26.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Jan Ullrich
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Der dopingverdächtige Radprofi Jan Ullrich hat den Gerüchten um seine Zukunft ein Ende gesetzt. Auf einer Pressekonferenz ließ er keine Journalistenfragen zu - und holte zu einem finalen Rundumschlag aus.
Der des Dopings verdächtige Jan Ullrich hat am Vormittag erwartungsgemäß seine Laufbahn als Radprofi für beendet erklärt. Er werde von Berufs wegen nicht mehr aufs Fahrrad steigen, teilte er auf einer halbstündigen Pressekonferenz im Hamburger Hotel Interconti mit. «Ich möchte offiziell bekannt geben: Ich beende heute meine aktive Karriere. Die innere Stimme sagt: Es ist soweit. Es fällt mir sehr schwer.» Jan Ullrich hatte seine Laufbahn als Radprofi im Jahr 1995 beim damaligen Team Telekom begonnen.
Berater und WerbeträgerAllerdings werde er dem Radsport erhalten bleiben, erklärte der 33-Jährige, der mit seiner Frau Sara in Scherzingen in der Schweiz lebt. Künftig werde er als «Berater, Werbeträger und Repräsentant» für das zweitklassige österreichische Team Volksbank tätig sein, berichtete Ullrich, der 1997 als erster Deutscher die Tour de France gewonnen hatte.
Auf der Veranstaltung, bei der ausschließlich Ullrich redete und keine Frangen von Journalisten zugelassen wurden, äußerte er sich auch zum Dopingskandal um den spanischen Arzt Fuentes, bei dem er unter schweren Dopingverdacht geriet. «Ich hab mir nichts vorzuwerfen», wies er jegliche Beteiligung am Skandal erneut zurück. «Ich habe in meiner ganzen Karriere niemanden betrogen und habe niemanden geschädigt.» Nach wie vor komme er sich wie «ein Schwerverbrecher» vor.
Die Suspendierung im Juni 2006 durch seinen damaligen Arbeitgeber, das Team T-Mobile, wenige Stunden vor der Tour de France bezeichnete er als «Überreaktion». Nach Bekanntwerden des Skandals hatten die Radteams auf Druck des Weltverbandes UCI alle Fahrer zurückgezogen, die mit dem Skandal in Verbindung gebracht wurden. Neben Ullrich traf es mit Ivan Basso einen weiteren Top-Favoriten auf den Sieg. «Das war eine Vorverurteilung, wie sie es in einem Rechtsstaat nicht geben sollte«, sagte Ullrich, der am 21. Juli 2006 von T-Mobile fristlos entlassen worden war und seither kein Radrennen mehr bestritten hat.
Scharping verspottetIn seinem halbstündigen Statement, in dem Ullrich einen merkwürdig überdrehten Eindruck machte, rechnete der Olympiasieger von Sydney in einem verbalen Rundumschlag mit zahlreichen Kritikern ab: der Presse, den nationalen und internationalen Radsport-Verbänden sowie den Ermittlern in Spanien, die den Dopingskandal mit einer Razzia im Mai 2006 ausgelöst hatten. Des weiteren griff Ullrich «Halb-Experten, Professoren und wer da alles noch so rumspringt» an.
Mit seiner Enttäuschung über den Weltverband, der seiner Meinung nach die Verantwortung in der Fuentes-Affäre auf die einzelnen Landesverbände abgeschoben hat, hielt Ullrich nicht hinter dem Berg: «Ein Super-Verein, kann ich da nur sagen«, so Ullrich süffisant.
Verdienste für den RadsportUllrich attackierte desweiteren den Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer, den ehemaligen SPD-Politiker Rudolf Scharping. Scharping nannte er einen «Schulterklopfer», der sich früher gerne mit ihm geschmückt und mit dem er nun seit zwei Jahren nicht mehr telefoniert habe.
Inzwischen sei Scharping vom Verteidigungsminister zum Radsport-Präsidenten «abgestiegen». Scharping hatte in den vergangenen Wochen gefordert, Ullrich keine Fahrer-Lizenz zu erteilen. Ullrich habe dem deutschen Radsport Schaden zugefügt. In seinem Statement vor der Presse stellte Ullrich seine Verdienste für den Radsport ausführlich heraus und attackierte im Gegenzug den BDR-Präsidenten. Personen wie Scharping «tun dem Radsport nicht gut», sagte Ullrich.
Angriffe gegen Bannenberg und FrankeNamentlich griff Ullrich zudem die Bonner Rechtsprofessorin Britta Bannenberg an, die den Radprofi wegen Betrugs zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers T-Mobile angezeigt hatte, sowie den Heidelberger Dopingjäger und Professor der Molekularbiologie, Werner Franke. Bannenberg warf er vor, sich auf seine Kosten profilieren zu wollen, Franke nannte er einen «zerstreuten Professor», der sich selbst «disqualifiziert» habe.
Franke hatte Ullrich im vergangenen Jahr wegen uneidlicher Falschaussage angezeigt, auch dieses Verfahren läuft noch. Zudem erwartet Ullrich, unabhängig vom heutigen Rücktritt, ein Sportgerichtsverfahren in der Schweiz. (nz)