da hatte es Klick gemacht.« Er habe seine Karriere dann ganz gut zu Ende gebracht.

Aldag scheint sie auch im Radsport fortsetzen zu können.

»Rolf und ich haben jetzt einiges zu erklären. Ich möchte mit Rolf aber weiter zusammenarbeiten. Auch das Team hat sich für ihn ausgesprochen. Er war ein Teil der Vergangenheit und wird ein Teil der Zukunft sein«, sagte T-Mobile-Teammanager Bob Stapleton zur Zukunft seines Angestellten.

Auch Erik Zabel gab unter Tränen zu, für eine kurze Zeit Epo getestet zu haben. Dann habe er aber entschieden, das Doping mit Epo ein für alle mal zu beenden. «Es ist für mich völlig unerheblich, ob man ein Jahr gedopt hat oder mehr. Das Reglement hat es verboten. Es tut mir sehr leid.» Beim sogenannten Zaubertrank des ehemaligen Team-Telekom-Masseurs Jeff D'Hont habe er allerdings auch zugegriffen. Im «Spiegel» vom 30. April hatte der Belgier gesagt, dass er mit diesem Zaubertrank seit 1977 arbeite. Die Flüssigkeit enthielte Koffein, Persantin und Alupent.

Ihm, Zabel, sei immer an einer Einheit von Körper und Geist gelegen gewesen. Deshalb habe er es nur beim Ausprobieren zumindest von Epo belassen. Ihm hätten die Epo-Präparate nicht gut getan. «Wir wollen nicht, dass die nächste Generation den Radsport in dieser Form betreibt», sagte Zabel zu den Beweggründen für sein Geständnis.

Zabel kündigte an, nun mit seinem Arbeitgeber, Team Milram, reden zu wollen. Er habe im Vorfeld des Geständnisses keinen Anwalt kontaktiert. «Welche sportlichen Folgen das für mich hat, werden jetzt Experten sagen. Ich nehme die Situation auf mich», so Zabel. Das Management des Milram-Teams teilte später mit, dass es die nächsten Tage ein klärendes Gespräch mit Zabel geben werde. Zabel hatte Milram vor der Pressekonferenz kurzfristig über seinen Wunsch informiert, «die Vergangenheit im Team Telekom aufzuklären», wie es in einer Pressemoteilung des Teams hieß.

BDR will WM-Einsatz von Zabel prüfen
Das Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) kündigte bereits an, den möglichen WM-Einsatz von Zabel im September in Stuttgart zu prüfen. Eine generelle Amnestie für geständige Profis komme nicht in Frage, es gebe eine Einzelfall- Prüfung, sagte BDR-Sport-Direktor Burkhard Bremer am Donnerstag nach der Bonner Presse-Konferenz und ließ eine wohlwollende Bearbeitung des Falles Zabel durchblicken. Für Zabel sollte die WM im eigenen Land der krönende Karriere-Abschluss sein.
Auch Bölts gesteht
Als sechster ehemaliger Telekom-Fahrer outete sich der Däne Brian Holm als Doping-Sünder. Er habe 1996 zwei Mal mit Epo gedopt, sagte Holm der Internet-Ausgabe der dänischen Zeitung «Politiken Newspaper» am Donnerstag. Holm ist derzeit Sportlicher Leiter bei T-Mobile. Der Tour-de-France-Sieger von 1996, Bjarne Riis, ebenfalls früher für das Team Telekom fahrend, kündigte für Freitag (16.30 Uhr) eine Pressekonferenz in Kopenhagen an.

Zuvor hatte auch der ehemalige Telekom-Profi Udo Bölts am Mittwochabend im SWR eingeräumt, gedopt zu haben. Der frühere Telekom-Profi Bert Dietz hatte am Montag bei «Beckmann» die Lawine losgetreten. Die Beichte von Christian Henn, ebenfalls früher im Telekom-Team und heute Sportlicher Leiter des ProTour-Teams Gerolsteiner, war am Dienstag erfolgt. Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer hatte auf Netzeitung.de am Dienstag angekündigt, an Henn festhalten zu wollen, weil eine Entlassung «vor allem das Kartell des Schweigens stützen« würde.

Ullrich benötigt neuen Anwalt
Um Jan Ullrich gibt es einmal mehr Kurioses. Der zurückgetretene Radprofi wird laut «Bild»-Zeitung von sofort an nicht mehr von Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel vertreten. Das bestätigte Ullrich- Manager Wolfgang Strohband dem Blatt am Donnerstag. Danach erklärte Strohband: «Wir haben Diestel das Mandat entzogen. Er darf nicht mehr für uns sprechen.» Diestel stellte laut «Bild» die Trennung anders dar: «Es gab Meinungsverschiedenheiten. Ich habe mein Mandat niedergelegt. Wer was anderes behauptet, den verklage ich.»

Im ZDF-«Morgenmagazin» hatte Diestel noch gesagt, dass er keinen Grund für eine Doping-Beichte des früheren Stars von Team Telekom sehe. «Ein Auspacken bei Jan Ullrich gibt es in diesem Sinne nicht. Ullrich brauchte bei seinem großen Talent nicht zu dopen.»

Aldag wiederum wand sich in der Pressekonferenz auf Ullrich angesprochen: «Ich kann über Jan Ullrich und sein Doping-Problem oder Nicht-Doping-Problem nichts sagen. Ich kann mich von ihm nicht distanzieren.» Ullrich habe früher eine wichtige und gute Rolle im Team gespielt«, so Aldag über seinen früheren Kapitän.

Freiburger Ärzte gestehen und fliegen
In getrennten Erklärungen gaben die Freiburger Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid am Mittwochabend zu, an Doping im Telekom-Rennstall mitgewirkt zu haben. Die Universität Freiburg trennte sich daraufhin am Donnerstag von den beiden Mediziniern. Auch Fußball-Zweitligist SC Freiburg beendete seine Zusammenarbeit mit Schmid.

Gegen beide Mediziner ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft. (nz)