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«Schön, wenn man sein größter Gegner ist»

15. Mrz 2007 09:09, ergänzt 09:49
Mark Warnecke
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Mark Warnecke tritt bei der WM in Melbourne als ältester Titelverteidiger der Geschichte an. Im zweiten Teil des Interviews spricht Marc Ellerich mit dem Schwimmer über ein Wundermittel, das deutsche Sommermärchen und körperliche Grenzen.

Netzeitung.de: Man mag kaum glauben, dass nach dieser Weltmeisterschaft für Sie tatsächlich Schluss sein soll. Ist Olympia 2008 kein Thema für Sie?

Um drei zu Bett

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Warnecke: Ich habe ein Zeitproblem. Von meinen Trainingsleistungen bin ich zum Teil besser als vor Montreal 2005. Körperlich sehe ich prinzipiell für mich noch keine Grenze. Nur, dass es eine gibt, ist auch klar. Und von der Arbeitszeitbelastung her geht es einfach nicht mehr. Ich gehe keine Nacht vor drei Uhr zu Bett. Dadurch bin ich platt. Und ich muss für mein Geld unheimlich hart arbeiten.

Netzeitung.de: Eigentlich hat ja der neue Cheftrainer Örjan Madsen Ihre Karriere bereits im vergangenen Dezember beendet, als er Sie nach den Deutschen Meisterschaften wegen ein paar hundertstel Sekunden zunächst nicht für sein Team für Melbourne nominieren wollte und sie dann doch berufen hat in einer Art Gnadenakt. Zornig deswegen?

Warnecke: Nein, mit Madsen komme ich gut klar. Ich habe mit ihm die ganze Zeit kommuniziert. Nein, das ist schon selbst gewählt. Und wenn ich tatsächlich noch einmal Lust habe, dann schwimme ich die komische Norm und bin dabei.

Um Gegner nie gekümmert

Netzeitung.de: Empfinden Sie Ihre Karriere nicht als eine der verpassten Chancen? Sie sagten einmal: «Mit dem Wissen von heute wäre ich früher hundertprozentig Olympiasieger geworden».

Internet-Check:
Startseite: mark-warnecke.de
Online-Zeit pro Tag: Acht bis neun Stunden
Lieblings-Weblog: Wat heißt Weblog?
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Blackberry oder Handy: Ein Mix, einen Communicator
Netz-Vorteile: Geschwindigkeit
Warnecke: Stimmt. Das ist vielleicht traurig auf einer Seite. Aber ich kann nicht von einer Karriere der verpassten Chancen sprechen. Ich habe sportlich doch alles erreicht, was ich wollte. Das Jahr 2005 zum Beispiel hat mir einen neuen Weg geöffnet, der mir sehr viel Spaß macht. Und ohne die Niederlage 2004, die verpasste Olympia- Qualifikation, wäre es nicht so gekommen. Durch jede Niederlage bin ich kräftiger geworden. Ich bin immer wieder aufgestanden.

Netzeitung.de: Ist es nicht beschämend, dass Ihnen national über all die Jahre kein ernsthafter Konkurrent erwachsen ist?

Warnecke: Das Schöne ist doch, wenn man selbst sein größter Gegner ist. Außerdem gibt es einen in Deutschland, der jahrelang durchgehalten hat und unter besseren Bedingungen mehr Kerben in mein Holz hätte schlagen können: Jens Kruppa. Aber um Gegner habe ich mich ohnehin nie gekümmert, da bin ich nicht genügend Leistungssportler. Deswegen kenne ich ja auch deren Namen nicht, außer sie penetrieren mich so wie der Jens. Die machen ihr Ding, ich mache meins. Im Endeffekt sind sie mir völlig egal, ich will nur meine Leistung abrufen. Wenn ich mit hundert Prozent anschlage, bin ich zufrieden, egal Wievielter ich geworden bin.

Netzeitung.de: Am deutschen Fördersystem haben Sie nichts auszusetzen.

Warnecke: Dazu habe ich eine Meinung. Aber sagen wir es so: Ich möchte eine ruhige WM durchleben.

Eine halbe Million

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Netzeitung.de: Schlagzeilen haben Sie mit ihrem Diätmittel gemacht, mit dem Sie 16 Kilo abgespeckt haben.

