13.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
DOSB will Doping-Besitz weiter nicht bestrafen
Der Deutsche Olympische Sportbund lehnt es weiterhin ab, den Besitz von Dopingmitteln unter Strafe zu stellen. Daran ändere auch ein mögliches Suchtpotential von Anabolika nichts, sagte Generaldirektor Vesper.
Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, hat die ablehnende Haltung der Mehrheit des organisierten Sports gegen die Einführung einer Besitzstrafbarkeit von Dopingsubstanzen bekräftigt. Vesper erklärte am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, auch außerhalb des Sports werde das geforderte Verbot anaboler Steroide mit einem Passus im Betäubungsmittelgesetz nicht befürwortet.
Feststellung des SuchtpotentialsSo habe das Bundesministerium für Gesundheit gegenüber dem DOSB deutlich gemacht, die Einführung eines derartigen Straftatbestandes werde selbst dann auf Ablehnung stoßen, sollte ein pharmakologisches Gutachten das Suchtpotenzial von Anabolika feststellen.
Das Ministerium habe abgelehnt, dass bei der anstehenden Novellierung des Arzneimittelgesetzes eine Regelüberwachung der Fitnessstudios verfügt werden soll, sagte Vesper. Erhebliche Bedenken gebe es aus diesem Ressort zudem gegen eine schärfere Überwachung der Einfuhr von Dopingpräparaten im Reiseverkehr und auf dem Postwege. Sport und Politik seien sich beim Anti-Doping-Kampf in den Kernpunkten einig, unterstrich Vesper.
Zugleich kündigte er an, ab 2007 Elitehochschulen des Leistungssports zertifizieren zu wollen. Damit sollten Spitzensport und Studium besser aufeinander abgestimmt werden.
Schritt zurückDie sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Freitag, kritisierte, dass der am Samstag in Weimar auf der Mitgliederversammlung des DOSB beschlossene Antidoping-Aktionsplan die Verankerung eines Straftatbestandes für den Besitz von Dopingmitteln ausklammert. Das sei ein Schritt rückwärts, sagte die Parlamentarierin.
Der Abgeordnete Winfried Hermann, Sportsprecher von Bündnis 90/Die Grünen, forderte, die Sportdachorganisation müsste deutlich machen, was sie selbst im Antidopingkampf konkret leisten wolle. So sollte das Zehn-Punkte-Programm mit weiteren Eigenleistungen des Sports, etwa in der Trainerausbildung, fortgeschrieben werden. (nz)