Bach sieht Doping-Kompromiss auf DOSB-Linie
Nach dem überraschenden Kompromiss zu Rechtsverschärfungen im Antidoping-Kampf drücken Bundespolitik und der organisierte Sport aufs Tempo. Möglichst noch vor der Sommerpause will der Deutsche Bundestag mit einem so genannten Artikelgesetz neue Fakten schaffen. «Ich hoffe, zum 1. Juli gelingt es», sagte der Vorsitzende des Sportausschusses, Peter Danckert, in einer einstündigen Plenumsdebatte zur Dopingproblematik.
Der DOSB-Präsident unterstrich, trotz unterschiedlicher Interpretationen des Kompromisses sei die nach zehnmonatigen Verhandlungen innerhalb der Koalition getroffene Vereinbarung auf der Linie der DOSB-Politik. «Sie steht in Übereinstimmung zu unseren Beschlüssen», meinte Bach. Eine Einführung der umstrittenen Besitzstrafbarkeit für Sportler, die vom DOSB abgelehnt wird, durch die Hintertür sei für ihn nicht erkennbar. «Der Punkt ist, dass zukünftig alles möglich gemacht wird, um Ermittlungen bei möglichen Doping-Vergehen anzustellen, ohne dass die Sanktionierung durch die Sportgerichtsbarkeit beeinflusst wird.»
«Es wird jetzt für Doper in diesem Land ungemütlicher», erklärte die SPD-Sportsprecherin Dagmar Freitag in der Debatte. Das Parlament verabschiedete einstimmig einen Gesetzentwurf zur Unesco-Antidoping- Konvention, die eine internationale Zusammenarbeit und entschiedene Maßnahmen fordert. Nachdem bereits 38 Staaten dem internationalen Vertrag beigetreten sind, wird nunmehr in Kürze die Ratifizierung durch Deutschland abgeschlossen.
Für Bündnis 90/Die Grünen forderte Winfried Hermann Konsequenzen für die Fachverbände, die den Anti-Doping-Kampf nicht ernst nehmen: «Wer schlampt oder nicht mitmacht, muss damit rechnen, dass er bald vom Bund keine Haushaltsmittel mehr erhält.»
DOSB-Generaldirektor Michael Vesper wies Kritik, dass der DOSB und sein Präsident sich in der Debatte um eine Gesetzesverschärfung nicht durchgesetzt hätten, zurück: «Es war auf keinem Fall ein Waterloo für Thomas Bach.» Hingegen wertete Danckert die DOSB-Zustimmung mit deutlichem Unterton als «positives Zeichen» dafür, dass der Sport mit Bach und Vesper an der Spitze jetzt sage: «Das haben wir schon immer gewollt.» Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping, begrüßte die Koalitions-Einigung, an der es am Ende des Gesetzgebungsverfahrens auch keine Abstriche geben dürfe. (dpa)