Warnecke: Mehr, mehr!

Netzeitung.de: Mit dem Sie also zahlreiche Kilos verloren haben, was Ihnen letztlich erst den WM-Sieg vor zwei Jahren ermöglich hat. Jetzt haben Sie die nächste Geheimwaffe entwickelt, einen besonderen Schwimmanzug.

Warnecke: Ja, aber den werde ich bei der WM nicht tragen. Das Ding ist wirklich klasse, aber es ist noch nicht richtig fertig. Und ich habe alles auf Eis gelegt, weil es einen Riesenradau gab im DSV seitens Adidas. Ich habe zu viel Arbeit und keine Lust zu streiten. Der DSV hat mir eine Strafe von 500.000 Euro angedroht, wenn ich in Melbourne meinen Anzug tragen sollte.

Netzeitung.de: Zurück zu Ihren Aminosäuren. Läuft Ihr Wundermittel immer noch so gut?

Warnecke: Es läuft gigantisch. Es gibt auch Monate, da mache ich Verlust, keine Frage. Das liegt aber am Gesamtkonzept. Wir machen jetzt eine Studie mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum, die haben mich angesprochen, weil sie ein Riesenpotenzial sehen. Sie wollen es bei der Tumorforschung einsetzen. Das ist für mich eine Riesenehre. Gleichzeitig läuft mit den Vivantis-Kliniken ein Diätprojekt, mit über hundert Patienten pro Jahr, mit einem eigens entwickelten Produkt. Ein Riesenaufwand, was die Investitionen und die Entwicklung angeht. Ich mache das ja alles selbst. Da steht keiner hinter mir, Nestlé oder so, das ist allein Warnecke.

Wirklich schockierend

Netzeitung.de: Ihr Mittel soll den deutschen Fußballern ja sogar deren Sommermärchen ermöglicht haben.

Warnecke: Das hat die Sportbild geschrieben. Ich dementiere das nicht, aber ich darf es selbst nicht sagen. Ich darf keine Kunden benennen, die ihre eigenen Werbeverträge haben.

Netzeitung.de: Der Boxer Axel Schulz hat zu Ihren Kunden gehört, die Hockey-Weltmeister. Wer noch?

Warnecke: Sagen wir so: Ich habe im letzten Jahr bei mehreren Medaillen mitgeholfen. Ich könnte jetzt alle Namen raushauen, das wäre dann für einige Sponsoren wirklich schockierend, aber das mache ich nicht. Das wäre ein kurzfristiger Erfolg, ich würde mich verbrennen.

«Keine Antwort»

Netzeitung.de: Wie geht es nach der Weltmeisterschaft weiter?

Warnecke: Ja, wie geht’s weiter? Zunächst mal steht die Firma im Vordergrund.

Netzeitung.de: Und das Schwimmen?

Warnecke: Das ist eine Frage, die ich mit 26 schon beantwortet habe. Was habe ich damals gesagt? Das würde ich jetzt einfach übernehmen. Ich mache mir da keinen Kopp drum. Wie gesagt: Ich mache das, weil es mir Spaß macht, und wenn es nicht ist, dann ist es nicht. Ich definiere mich mittlerweile nicht mehr als der Schwimmer.

Netzeitung.de: Aber das Schwimmen war die Basis für alles, was danach kam.

Warnecke: Ja, ich habe dem Schwimmen sehr viel zu verdanken, es hat mich erzogen. Aber ich kann an einen Rücktritt gar nicht denken, weil ich weder zurückgetreten noch aktiv bin. Ich habe wirklich keine Antwort darauf, wenn mich einer fragt, was nach dem Schwimmen ist. Ich denke nicht, dass ich mit 50 bei irgendwelchen Seniorenmeisterschaften mitmache, aber es kann durchaus sein, dass ich noch eine Kurzbahn-Meisterschaft schwimme aus Spaß an der Freud'. Kann sein, dass ich vielleicht irgendein Produkt an mir teste und dann gut bin. Kann sein. Aber ich plane das alles nicht. Ehrlich nicht.

  • Teil eins: «Ich bin Beckenbauer, nicht Beckham» 15. Mrz 2007 09:09

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