04.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Urkals Traum vom Titel endgültig geplatzt
Weltergewichtler Oktay Urkal ist auch im vierten Anlauf auf den Titel des Box-Weltmeisters gescheitert. Auch ein Kollege musste im Supermittelgewicht schmerzliche Erfahrungen sammeln.
In einer Nacht sind gleich bei zwei deutschen Profiboxern die Weltmeisterschaftsträume geplatzt. Erst landete der Magdeburger Robert Stieglitz im Kampf um den IBF-Gürtel im Supermittelgewicht im Ringstaub, dann scheiterte der Berliner Oktay Urkal im Duell um das WBA-Championat im Weltergewicht. Stieglitz verlor sein WM-Debüt in Rostock gegen den Kolumbianer Alejandro Berrio durch technischen K.o. in der dritten Runde, Urkal hatte im fernen Puerto Rico gegen Lokalmatador und Titelverteidiger Miguel Angel Cotto keine Chance, so dass Trainer Ulli Wegner in der elften Runde das Handtuch warf.
«Letzte Chance»Während der 25-jährige Stieglitz die Niederlage unter der Rubrik Erfahrungswerte verbuchen kann, steht der 37 Jahre alte Deutsch-Türke Urkal vor dem Karriereende. «Ich weiß nicht genau, ob es mein letzter Kampf war. Vielleicht mache ich noch einen», sagte der Berliner, dem der große Schlag als Profi-Boxer versagt geblieben ist. Vier Mal hat er Anlauf auf den WM-Thron genommen, vier Mal musste er geschlagen von dannen ziehen. «Diese WM war meine letzte Chance. Man merkt, ich bin älter geworden. Die Reaktion ist nicht mehr so da. Aber mit 37 muss man erst mal so weit kommen.»
Der «Ali vom Kreuzberg», wie Urkal anerkennend von Freunden und Fans genannt wird, hat in seiner Laufbahn dennoch Herausragendes vollbracht. Bei den Amateuren war er 1996 Olympia-Zweiter und Europameister, 1993 und 1995 brachte er es zu WM-Bronze. Bei den Profis absolvierte er 42 Kämpfe, von denen er 38 gewann. Alle Niederlagen kassierte der Sohn türkischer Einwanderer in WM-Duellen. Dem elf Jahre jüngeren Cotto hielt Urkal lange stand, verlor jedoch jede Runde. «Wir waren krasse Außenseiter. Aber Oktay hat eine tolle Leistung geboten, ich bin stolz auf ihn. Der Abbruch war eine vernünftige Entscheidung. Der Sieg war nicht mehr drin», gestand Trainer Wegner.
Zwei NiederschlägeVorerst gescheitert ist auch Stieglitz. Der Schützling von Trainer Werner Kirsch aus dem Magdeburger SES-Boxstall konnte nicht fassen, dass er nach zwei Niederschlägen durch Berrio vor 4500 Zuschauern in der Rostocker Stadthalle den WM-Titel verspielt hatte. «Ich wurde von seiner rechten Hand erwischt und bin danach gleich wieder reingegangen - das war ein Fehler», räumte der 25 Jahre alte Russland-Deutsche ein. Nunmehr steht es 1:1 zwischen den Rivalen. Den ersten Kampf im Dezember 2005 hatte Stieglitz durch technischen K.o. gewonnen. «Natürlich möchte ich einen Rückkampf», forderte Stieglitz, der sich mit einer Kampfbörse von 300.000 Euro trösten kann. «Robert wird zurückkommen. Er hat Qualität», sagte Promoter Ulf Steinforth.
Die Niederlage des Deutschen löste beim veranstaltenden Sauerland- Stall, der die WM ersteigert hatte, Jubelstürme aus. Denn Promoter Wilfried Sauerland hatte Berrio im November für vier Kämpfe unter Vertrag genommen. Nun kann er den Kolumbianer gegen einen seiner Stammkräfte im Supermittelgewicht (Markus Beyer, Danilo Häußler, Vitali Tsypko oder Neuerwerbung Mads Larsen) antreten lassen. «Danilo ist der erste, den wir fragen, ob er die Aufgabe übernehmen will», sagte Sauerland, der dem übertragenden TV-Sender ARD damit weitere Titelkämpfe garantieren kann. (Franko Koitzsch, dpa)