12.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Eskalierende Gewalt im Fußball-Stadion
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Nach der Randale in Leipzig ein schärferes Vorgehen gegen Hooligans gefordert. So sollen mutmaßliche Gewalttäter nicht gleich wieder auf freien Fuß kommen.
Nach den Krawallen im ostdeutschen Amateur- Fußball haben die Polizei-Gewerkschaften härtere Strafen für die Rowdys gefordert. «36 verletzte Polizisten sollten Anlass genug sein, um die Täter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist skandalös, dass die mutmaßlichen Gewalttäter am Sonntag schon wieder auf freien Fuß kamen» sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck, am Montag. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warf dem gastgebenden Verein 1. FC Lok Leipzig zudem schwere Versäumnisse vor. «Italienische Verhältnisse dürfen nicht geduldet werden», sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg.
800 Hooligans, 300 PolizistenAm Samstag war es nach einem Landespokalspiel in Leipzig zwischen 1. Lok Leipzig und dem FC Erzgebirge Aue II (0:3) zu schweren Ausschreitungen gekommen. Etwa 800 Hooligans hatten die Polizei attackiert. Dabei waren 36 Beamte sowie sechs Zivilisten verletzt und ein erheblicher Sachschaden angerichtet worden.
Die Vereine seien gefordert, sich stärker gegen die randalierenden Anhänger zur Wehr zu setzen, sagte Speck. «Sich jedes Mal nach Ausschreitungen zu distanzieren und Gewalt zu relativieren, reicht nicht mehr aus. Wenn wir keine Verhältnisse wie in Italien haben wollen, müssen wir alle enger zusammenarbeiten», forderte der DPolG- Chef von Vereinen, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), Politik und Polizei. Die Deutsche Polizeigewerkschaft mahnte ein «stärkeres Engagement der DFB-Fanbeauftragten» an. Zudem müsse es mehr Überwachungsmöglichkeiten geben, Stadionverbote sollten zur Regel werden.
Kritik an EinlasskontrollenDer GdP-Vorsitzende Freiberg kritisierte den gastgebenden Bezirksligisten aus Leipzig: «Im Stadion war so viel Pyrotechnik vorhanden, dass von Einlasskontrollen kaum eine Rede gewesen sein konnte.» Wenn Fußballvereine das nicht in den Griff bekämen, dürften sie sich nicht darüber beschweren, wenn sie künftig ohne Zuschauer spielen müssten. «Wir können nicht künftig zu jedem Kreisklassenspiel mit mehreren Hundertschaften anrücken. Wenn Fußball zur Tarnung von Mordlust wird, ist dieser Sport bald am Ende», sagte Freiberg.
Bei der Hetzjagd hatte ein Polizist einen Warnschuss abgeben müssen. Zudem war mit Schreckschusspistolen auf die Beamten geschossen worden. Es wurden Steine, Betonteile und Feuerwerkskörper in Richtung der Polizisten geworfen.
Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte ein härteres Vorgehen gegen Hooligans. «Die Justiz geht zu nachsichtig mit Randalierern und Chaoten um», sagte BDK-Landeschef Uwe Baumert am Montag in Dresden. Die Staatsanwaltschaften müssten ihre Praxis im Fall von Landfriedensbruch ändern. Bisher würden von der Polizei konkrete Beweise für die Taten einzelner Personen verlangt.
Strafe auch für Nicht-Aktive«Das sieht in der Regel so aus, dass die Polizei nachweisen muss, wer zum Beispiel einen Stein geworfen hat», hieß es. Dies sei «unangemessen nachsichtig gegenüber Gewalttätern». Nach Auffassung des BDK müsse vielmehr jeder Teilnehmer an solchen Ausschreitungen - auch der nicht aktiv Handelnde - unter den entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuches fallen. «Die Intention des Gesetzgebers war es nicht, den Beifall klatschenden Teilnehmer an Ausschreitungen zu schützen.»
«Internes Problem der Leipziger»Unterdessen befürchtet Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue keine negativen Konsequenzen aus den Vorkommnissen. «An einen Imageschaden für Aue glaube ich nicht», erklärte Präsident Uwe Leonhardt am Montag und distanzierte sich von den Ereignissen: «Es ist ein internes Problem der Leipziger.»
Fanbetreuung oberstes GebotDass sich «unsere Fans besser verhalten» hätten, führte der 48-Jährige auch auf die Arbeit seines Vereins zurück. «Es hat einiges mit Selbsterziehung zu tun. Wir kommunizieren viel mit unseren Anhängern und sind breit aufgestellt, was die Fanbetreuung betrifft», betonte Leonhardt. In den vergangenen Jahren habe dieses Thema immer mehr an Bedeutung gewonnen, denn «der Schaden, der einem Verein durch solche so genannte Fans entstehen kann, ist enorm. In unterklassigen Ligen ist das jedoch kaum zu leisten», stellte Leonhardt fest. (nz)