netzeitung.deNadine Krause: Jedes Team ist schlagbar

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Nadine Krause (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nadine Krause
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Mit Alkohol habe sie den vorzeitigen Einzug in die EM-Hauptrunde nicht begossen, erzählt Nadine Krause im Interview mit der Netzeitung. Für die beste Torschützin der deutschen Handball-Auswahl ist die Partie gegen Norwegen das «wichtigste Spiel».

Die deutsche Nationalmannschaft ist viel versprechend in die Handball-Europameisterschaft in Schweden (7. bis 17. Dezember) gestartet. Nach einem souveränen Sieg gegen Polen zum Auftakt (30:20) gelang dem Team von Bundestrainer Armin Emrich am Freitag ein 31:30-Zittersieg gegen Slowenien.

Auch wenn der vorzeitige Einzug in die EM-Hauptrunde damit bereits feststeht: die letzte Vorrundenpartie der deutschen Auswahl am Sonntag (16.30 Uhr/live im DSF) in Göteborg gegen Titelverteidiger Norwegen ist für Deutschlands treffsicherste Nationalspielerin Nadine Krause «das wichtigste Spiel», wie sie im Interview mit der Netzeitung sagt. Denn die in der Vorrunde untereinander erzielten Ergebnisse werden in der Hauptrunde weitergewertet. Der Modus erlaubt dem EM-Fünften von 2004 also fast keinen Aussetzer.

Für die 24 Jahre alte Rückraumspielerin, die in der Bundesliga für Leverkusen spielt, sind die Norwegerinnen der «Topfavorit» des Turniers. Aber Krause, die bereits 1999 im Nationalteam debütierte und 2005 zur Handballerin des Jahres gekürt wurde, sagt auch: «Jedes Team ist schlagbar.» Sie glaubt, dass durchaus eine Mannschaft Europameister werden kann, mit der jetzt noch kaum jemand rechnet. Auch die deutsche Mannschaft? «Das wäre natürlich super», sagt Krause.

Netzeitung: Ist der vorzeitige Einzug in die Hauptrunde mit Sekt oder Champagner gefeiert worden?

Nadine Krause: Natürlich geht’s uns nach zwei gewonnenen Spielen gut, das war aber bisher auch alles ganz schön nervenaufreibend. Und weil es heute ja schon um Platz eins geht, haben wir nur ein bisschen gefeiert. Alkohol gab’s aber nicht.

Netzeitung: Kein bisschen?

Krause: Nein. (lacht)

Netzeitung: Hatten Sie persönlich in den ersten beiden Spielen Siege eingeplant?

Krause: Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Dass wir das Auftaktspiel für uns entschieden haben, war schon mal super. Wir sind dadurch gut ins Turnier reingekommen. Um vorzeitig die Hauptrunde zu erreichen, mussten wir die beiden Partien ja auch gewinnen. Insofern lief es bisher schon optimal.

Entscheidend ist die Tagesform
Netzeitung: Titelverteidiger Norwegen hat die Sloweninnen mit 23 Toren Unterschied abgefertigt, Ihr Team hat nur mit einem Tor Unterschied gewonnen. Lässt das den Rückschluss zu, dass die Norwegerinnen eine Klasse besser sind als die deutsche Auswahl?

Krause: Das werden wir nachher sehen. Jedes Spiel ist anders. Und die Sloweninnen sind gegen uns ganz anders aufgetreten als gegen die Norwegerinnen. Sicher sind die Norwegerinnen gegen uns klarer Favorit. Aber die Tagesform ist am Ende immer entscheidend. Und bei einer EM kann ohnehin viel passieren.

Netzeitung: Die deutsche Auswahl steht in der Hauptrunde, die Norwegerinnen auch. Für wie entscheidend halten Sie das Spiel gegen Norwegen?

Krause: Das Spiel ist allein deshalb wichtig, weil wir die Punkte mit in die Hauptrunde nehmen. Wer vier Punkte mitnimmt und wer nur zwei, das ist schon nicht ganz unwichtig. Ich sehe das als wichtigstes Spiel für beide Mannschaften an.

