netzeitung.deDas sagte Ex-Radprofi Dietz bei «Beckmann»

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Der frühere Radprofi Bert Dietz hat in der ARD-Sendung «Beckmann» eingestanden, während seiner aktiven Laufbahn gedopt zu haben. Hier Auszüge aus dem Gespräch.

Beckmann: Haben Sie denn damals schon 1994 so in der Anfangszeit als Profi leistungsfördernde Mittel genommen?

Dietz: Also beim ersten Jahr als Profi eigentlich nur vor den Klassikern wurde Kortison genommen. Ansonsten das letztens im «Spiegel» beschriebene Zaubergetränk vom Jef d'Hont - und das waren eigentlich so unsere einzigen Waffen.

Beckmann: Also das war im ersten Jahr 94. Was hat Kortison bewirkt bei Ihnen?

Dietz: Beschrieben wurde es so: Kortison setzt halt die körpereigene Abwehr ein Stück herunter, für die Allergiker ist das ja immer gut, wenn der Pollenflug ist, und im Radsport oder im Sport allgemein sollte halt der Effekt sein, dass man einfach ein Stück länger an der oberen Leistungsgrenze fahren kann, bevor der Körper mit Krämpfen oder mit anderen Sachen halt anfängt zu streiken.

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Beckmann: Jetzt haben Sie eben den Cocktail angesprochen, den Jef d'Hont-Cocktail, von dem wir alle erfahren haben vor wenigen Wochen im «Spiegel» bei der ganz großen Geschichte. Jef d'Hont war jahrelang Masseur und Pfleger im Team Telekom. Wie war dieser Cocktail zusammengestellt?

Dietz: Das war eigentlich jetzt bis letzte Woche immer ein Geheimnis gewesen. Ich hab das auch nie gewusst, er hat's auch nie gesagt. Er hat lediglich gesagt, es ist nichts, was auf der Liste steht. Und man soll es so, wenn man bis dahin kommt, 50 Kilometer vor dem Ziel halt noch mal so als letzte Reserve nehmen.

Beckmann: Das heißt, da kam die Ampulle, wurde einem gereicht oder so?

Dietz: Die hat man schon vor dem Start mitgehabt in der Trikottasche. Und wenn man halt bis dahin gekommen ist und noch die Chance hatte, sage ich mal so, unter die ersten 20 zu fahren, dann hat man das halt im Finale, wurde immer gesagt die letzten 50 km beim Weltcup-Rennen ist das Finale, und wenn man da noch dabei ist, dann werden halt die harten Attacken gefahren und dort sollte das halt noch mal so einen Auftrieb geben.

Beckmann: Da war also nicht nur Aspirin drin, da war ein Herzmittel drin und noch ein anderes Mittel dazu.

Dietz: Jef d'Hont hat immer gesagt, was für die Luft, was, dass das Blut dünn macht und die Gefäße erweitert.

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Beckmann: Wie ist es? Waren diese Mittel alle legal, die Sie da genommen haben oder standen die auf der Doping-Liste?

Dietz: Also, wir wussten ja nicht, was für Mittel in diesem Cocktail sind. Insofern mussten wir uns natürlich auf die Aussage verlassen, dass sie gesagt haben, das ist nicht gefährlich und das ist nicht auf der Liste.

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Beckmann: Wie groß war die Gefahr, erwischt zu werden für Sie?

Dietz: Eigentlich in den Anfangsjahren ganz Null.

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Beckmann: Nun haben Sie jetzt ja gesagt, dass gerade 94/95 sich bei der Telekom viele gefragt haben, warum sind die Italiener und Spanier einfach besser als wir. Die waren ja nicht zufrieden mit den Ergebnissen. Wie wurde denn im Team darüber gesprochen?

Dietz: Ja gut, man hat sich natürlich gewundert, dass jedes Jahr dort irgendwie 20 neue Spanier und 20 neue Italiener kommen, die das Jahr zuvor noch nicht einmal irgendwo erwähnt worden sind und plötzlich den Berg hochfahren können, als wäre es nichts gewesen. Das macht schon die Runde.

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Beckmann: Wann fiel denn zum ersten Mal der Begriff Epo, das Hormon Epo?

Dietz: Eigentlich bei mir das erste Mal '95, als ich mehr oder weniger, als ich über die Freiburger Ärzte die Sache angeboten bekommen hatte.

Beckmann: Die Freiburger Ärzte des Teams Telekom?

Dietz: Ja.

Beckmann: Und wie ist das abgelaufen?

Dietz: Es war im Trainingslager, auf Mallora, was im Frühjahr immer als gemeinsames Trainingslager abgehalten wurde.

Beckmann: 1995, Trainingslager Mallorca.

Dietz: Die Ärzte wurden dann halt auch immer mehr in die Trainingsplanung mit einbezogen, auch auf Wunsch von Telekom, dass das halt alles zentral gesteuert wurde. Bis dahin hat halt jeder im Training die Inhalte selber bestimmt und musste einfach nur zu den Wettkämpfen fit sein. Und die Freiburger Ärzte hatten sich halt dann da ein bisschen mehr mit reingehängt. Und so wurde halt so ein Plan besprochen, welche Rennen jetzt wichtig sind, welche Vorbereitung gemacht wird usw. Und in diesem Zusammenhang halt mit diesem individuellen Gespräch, was halt jeder dort geführt hatte, wurde halt die Gesamtsituation im Radsport erst einmal beschrieben - wie gesagt, Italiener fahren schnell und da und so -, und dass es halt damit zusammenhängen könnte, dass es halt da ein neues Mittel gibt, was halt das Epo ist. Und in dem Zusammenhang habe ich es eigentlich das erste Mal gehört.

Beckmann: Wie lief das ab? War das eine Empfehlung oder wie haben die Ärzte mit Ihnen persönlich darüber geredet?

Dietz: Wie gesagt, es wurde sehr weit ausgeholt. Also die Gesamtsituation im Radsport, dann halt immer mehr spezifisch auf das Team Telekom, dass wir natürlich Druck haben im Frühjahr. Wir müssen im Frühjahr bis Henninger Turm unsere Ergebnisse bringen. Und wenn wir vorne mitfahren wollen, müssten wir wahrscheinlich auch mal dieses Mittel probieren. Es wurde dann groß erklärt, welche Wirkung, welche Nebenwirkungen, welche Risiken bestehen. Und dann war die Entscheidung im Prinzip, dass wir das machen.

(dpa)