«Elfmeterschießen ist die sportlichere Variante»
03.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Karl Wald: Ich war Schiedsrichter seit 1936 und stand in Pokalspielen o.ä. oft vor der Situation eine Entscheidung herbeiführen zu müssen. Die Regel lautete damals: Wenn nach einer Verlängerung kein Sieger feststeht, dann wird per Los ein Sieger bestimmt. Ich habe in so einem Fall dann also die Spielführer zu mir gerufen, der eine nahm Wappen, der andere Zahl und ich warf die Münze in die Luft. Anschließend gratulierte ich dem Sieger und sagte zu dem Verlierer: «Sie kommen das nächste mal dran». Diese Variante empfand ich als sehr ungerecht. Ich stellte immer wieder fest, dass die Zuschauer den Ball im Netz sehen wollen und so kam ich schließlich auf die Idee mit dem Elfmeterschießen.
Frage: Wie reagierten die Menschen überwiegend auf Ihre Idee?
Wald: Sehr positiv, da alle mit mir übereinstimmten, dass diese Lösung gegenüber dem Münzwurf die eindeutig sportlichere Variante darstellt.
Frage: Werden Sie oft auf der Straße erkannt?
Wald: Lediglich in meiner Heimat Oberbayern und insbesondere in meinem Wohnort, der Stadt Penzberg werde ich häufiger erkannt und auch angesprochen, ansonsten nicht.
Frage: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass Deutsche beim Elfmeterschießen immer gewinnen und die Engländer immer verlieren?
Wald: Es liegt sicherlich an der Nervenstärke, die wir Deutschen anscheinend haben.
Wald: Nein, da ich seit der Einführung des Elfmeterschießens keinen mehr getroffen habe. Im Krieg war ich jedoch in Englischer Gefangenschaft und hatte ein sehr gutes Verhältnis zu den Engländern. Dieses gute Verhältnis ging sogar so weit, dass ich bei Soldatenspielen als Schiedsrichter eingesetzt und von Kaserne zu Kaserne gefahren wurde um dort ein Spiel zu leiten. Der Höhepunkt war dann sogar ein Soldatenspiel im berühmten Pariser Prinzenpark-Stadion.
Frage: Wenn Sie jetzt die Möglichkeit hätten etwas am Vorgang des Elfmeterschießens zu ändern, was wäre das?
Wald: Man hat ja gesehen, dass verschiedene Versuche die Regel zu ändern (Golden Goal und Silver Goal) zu keinem Erfolg geführt haben und man dann doch zum Elfmeterschießen zurückgekehrt ist. Das Elfmeterschießen ist eine hochspannende Sache und ich bin sehr stolz darauf, dass die Regeln, die ich 1970 vorgeschlagen habe, noch heute in unveränderter Form existieren.
Wald: Da diese Regel ja bereits seit 1976 auf Fifa Ebene besteht, ist so ein Elfmeterschießen natürlich nichts neues mehr, aber ich bin nach wie vor mit Interesse bei der Sache und über alle Fußballspiele bestens im Bilde, da ich mir alle Spiele regelmäßig im Fernsehen ansehe. Mit sehr viel Freude habe ich bei der WM 2006 natürlich auch gemeinsam mit meiner Familie das Elfmeterschießen Deutschland gegen Argentinien angesehen.
Frage: Was war für Sie das schönste aller Elfmeterschießen?
Wald: Bayern - Valencia beim Champions-League-Endspiel 2001 als Oliver Kahn die Elfmeter aus dem Winkel rausgeschlagen hat, das war für mich das schönste Elfmeterschießen.
Wald: Das liegt eindeutig am benehmen der Spieler. Wenn ich da nur an die andauernden Reklamationen der Italiener denke. Der Schiedsrichter muss das ganze von vornherein unterbinden, um das Spiel in den Griff zu bekommen.
Frage: Welchen Schiedsrichter sehen Sie als weltweit besten momentan?
Wald: Dr. Markus Merk. Für mich ist es jedoch völlig unverständlich, dass er mit seiner Klasse bei der WM nur so unbedeutende Spiele leiten durfte.
Dieses Interview erschien zuerst auf Readers Edition

