04.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Julius Brink (r.), Christoph Dieckmann
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Der deutsche Verband würde die Beachvolleyball- Europameister Julius Brink und Christoph Dieckmann gerne wieder in eine deutsche Serie einbinden. Das Duo lehnt die Offerte aber dankend ab.
Von Felix Meininghaus, Timmendorfer StrandJulius Brink gehört nicht zu den Athleten, die vor der Obrigkeit in Ehrfurcht erstarren. Jene freche Attitüde, die sich in kleinen Provokationen äußert, gehört bei dem Mann aus Kiel zum Standardprogramm. Als der Beachvolleyballer am Rande der Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand vom DVV-Vizepräsidenten Götz Moser für den Gewinn der Europameisterschaft geehrt wurde, hat der Abwehrspieler den golden eingefärbten Ball in den Sand gelegt und ihn mit einem sauberen Innenspannstoß ins Publikum befördert.
Brink: Wir sind ProfisAuch sonst machen Brink und sein Partner Dieckmann ihr eigenes Ding, wenn die Funktionäre ihre besten Spieler an die Kandare nehmen wollen. Vor Wochen haben es die Europameister abgelehnt, beim Turnier der nationalen Serie in Binz auf Rügen anzutreten und es stattdessen vorgezogen, bei einer Showveranstaltung in Münster Bälle über das Netz zu schlagen. Der Grund für die Verweigerungshaltung ist ein rein kommerzieller: Seit dem Ausstieg des Fernsehsenders RTL und der Vermarktungsagentur Sportfive sowie dem Rückzug von zwei Hauptsponsoren liegt die nationale Turnierserie danieder.
Zwei Drittel des Preisgeldes sind weggebrochen, statt ehedem 300.000 wurden in diesem Jahr gerade noch 106.000 Euro ausgeschüttet. «In Deutschland spielen im Grunde genommen ein paar Hobbyteams um 1000 Euro Siegprämie. Das lohnt sich für uns nicht», sagt Dieckmann. Zum Vergleich: Das deutsche Vorzeigedoppel hat diesen Sommer bei internationalen Turnieren und den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand über 200.000 Euro aus dem Sand gebuddelt. Folgerichtig sagt Brink: «Niemand kann von uns verlangen, dass wir an einem Wochenende Verlust machen. Wir sind Profis.»
Verband sind die Hände gebundenDer Boykott der Besten, die sich am Sonntag bei strömendem Regen durch ein souveränes 2:0 (21:15, 23:21) gegen die Überraschungs-Finalisten Florian Huth und Stefan Uhmann (Kiel/Kölleda) den Titel eines Deutschen Meisters sicherten, bringt den Verband in die Zwickmühle. Moser würde seine Nationalspieler liebend gerne in die Pflicht nehmen, weiß aber, dass die löchrigen Verbandsstatuten kaum Möglichkeiten für Strafen bieten. Zudem ist es schwierig, Stärke zu zeigen, wenn man Mitglied einer schwachen Institution ist. Moser scheut sich, ein Exempel zu statuieren, «wir können doch nicht unsere besten Leute sperren».
Andererseits weiß er, wie wichtig es ist, die nationale Serie wieder nach vorn zu bringen. «Deshalb müssen unsere Topspieler teilnehmen», fordert Moser. Doch da 2007 der Qualifikationsmarathon für die Olympischen Spiele in Peking beginnt, «wird es noch weniger Möglichkeiten geben, Druck auszuüben.» Und so erwartet Brink und Dieckmann für ihren Ungehorsam allenfalls ein Sanktiönchen.
Stimmiges Konzept gesuchtBeim Versuch, die deutsche Cupserie wieder schrittweise auf das Niveau des Jahres 2005 zu hieven, sind solche Auseinandersetzungen wenig hilfreich. Vergangenen Oktober hat die Münchener Agentur Sportsandevents (SAE) die durchaus mutige Aufgabe übernommen, aus den Trümmern, die ihre Vorgänger hinterlassen haben, eine neue Serie aufzubauen. Christian Dau, Geschäftsführer bei SAE, hat sogar Verständnis für die Haltung von Brink und Dieckmann: «Als Topathlet würde ich auch nicht bei uns spielen.» Als Vermarkter könne man allenfalls an die Stars appellieren, müsse jedoch ohne sie planen. Stattdessen will Dau seinen Kunden das Event selbst und das Beach-Ambiente mit feiernden Zuschauern vermitteln. «Nicht alle Sponsoren wollen auf Teufel komm raus ins Fernsehen», sagt Dau. «Viele bevorzugen ein stimmiges Konzept. Und das bieten wir.»
Starke deutsche Tour gefordertBeim Bestreben, neue Sponsoren zu gewinnen und damit wieder mehr Preisgeld in die Tour zu bekommen, sieht Moser am Ende dieser Saison «nicht nur Licht am Horizont, sondern sogar eine aufgehende Sonne.» Wichtig wäre eine starke nationale Turnierserie auch für den Unterbau. Deutsche Nachwuchsteams haben in den letzten Jahren auf diversen Welt- und Europameisterschaften die Medaillen gleich reihenweiseeingesammelt.
Dabei betonen sämtliche Fachleute, «dass sich unsere jungen Teams bei der nationalen Serie die nötige Wettkampfhärte erarbeiten», sagt Andreas Künkler, Trainer von Brink/Dieckmann. Deshalb nimmt U-23-Bundestrainer Jörg Ahmann die Verbandsgewaltigen in die Pflicht: «Wenn wir den jetzigen Standard halten wollen», sagt der Bronzemedaillen-Gewinner von Sydney 2000, «brauchen wir unbedingt wieder eine starke deutsche Tour.»