Maske siegt im Showkampf ohne Show
Nunmehr aber hat der Olympiasieger von 1988 als Profi 32 Kämpfe bestritten und davon 31 gewonnen.
Tatsächlich hatte Maske die ersten beiden Runden gegen Hill abgeben und sich - wenn man so will - in der Ästhetik des Widerstands üben müssen. Der US-Amerikaner war aktiver, setzte die besseren Treffer, die freilich ohne Wirkung blieben, während Maske allein damit beschäftigt war, das Gefühl für die Distanz zu finden und den Ringrost abzulegen. Hill, der seinen letzten Kampf vor etwas über einem Jahr bestritten und im Januar 2005 den Weltmeistertitel im Cruisergewicht im Kampf gegen einen 13 Jahre jüngeren Rivalen erobert hatte, schien auf den schnelleren Beinen unterwegs, ging nach vorne und landete einige Körpertreffer.
«Ruhig atmen» empfahl Trainer Wolke seinem Schützling vor Runde drei. Was würde sich Maske zurechtgelegt haben, um dem gleichaltrigen Gegner fortan Paroli bieten zu können?
Mehr und mehr positionierte Maske seine Führhand, und ab Runde fünf ließ sich konstatieren: Maske war im Kampf angekommen. Nun vermochte es der Treuenbrietzener Hills manches Mal überfallartige Attacken mit der Führhand zu kontern. Und Maske traf auch, ein leichtes Veilchen zierte Hills linkes Auge ab Runde fünf.
Maskes vorzügliche Deckungsarbeit verhinderte, dass Hill zu entscheidenden Treffern kam. Dessen Schwinger landeteten in Maskes Handschuhen, und auch von unten vollzogene Schläge prallten an Maskes Unterarmen ab. In Runde acht hatte er Hill nahezu neutralisiert, auch wenn dessen Schlaghand gefährlich blieb. Wobei man anmerken muss, dass der Kampf «manchmal nervig war für die Zuschauer, aber immer filigran», wie Maske später selbst anmerkte. Spektakulär war das Duell nämlich nie. Eher ein Showkampf ohne Show.
Wenn Maske den Kampf voher schon mehr und mehr dominiert hatte, nicht durch die Zahl der Schläge, aber doch durch seine physische und psychische Präsenz, gelang ihm dies nun endgültig. Hill nutzte das wildere Gebaren nichts, denn Maske blieb stoisch. Zog das durch, was er selbst später zurecht intelligentes Boxen nannte. In Runde zehn landete Maske feine Treffer mit der Führhand in Hills Gesicht. Dort strömte das Blut, weshalb der Ringarzt den Cut in Runde elf überprüfte.
Bald nach dem Kampf, noch im Ring, bedankte sich Maske bei seiner Familie und Freunden. Er sei vor dem Kampf so ruhig gewesen, sagte Maske ins Mikrofon, jetzt wisse er auch warum: »Ich bin zehn Jahre reifer geworden.«
«Ich habe ein Versprechen gegeben, das werde ich halten. Das war eine letztmalige Sache», sagte Maske noch in der Nacht. Er hat es seiner Familie versprochen, insbesondere seiner Frau Manuela, die mit Tränen in den Augen am Ring stand.
Lass es wirklich sein, Henry. Die Krönung ist auch ohne WM-Gürtel um die Hüften vollbracht.
Für das Web ediert von Markus Wanderl

