Doping-Beichte von Ex-Telekom-Profi Dietz
22.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Die Ärzte haben, wenn sie selbst vor Ort waren, selbst gespritzt. Wenn sie nicht vor Ort waren, haben es die Pfleger gemacht, also Jef d'Hont», sagte Dietz in der ARD-Sendung «Beckmann». Damit hat Dietz namentlich Vorwürfe gegen die zuvor schon unter Doping-Verdacht stehenden Team-Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid sowie den geständigen Team-Masseur d'Hont erhoben. Der Vorstand des Universitätsklinikums Freiburg kündigte am Dienstag eine Stellungnahme an.
Dietz habe angegeben, seit 1995 systematisch gedopt zu haben, hieß es in einer Vorab-Presseerklärung am Abend. Dietz fuhr zwischen 1994 und 1998 für den T-Mobile-Vorgänger Team Telekom und in dieser Zeit auch an der Seite Ullrichs.
Auf die Frage von Moderator Reinhold Beckmann, ob die Teamärzte den Gebrauch von Epo angeordnet oder angeboten hätten, antwortete Dietz: «Sie haben es angeboten, aber natürlich in so einer Form, dass es jeder wusste: Wenn ich es jetzt nicht nehme, habe ich wahrscheinlich am Jahresende so schlechte Ergebnisse, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Es war schon eindeutig, ja.»
Auch d'Hont hatte zuvor die Freiburger Teamärzte Schmid und Heinrich beschuldigt, an organisiertem Doping in großem Stil mitgewirkt zu haben. Nachdem die Freiburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Mediziner aufgenommen hatte, suspendierte das Bonner Team Schmid und Heinrich. Die beiden beschuldigten Ärzte bestreiten die Vorwürfe, haben bisher von gerichtlichen Schritten gegen d'Hont aber abgesehen. Eine externe Untersuchungs-Kommission nimmt die möglichen Verstrickungen der Mediziner und der Uni-Klinik unter die Lupe.
Ullrich hat bisher stets alle Doping-Vorwürfe zurückgewiesen. «Ich habe in meiner Karriere nicht betrogen und niemanden geschädigt», hatte der Tour-de-France-Sieger von 1997 bei seinem Rücktritt am 26. Februar gesagt. Wiederholt stritt Ullrich auch eine Verstrickung in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes ab.
In der Vorwoche hatte die «La Gazzetta dello Sport» berichtet, dass sich Ullrich, sein Rivale Ivan Basso und der mutmaßliche Dopingarzt Fuentes vor dem Giro d'Italia 2006 in Freiburg getroffen haben. Neun Beutel Blut - insgesamt 4,5 Liter -, die bei Fuentes sichergestellt worden sind, wurden per DNA-Test Ullrich zugeordnet. Basso hat mittlerweile «versuchtes Doping» zugegeben, was aber genauso eine zweijährige Sperre nach sich ziehen kann. (dpa)

