netzeitung.deMaske siegt im Showkampf ohne Show

 Herausgeber: netzeitung.de

Henry Maske (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Henry Maske
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Henry Maske boxte gegen Virgil Hill so, wie es niemand erwartet hatte. Natürlich ging es hinterher auch um die Frage, ob er es bei diesem Kampf belässt. Bilderschau: Denkwürdige Boxnacht mit Maske

Henry Maske hat in der Nacht zum Sonntag ein großes Stück Sportgeschichte geschrieben. In der mit 12.500 Zuschauern ausverkauften Münchner Olympiahalle schlug der 43 Jahre alte frühere Weltmeister im Halbschwergewicht den gleichaltrigen US-Amerikaner Virgil Hill im Revanche-Kampf einstimmig nach Punkten.

Maske rehabilitierte sich damit für die Niederlage, die ihm der amtierende WBA-Weltmeister im Cruisergewicht im November 1996 zugefügt hatte. Damals unterlag der Schützling von Trainer Manfred Wolke knapp nach Punkten und beendete danach seine Karriere als Profi-Boxer.

Nunmehr aber hat der Olympiasieger von 1988 als Profi 32 Kämpfe bestritten und davon 31 gewonnen.

Dank an Hill
«Die Zuschauer haben mir Zeit gegeben, den Kampf intelligent zu gestalten, Mitte der Distanz war zu spüren, dass sich der Kampf dreht», sagte ein aufgewühlter und glücklicher Maske nach dem Kampf. «Indirekt muss ich mich bei Virgil Hill bedanken. Er wurde mit 42 Jahren Weltmeister. Das war für mich der Moment, wo es anfing zu kribbeln.«

Tatsächlich hatte Maske die ersten beiden Runden gegen Hill abgeben und sich - wenn man so will - in der Ästhetik des Widerstands üben müssen. Der US-Amerikaner war aktiver, setzte die besseren Treffer, die freilich ohne Wirkung blieben, während Maske allein damit beschäftigt war, das Gefühl für die Distanz zu finden und den Ringrost abzulegen. Hill, der seinen letzten Kampf vor etwas über einem Jahr bestritten und im Januar 2005 den Weltmeistertitel im Cruisergewicht im Kampf gegen einen 13 Jahre jüngeren Rivalen erobert hatte, schien auf den schnelleren Beinen unterwegs, ging nach vorne und landete einige Körpertreffer.

«Ruhig atmen» empfahl Trainer Wolke seinem Schützling vor Runde drei. Was würde sich Maske zurechtgelegt haben, um dem gleichaltrigen Gegner fortan Paroli bieten zu können?

Pure Konzentration
Nun, Maske sollte, wie früher schon, seinen Kampfstill intelligent und konzentriert dem Gegner aufoktroyieren. Das war ihm ja immer gelungen, bis auf das erste Duell gegen Graciano Rocchigiani und dieses eine Mal im vergangenen Jahrzehnt, gegen den Gegner, der ihm nun wieder gegenüberstand und ihn manches Mal mit psychologischen Spielchen zu provozieren suchte. Doch das Lächeln und der lose Spruch beim Schluss einer jeden Runde sollten Hill vergehen.

Mehr und mehr positionierte Maske seine Führhand, und ab Runde fünf ließ sich konstatieren: Maske war im Kampf angekommen. Nun vermochte es der Treuenbrietzener Hills manches Mal überfallartige Attacken mit der Führhand zu kontern. Und Maske traf auch, ein leichtes Veilchen zierte Hills linkes Auge ab Runde fünf.

Maskes vorzügliche Deckungsarbeit verhinderte, dass Hill zu entscheidenden Treffern kam. Dessen Schwinger landeteten in Maskes Handschuhen, und auch von unten vollzogene Schläge prallten an Maskes Unterarmen ab. In Runde acht hatte er Hill nahezu neutralisiert, auch wenn dessen Schlaghand gefährlich blieb. Wobei man anmerken muss, dass der Kampf «manchmal nervig war für die Zuschauer, aber immer filigran», wie Maske später selbst anmerkte. Spektakulär war das Duell nämlich nie. Eher ein Showkampf ohne Show.

Schrecksekunde in Runde acht
Knappe 80 Sekunden vor Ende von Runde acht stießen beide Boxer unabsichtlich mit den Köpfen zusammen. Hill ging kurz zu Boden, verzog das Gesicht vor Schmerzen, hatte er doch einen Cut am linken Auge davongetragen. Nach den Regeln der Weltverbände musste Maske, obwohl schuldlos, aber eben unverletzt, ein Punkt abgezogen werden, «um die Chancengleichheit zu wahren», wie es im Regelwerk heißt.

Wenn Maske den Kampf voher schon mehr und mehr dominiert hatte, nicht durch die Zahl der Schläge, aber doch durch seine physische und psychische Präsenz, gelang ihm dies nun endgültig. Hill nutzte das wildere Gebaren nichts, denn Maske blieb stoisch. Zog das durch, was er selbst später zurecht intelligentes Boxen nannte. In Runde zehn landete Maske feine Treffer mit der Führhand in Hills Gesicht. Dort strömte das Blut, weshalb der Ringarzt den Cut in Runde elf überprüfte.

Mindestens souverän
Längst war in Hills Ecke Unruhe ausgebrochen, nicht nur des Cuts wegen, sondern es war ihr klar geworden, dass Hill wahrscheinlich einen K.o. benötigen würde, um den Kampf noch zu gewinnen. Maske aber war weit entfernt davon, dies zuzulassen. Souverän brachte er die letzte Runde zu Ende, indem er sich den stürmenden Hill vom Leibe hielt und selbst noch einmal den einen oder anderen Treffer setzte. Der Schlussgong ging im Jubel unter.

Bald nach dem Kampf, noch im Ring, bedankte sich Maske bei seiner Familie und Freunden. Er sei vor dem Kampf so ruhig gewesen, sagte Maske ins Mikrofon, jetzt wisse er auch warum: »Ich bin zehn Jahre reifer geworden.«

Versprechen gegeben
Und nun noch einmal um 1,5 Millionen Euro reicher. Ob es Maske bei diesem Kampf belässt, in dem es um keinen Titel ging? Oder macht er weiter? Zumal Hill forderte: «Ich hoffe, Henry gibt mir einen Rückkampf. Ich kann darauf aber nicht zehn Jahre warten»

«Ich habe ein Versprechen gegeben, das werde ich halten. Das war eine letztmalige Sache», sagte Maske noch in der Nacht. Er hat es seiner Familie versprochen, insbesondere seiner Frau Manuela, die mit Tränen in den Augen am Ring stand.

Lass es wirklich sein, Henry. Die Krönung ist auch ohne WM-Gürtel um die Hüften vollbracht.


Für das Web ediert von Markus Wanderl