Guter Start ist maßgeblich
Netzeitung: Beim Vierländer-Turnier in Paris Anfang November gab’ s gegen Norwegen eine 26:29-Niederlage, Ende November setzte es noch mal eine, sogar mit sechs Toren Unterschied. Welche Lehren haben Sie aus der Partie gezogen?

Krause: Es wird auf die erste Viertelstunde ankommen. Da haben uns die Norwegerinnen gerade im letzten Spiel förmlich überrannt, und wir lagen schnell ziemlich hoch in Rückstand. Heute sollten wir das Spiel von Beginn an offener gestalten. Zur Halbzeit viele Tore zurückzuliegen, wäre nicht so toll.

Netzeitung: Sind die Norwegerinnen schlagbar?

Krause: Jede Mannschaft ist schlagbar, aber gegen die Norwegerinnen wird’s schon sehr, sehr schwer.

Netzeitung: Was macht deren Stärke aus?

Krause: Vor allem ihr Tempospiel ist bisher unerreicht. Sie haben dazu eine gut besetzte Bank und können deshalb gut durchwechseln. Sie sind auch individuell einfach sehr gut besetzt. Aber wie gesagt, die Tempogegenstöße sind ihre stärkste Waffe. Sie laufen einfach extrem früh los.

Netzeitung: Sie und Ihr Team werden in der Hauptrunde nicht auf Dänemark und Weltmeister Russland treffen. Ist das beruhigend?

Krause: Bei einer EM ist jedes Spiel schwierig. Von daher ist es egal, auf wen man trifft.

Netzeitung: Sie werden ab Mitte 2007 in Dänemark spielen, in der stärksten Liga der Welt. Den Däninnen im weiteren Verlauf des Turniers ein Beinchen zu stellen, wäre doch nicht schlecht, oder?

Krause: Natürlich. Allein, weil wir ja auch so weit wie möglich kommen wollen. Dafür müssen wir gegen alle gewinnen, auch gegen die Däninnen.

Keine Gedanken ans Halbfinale
Netzeitung: Zuletzt gewannen die deutschen Frauen bei der EM 1994 im eigenen Land eine Medaille, die silberne. Ist dieses Mal ein ähnliches Resultat oder gar mehr drin?

Krause: Es wäre schön, wirklich schön. Aber es ist sehr schwer, eine Vorhersage zu treffen. Zumal wir von Spiel zu Spiel denken wollen. Wenn wir uns jetzt schon übers Halbfinale Gedanken machen, wird das nichts. Unsere volle Konzentration gilt dem Norwegen-Spiel. Wir haben auf jeden Fall ein super Mannschaftsgefüge, da stimmt alles. Wir verstehen uns gut, es ist eine tolle Zusammenarbeit.

Netzeitung: Dass die deutsche Auswahl zum erweiterten Kreis der Medaillen-Aspiranten gehört, halten Sie für übertrieben?

Krause: Übertrieben würde ich nicht sagen. Bei einer EM gibt es so viele Spiele innerhalb kurzer Zeit, da entscheidet tatsächlich oft die Tagesform. Wenn man einen richtig schlechten Tag hat, verliert man das Spiel und zwei Punkte sind weg. An einem anderen gewinnt man so glücklich, dass man es kaum glauben kann. Wie gesagt, es ist wirklich schwierig, eine Prognose zu treffen.

Netzeitung: Sie sind letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Russland Torschützenkönigin gewesen. Zehn Tore in der ersten Partie gegen die Polinnen und acht gegen die Sloweninnen stehen nun schon wieder zu Buche, was kann man von der «Rückraumbomberin» Nadine Krause noch im Turnier erwarten?

Krause: Ich erwarte vor allem, dass ich der Mannschaft helfe soweit wie möglich zu kommen. Mehr nicht, weniger aber auch nicht.

Netzeitung: Sind nur die Russinnen oder die Norwegerinnen imstande den Titel zu holen?

Krause: Sie sind meine Topfavoriten, aber es kann auch eine Überraschung geben.

Netzeitung: Auch durch die deutsche Auswahl?

Krause: Das wäre natürlich super!

Das Interview mit Nadine Krause führte Markus Wanderl