netzeitung.deBach sieht Doping-Kompromiss auf DOSB-Linie

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Thomas Bach (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Thomas Bach, sieht die Beschlüsse der großen Koalition im Antidoping-Kampf auf der Linie seines Verbands. Eine Einführung der Besitzstrafbarkeit sei nicht gegeben.

Von Andreas Schirmer und Holger Schück

Nach dem überraschenden Kompromiss zu Rechtsverschärfungen im Antidoping-Kampf drücken Bundespolitik und der organisierte Sport aufs Tempo. Möglichst noch vor der Sommerpause will der Deutsche Bundestag mit einem so genannten Artikelgesetz neue Fakten schaffen. «Ich hoffe, zum 1. Juli gelingt es», sagte der Vorsitzende des Sportausschusses, Peter Danckert, in einer einstündigen Plenumsdebatte zur Dopingproblematik.

«Übereinstimmung mit unseren Beschlüssen»
Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, forderte eine schnelle Verabschiedung der in der Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD getroffenen Vereinbarungen. «Wir haben da ein ehrgeiziges Ziel und hoffen, dass es noch vor dem Sommer zur Verabschiedung kommt», sagte Bach.

Der DOSB-Präsident unterstrich, trotz unterschiedlicher Interpretationen des Kompromisses sei die nach zehnmonatigen Verhandlungen innerhalb der Koalition getroffene Vereinbarung auf der Linie der DOSB-Politik. «Sie steht in Übereinstimmung zu unseren Beschlüssen», meinte Bach. Eine Einführung der umstrittenen Besitzstrafbarkeit für Sportler, die vom DOSB abgelehnt wird, durch die Hintertür sei für ihn nicht erkennbar. «Der Punkt ist, dass zukünftig alles möglich gemacht wird, um Ermittlungen bei möglichen Doping-Vergehen anzustellen, ohne dass die Sanktionierung durch die Sportgerichtsbarkeit beeinflusst wird.»

«Ungemütlicher» für Doper
Kern des Vorschlages ist, dass der Besitz «nicht geringer Mengen» von Dopingmitteln den Handel unterstellt und somit bestraft werden kann. Diese Bestimmung, die in das Arzneimittelgesetz aufgenommen werden soll, wird keine Spezial-Norm für den Sport werden, sondern strafrechtliche Ermittlungen gegen alle Bürger ermöglichen. Dabei soll nur der Besitz größerer Mengen der gefährlichsten Wirkstoffe wie anabole Steroide oder Hormonpräparate strafbar sein. «Hier ist dringend mit erweiterten Möglichkeiten zu arbeiten», forderte Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, und verwies auf Bundeskriminalamt und Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften in den Ländern.

«Es wird jetzt für Doper in diesem Land ungemütlicher», erklärte die SPD-Sportsprecherin Dagmar Freitag in der Debatte. Das Parlament verabschiedete einstimmig einen Gesetzentwurf zur Unesco-Antidoping- Konvention, die eine internationale Zusammenarbeit und entschiedene Maßnahmen fordert. Nachdem bereits 38 Staaten dem internationalen Vertrag beigetreten sind, wird nunmehr in Kürze die Ratifizierung durch Deutschland abgeschlossen.

Aufklärung über verpasste Tests
Der Bundestag sprach sich für eine umfassende Aufklärung der Unregelmäßigkeiten beim deutschen Trainingskontrollsystem aus. «Ob es nun 400, 300 oder 200 verpasste Tests waren: Die Pannen im Kontrollsystem müssen restlos aufgeklärt werden», sagte Danckert zur Diskussion um eine ARD-Fernsehreportage. Danach sollen im Vorjahr etwa 400 von insgesamt 4500 Athleten bei unangemeldeten Kontrollen nicht am gemeldeten Aufenthaltsort angetroffen worden sein.

Für Bündnis 90/Die Grünen forderte Winfried Hermann Konsequenzen für die Fachverbände, die den Anti-Doping-Kampf nicht ernst nehmen: «Wer schlampt oder nicht mitmacht, muss damit rechnen, dass er bald vom Bund keine Haushaltsmittel mehr erhält.»

«Kein Waterloo für Bach»
Danckert forderte eine bessere Finanzausstattung für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada): «Der Jahresetat von 1,7 Millionen Euro ist viel zu gering und hat das Niveau von Finnland. Eigentlich müsste es ein Budget von 25 Millionen Euro jährlich geben.» Der SPD- Politiker kritisierte, dass der DOSB in diesem Jahr seinen Finanzbeitrag nur einmalig auf 520.000 Euro verdoppelt hat: «Das müsste dauerhaft und mehr sein.»

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper wies Kritik, dass der DOSB und sein Präsident sich in der Debatte um eine Gesetzesverschärfung nicht durchgesetzt hätten, zurück: «Es war auf keinem Fall ein Waterloo für Thomas Bach.» Hingegen wertete Danckert die DOSB-Zustimmung mit deutlichem Unterton als «positives Zeichen» dafür, dass der Sport mit Bach und Vesper an der Spitze jetzt sage: «Das haben wir schon immer gewollt.» Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping, begrüßte die Koalitions-Einigung, an der es am Ende des Gesetzgebungsverfahrens auch keine Abstriche geben dürfe. (dpa)