FC Chelsea in Bestechungsskandal verwickelt
20.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Dem englischen Profi-Fußball droht ein Bestechungsskandal. Mehrere Premier-League-Clubs sollen nach Informationen der BBC in illegale Transaktionen bei Spielerwechseln verwickelt sein. Der nationale Fußballverband FA kündigte am Mittwoch an, «jeden möglichen Vertragsbruch» zu untersuchen. In einer am Dienstagabend ausgestrahlten TV-Sendung hatten verdeckt recherchierende BBC-Journalisten die Affäre öffentlich gemacht. Demnach soll auch der englische Meister FC Chelsea, neuer Club von Michael Ballack, Transferbestimmungen der FA verletzt haben.
In der BBC-Dokumentation bezeichneten drei Spielerberater Bolton-Trainer Allardyce, der vor der Weltmeisterschaft als heißer Anwärter auf den Posten des englischen Nationaltrainers gehandelt wurde, als «korrupt». So soll er bei der Verpflichtung des israelischen Nationalspielers Tal Ben Haim ein Handgeld von rund 75.000 Euro eingestrichen haben. Eine entscheidende Rolle habe sein Sohn Craig gespielt. Dieser besitzt zwar eine offizielle Lizenz als Spielerberater, durfte aber keine Geschäfte mit den Wanderers abwickeln, die sein Vater seit 1999 betreut.
Auch die FA hat den Fernsehsender gebeten, weitere Aufnahmen und Erkenntnisse weiter zu reichen. «Wir haben die Sendung mit großem Interesse gesehen. Wenn wir Beweise von möglichen Regelverstößen haben, werden wir selbstverständlich Ermittlungen einleiten», kündigte ein FA-Sprecher an. Redknapp will auf rechtliche Schritte gegen die BBC verzichten. «Ich habe nichts zu befürchten, da ich nichts falsch gemacht habe», sagte der Coach des FC Portsmouth.
Bereits in den 90er Jahren gab es im englischen Profifußball einen Schmiergeldskandal. Der damalige Trainer des FC Arsenal, George Graham, hatte bei der Verpflichtung von Pal Lydersen und John Jensen umgerechnet 635.000 Euro von einem Spielervermittler erhalten. Als die illegale Zahlung Jahre später aufflog, wurde Graham entlassen und von der FA für ein Jahr gesperrt. (dpa)

