netzeitung.deEiskunstläufer blamieren sich bei EM

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Eiskunstläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy (r.) (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Eiskunstläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy (r.)
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das umstrittene Eislaufpaar Sawtschenko/Szolkowy glänzt durch ambitionierten Sport. Doch hinter den beiden bietet das deutsche Eiskunstlaufen ein trauriges Bild.

Von Britta Körber, Warschau

Ein Goldpaar und nichts dahinter: Im Schatten der Europameister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy hat sich das große Team der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bei den Titelkämpfen in Warschau blamiert. Stefan Lindemann hat seinen Zenit überschritten und lief mit Platz elf der Spitze hinterher, die zwei Damen waren mit Rang 19 und 20 allein technisch gar nicht konkurrenzfähig. «Mit Trainingsweltmeistern kommen wir nicht weiter», sprach DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf zum Ende der Titelkämpfe deutliche Worte.

Russen ohne Medaille
Dass man auch mit einem deutschen Trainer ganz nach vorn kommen kann, demonstrierte die grazile Italienerin Carolina Kostner eindrucksvoll zur Filmmusik «Erinnerungen einer Geisha». Der Wahl-Oberstdorfer Michael Huth wurde sogar zum erfolgreichsten Coach der EM - er hat auch den Silbermedaillengewinner Tomas Verner (Tschechien) unter seinen Fittichen. Die 20-jährige Kostner siegte verdient mit 174,79 Punkten gegen Sarah Meier (171,28) aus der Schweiz und Kiira Korpi (Finnland/151,19).

Huths neue Schülerin, die deutsche Meisterin Kristin Wieczorek aus Chemnitz, ging in einer schwachen Konkurrenz unter. Die 20-Jährige trainiert seit dem Herbst im Allgäu und hofft auf eine Leistungssteigerung zur Weltmeisterschaft im März in Tokio. Weil Vizemeisterin Christiane Berger (Mannheim) noch schlechter war, bekam die Sächsin auch ohne Flip und Lutz im Repertoire den einzigen Startplatz. Nach jahrelangen Hoch-Zeiten schwächelt sogar die Eiskunstlauf-Nation Russland: Nach dem Karriere-Ende aller vier Titelträger gewann man erstmals seit 25 Jahren keine Goldmedaille.

Eiskunstlauf am Boden
Der klamme deutsche Wintersportverband ist derzeit ganz auf das Erfolgsteam um Problemcoach Ingo Steuer angewiesen, der für die Zukunft noch große Taten ankündigte. «Bei der WM wollen wir eine Medaille», lautet das kurzfristige Ziel. Experten trauen den innovativen Läufern Sawtschenko/Szolkowy sogar den ganz großen Coup zu - wenn nicht in diesem Jahr, dann 2008. So lange allerdings nicht geklärt ist, ob die deutschen Sportverbände mit Steuers Stasi-Vergangenheit leben wollen, kann die DEU den Ex-Weltmeister in keiner Weise unterstützen - geschweige denn, Nachwuchs zu ihm schicken.

«Der Eiskunstlauf liegt in Deutschland ziemlich nieder. Es wäre doch schön, wenn der EM-Titel einen positiven Schub auslöst», meinte DEU-Vizepräsident Uwe Harnos. Der Jurist wird sich zur Bewertung von Steuers Stasi-Akte sachkundige Hilfe holen und dann ein schriftliches Resümee ziehen. Sollte es zu keinem einlenkenden Gespräch mit dem Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund kommen, wird man sich im April/Mai noch einmal vor dem Münchner Oberlandesgericht treffen. «Wir wollen bis zum Ende der Saison Klarheit haben und endlich Ruhe einkehren lassen», sagte Harnos. (dpa)