netzeitung.deVolleyball-WM: «Alles ist möglich»

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Tanja Hart (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Vor acht Jahren war die WM in Japan für die deutschen Volleyballerinnen ein Desaster. Dieses Mal setzt der neue Bundestrainer Giovanni Guidetti in Asien aufs «enorme Potenzial», wie er der Netzeitung sagte.

Von Michael Langenwalter, Berlin

Wenn man Giovanni Guidetti glauben darf, dann hat der neue Volleyball- Bundestrainer der Frauen in seiner Karriere «solch einen Mannschaftsgeist und eine derartige Professionalität noch nicht erlebt.» Die deutschen Spielerinnen um Kapitän Angelina Grün hätten ihn von Anfang an begeistert. Das sei ein völlig anderes Arbeiten als mit einer italienischen Profimannschaft, schwärmt der 34-Jährige. Guidetti hatte lange Jahre als Coach in der obersten italienischen Spielklasse gearbeitet. Seit Mitte April ist der Italiener nun beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) angestellt.

«Enormes Potenzial»
Die richtige Einstellung ist das eine, die Leistung eine andere. Doch da ist sich Guidetti bei den DVV-Frauen ganz sicher. «Diese Mannschaft hat ein enormes Potenzial», sagte der Italiener der Netzeitung. Dass seine Spielerinnen dieses schon bei der Weltmeisterschaft in Japan, die am Dienstag beginnt und bis zum 16. November dauert, abrufen kann, will Guidetti aber nicht versprechen. Es kann, muss aber nicht zwangsläufig die Folge sein. Es werde wohl eine Gratwanderung werden, unkt der agile Trainer. In der starken Vorrundengruppe sei alles möglich.

«Wenn wir unseren besten Volleyball spielen, können wir das gleiche Niveau spielen wie jedes andere Team», so Guidetti. Und alle schlagen. Der Sieg im ersten Testspiel gegen Brasilien hat diese These eindrucksvoll untermauert. Diese Partie habe «gezeigt, dass wir gegen jeden Gegner eine Chance haben, wenn wir unsere beste Leistung bringen».

In der Vorrunde in Sapporo erwartet die DVV-Frauen ein Mammutprogramm. Platz vier ist zum Einzug in die Zwischenrunde nötig. Die fünf Spiele binnen sechs Tage werden in jedem Fall an die Substanz gehen. Zum Auftakt geht es gegen das Team aus der Dominikanischen Republik (31.10.). Es folgen die Partien gegen Mexiko (1.11.), der Olympia-Zweite Russland (3.11.), der EM-Vierte Aserbeidschan (4.11.) und Olympiasieger China zum Abschluss (5.11.). Ein kräfteraubendes Programm, bei dem der Trainer allen zwölf Spielerinnen im Kader Spielzeit einräumen will.

Unerfahrenheit als Schwachpunkt
Das ist auch dringend notwendig. Schließlich hat Guidetti die «Unerfahrenheit einiger Spielerinnen» als große Schwäche seines Teams ausgemacht. Denn für Kathleen Weiß, Cornelia Dumler, Christiane Fürst, Cathrin Schlüter, Margareta Kozuch und Corina Ssuschke ist es die erste WM.

Doch das lässt sich ja leicht ändern. Je mehr Spiele die DVV-Auswahl bei den Titelkämpfen bestreitet, um so besser. Der Italiener sucht dabei weiter nach einer «guten Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielerinnen.» Bei der Benennung seines Aufgebots war Guidetti übrigens durch die Verletzung von Sylvia Roll übrigens um die sonst fällige Personalentscheidung herumgekommen. Der 13er Kader schrumpfte so von selbst auf die Sollgröße. Nachnominierungen sind auch bei Verletzungen nicht möglich.

WM 1998 als Warnung
Sollten die deutschen Spielerinnen in Fernost ihr Potenzial aber nicht abrufen, «können wir aber auch gegen alle verlieren», warnt der Coach eindringlich. Das wäre für die DVV-Auswahl nichts Neues. Bei der WM vor acht Jahren, die ebenfalls in Japan stattfand, schaffte die deutsche Mannschaft keinen einzigen Sieg. Angelina Grün, Tanja Hart und Kerstin Tzscherlich werden sich erinnern. Das Trio stand schon vor acht Jahren im DVV-Kader und ist nun auf Wiedergutmachung aus.

Letztlich gehen aber alle im deutschen Team davon aus, dass der Einzug in die nächste Runde machbar sein sollte. «Wir wollen unter die besten Acht», formulierte stellvertretend Angelina Grün die Erwartungshaltung. «Bei der Heim-WM vor vier Jahren waren die Zehnte. Das wollen wir steigern.»

Brasilien der Topfavorit
Auch beim Topfavoriten der WM sind sich Guidetti und seine Spielerinnen einig. Brasilien sei derzeit das Maß aller Dinge. Da ändere auch die sensationelle Niederlage im Testspiel gegen die DVV-Auswahl nichts. Beim möglichen Finalgegner gehen die Meinungen indes weit auseinander. «Ich rechne mit einem Endspiel zwischen den Südamerikanerinnen und China», so Kapitän Angelina Grün. Ihr Trainer rechnet dagegen Russland gute Chancen aus. «Kuba und Italien kommen dahinter.»