netzeitung.deNeue SPD-Debatte über Rente mit 67

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Neue SPD-Debatte über Rente mit 67

«Viele wollen das ja», meint der niedersächsische SPD-Spitzenkandidat Jüttner zum Arbeiten über die bisherige Grenze von 65 Jahren hinaus. Für ihn sollte deshalb die «individuelle Belastung» über den Renteneintritt entscheiden.

Über die Rente mit 67 gibt es eine «kritische Debatte in der SPD» – «auch unabhängig von der IG Metall». Das sagte der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für die niedersächsische Landtagswahl im kommenden Jahr, Wolfgang Jüttner, der «Frankfurter Rundschau» mit Blick auf die vielen Aktionen der Gewerkschaft gegen ein höheres Renteneintrittsalter in den vergangenen Wochen.

Zwar habe sich seine Partei auf die Linie von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) «ziemlich festgelegt», räumte Jüttner ein. Es habe aber «von Anfang an» innerhalb der SPD eine Debatte darüber gegeben, «ob man nicht etwas differenzierter mit dem Rententhema umgehen sollte». Diese Meinung werde «bis hin zum Parteivorsitzenden» vertreten, meinte Jüttner.

Schließlich sei es «Tatsache», dass es «körperbelastende Jobs gibt, besonders anstrengend oder ganz einfach besonders einseitig, die man nach Jahrzehnten nicht mehr länger ausüben kann». «Jede starre Altersgrenze wird solchen Bedingungen nicht gerecht», argumentierte Jüttner und plädierte daher dafür, «den Renteneintritt ... von der konkreten individuellen Belastung» abhängig zu machen.

40 Jahre Beitragszahlung?
Jüttner räumte indes ein, es sei «schwer, das zu objektivieren». Grundsätzlich sollte aus seiner Sicht das «einzige Zugeständnis im Gesetzentwurf der Bundesregierung» – der abschlagsfreie Renteneintritt für Menschen, die 45 Jahre lang Beiträge entrichtet haben – auf 40 Jahre Beitragszahlung «zu reduzieren». Das würde dazu führen, dass jemand, «der ab 20 eine belastende Tätigkeit erledigt, mit 60 in Rente kann», ohne Abschläge hinnehmen zu müssen.

Andererseits habe er «überhaupt nichts dagegen, dass jemand, der mit knapp 30 Jahren als Akademiker berufstätig wird, über das 65. Lebensjahr hinaus seine Kompetenzen der Gesellschaft zur Verfügung stellt. Viele wollen das ja auch», sagte Jüttner dem Blatt. Dabei müssten aber auch «die Aspekte Altersteilzeit und Erwerbsunfähigkeit» geprüft werden.

Bis 2029 mit 67 in Rente
Das Bundeskabinett plant, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise von derzeit 65 auf 67 anzuheben. Dieser Schwellenwert wäre nach derzeitigen Plänen 2029 erreicht. Zugleich plant Arbeitsminister Müntefering eine Initiative zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, die als eine der größten Problemgruppen auf dem Arbeitsmarkt gelten. Das Parlament hat über die Pläne noch nicht entschieden. (nz)