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Stielikes Karrierechance liegt in Westafrika

28. Dez 2006 11:55
Uli Stielike
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Er habe noch nie eine so gute Mannschaft trainiert, sagt der ehemalige DFB-Coach Uli Stielike über das Team der Elfenbeinküste. Ein Rauswurf in Deutschland eröffnet dem Europameister die größte Chance seiner Karriere.

Von Matthias Jung

Uli Stielike kann sich das Lachen nicht verkneifen, wenn er an die Vorbereitung der Elfenbeinküste auf das kommende Qualifikationsspiel zum Afrika-Cup denkt. Denn vor der Partie am 24. März in Madagaskar werden die westafrikanischen Fußballer mit ihrem neuen deutschen Coach ein Trainingslager auf der Sonneninsel Mauritius beziehen. «Da gibt es Schlechteres, oder?», sagt Stielike, und die gute Laune des 52-Jährigen ist nicht zu überhören.

Auftrag Afrika-Cup

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«Ich hatte als Trainer noch nie eine Mannschaft dieser Qualität», sagt der Europameister von 1980, der nun für die ivorischen Stars wie Didier Drogba (Chelsea London) oder Kolo Touré (FC Arsenal) verantwortlich ist. Mitte September hat der frühere Libero und Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach und Real Madrid einen Zweijahresvertrag in der Elfenbeinküste unterschrieben. Der Auftrag lautet: die «Elefanten» zum Afrika-Cup 2008 in Ghana und dort möglichst zum Titel zu führen.

Es ist eine neue Karrierechance nach der Ausmusterung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dort war der gebürtige Badener, einst an der Seite von Erich Ribbeck für die Nationalelf mitverantwortlich, im August 2004 kurz nach dem Amtsantritt des Bundestrainers Jürgen Klinsmann vom U-21- zum U-20-Coach degradiert worden. Im vergangenen Sommer wurde sein Vertrag nicht verlängert. «Im DFB-Präsidium werden mir einige den Misserfolg wünschen. Denn es wäre für sie natürlich schlecht, wenn ich mit der Elfenbeinküste Erfolg hätte.»

Sprache als Waffe

Es hat schon mal gut angefangen für den Nachfolger von Henri Michel. Das erste Qualifikationsspiel gegen Gabun wurde 5:0 gewonnen, ein Test gegen Schweden 1:0. Doch der Erwartungsdruck dürfte nicht kleiner werden. «Beim letzten Afrika-Cup ist die Elfenbeinküste Zweiter hinter Ägypten geworden, die Trauben hängen also hoch», sagt Stielike, der sich auch von den politischen Spannungen im Land nicht abschrecken ließ. Sein neuer Arbeitgeber sei «mit das Seriöseste», was man in Afrika finden könne, die Mannschaft «die beste unter denen, die bei der WM nach der Vorrunde ausgeschieden sind».

Ohne sein gutes Französisch aus seiner Zeit als Spieler und Trainer des Schweizer Klubs Xamax Neuchatel hätte er den Job allerdings nicht übernommen. «Denn die Waffe des Trainers ist die Sprache», sagt der Vize-Weltmeister von 1982, dessen Motto lautet: «Die afrikanischen Wurzeln beibehalten, und die Äste europäisch zuschneiden.» Zwar müssten Drogba und Co. auf dem Platz mehr Geschlossenheit entwickeln. Es gehe ihm aber nicht darum, deutsche Tugenden zu vermitteln. «Denn es ist doch fantastisch, wenn man es schafft, die afrikanische Lebensfreude ins Spiel einzubringen.»

«Reizvoller Auftrag»

So gehe es sehr fröhlich zu im Bus der Mannschaft. «Wenn ein Fremder am Straßenrand steht, muss er eher den Eindruck haben, dass wir zu einem Folklorefestival fahren als zu einem Länderspiel», sagt Stielike. Freundschaftspartien wie das gegen Schweden finden nur in Europa statt, «denn hier spielen alle unsere Top-25-Spieler». Weshalb Stielike nicht in der ivorischen Hauptstadt Abidjan wohnt, sondern weiter im hessischen Birkenau an der Grenze zu Baden-Württemberg.

Nach einem erfolgreichen Afrika-Cup könnte sein Vertrag womöglich verlängert werden. Denn 2010 folgt ein noch viel größeres Turnier: Die WM in Südafrika. Stielike: «Sollte sie tatsächlich dort stattfinden, wäre das ein reizvoller Auftrag.» (dpa)

 
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