netzeitung.deGebrochener Kiefer hält Abraham nicht auf

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Arthur Abraham (r.) mit Edison Miranda (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Arthur Abraham (r.) mit Edison Miranda
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Arthur Abraham brach sich bei der Verteidigung seines IBF- Weltmeistertitels früh den Kiefer. Den Gürtel gab er in einem aufopferungsvoll geführten Kampf trotzdem nicht her. Bilderschau: Abraham trotzt Kieferbruch

Mittelgewichtler Arthur Abraham hat seinen Weltmeistertitel nach IBF-Version in einem dramatischen Kampf verteidigt. Der gebürtige Armenier, der seit diesem Jahr auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, bezwang den Kolumbianer Edison Miranda in Wetzlar nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten (114:109,115:109,116:109). Für den ungeschlagenen Schützling von Trainer Ulli Wegner war dies der 22. Sieg in seiner Profi-Karriere.

Abraham eröffnete sich mit seinem Erfolg die Chance, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Der Kampf war in den USA live im TV zu sehen. Abraham hatte sich den Mittelgewichts-Titel im Dezember 2005 in Leipzig erobert und ihn seitdem drei Mal verteidigt.

Über die Grenze hinaus
In einer wahren Boxschlacht drohte Abraham die frühzeitige Aufgabe, nachdem am Ende der fünften Runde Verdacht auf Kieferbruch diagnostiziert wurde. Bereits in der vierten Runde lief dem Boxprofi Blut aus dem Mund und die linke Backe war stark angeschwollen, so dass Ringrichter Randy Newman (USA) schließlich ein Time-Out verfügte.

Der Ringarzt konnte den Blutfluss in der kurzen Zeit nicht stoppen und empfahl auch deshalb die Aufgabe. Abraham entschied sich jedoch weiterzuboxen, im Wissen, dass der WM-Titel bei verletzungsbedingter Aufgabe futsch gewesen wäre.

Edison bestätigt Ruf
Zwar hatte Ringrichter Newman den zuvor in 26 Kämpfen ungeschlagenen Kolumbianer in der fünften Runde wegen eines absichtlichen Kopfstoßes verwarnt, weil der Supervisor diesen Kopfstoß jedoch nicht als Grund für die Verletzung ansah, sondern in einer Schlagwirkung begründet sah, musste sich Abraham schließlich mit seiner schweren Verletzung acht Runden durchbeißen. Das machte er im Stile eines Klasse-Boxers mit Herz. Dem in den ersten Runden sehr gefährlichen Miranda gelang es bis zum Schluss nicht, seinen schwer gehandicapten Gegner zu stellen. Abraham profitierte zudem von den in den ersten vier Runden gelandeten klareren Treffern.

«Eine solche Entscheidung zu treffen, seinen eigenen Kämpfer mit einer solchen Verletzung im Kampf zu lassen, das ist sehr, sehr schwer. Wie er um den Sieg gefightet hat, war ganz, ganz toll», sagte Trainer Wegner hinterher. Box-Promoter Wilfried Sauerland war nach dem Kampf von seinem Schützling völlig beeindruckt. «Arthur wollte nicht aufhören, er wollte den Titel unbedingt behalten. So etwas habe ich in 25 Jahren Boxen noch nicht erlebt.»

Direkt ins Krankenhaus
Abraham wurde direkt nach dem Kampf ins Krankenhaus gebracht, um am Kiefer operiert zu werden. Die Operation am Sonntag dauerte drei Stunden. Um den Kiefer zu stabilisieren wurden Abraham zwei Platten eingesetzt. Erst am Sonntagnachmittag wurde Abraham von der Intensivstation auf die normale Station verlegt. Aller Voraussicht nach wird er frühestens in sechs Monaten wieder boxen können.

Edison, der seinen Ruf des «Straßenkämpfers» mit unsauberen Schlägen fast in jeder Runde bestätigte, wurden am Ende des Kampfes wegen dreier Tiefschläge drei Punkte abgezogen. Auch davon profitierte Abraham, der in der Nacht zum Sonntag wohl die Leistung seines Lebens bot, die Feier aber wird nachholen müssen. (nz)