Beerbaum fehlt noch der Einzel-Erfolg
18.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Deutschlands zweitgrößte Sportveranstaltung in diesem Jahr will die Stimmung der Fußball-WM nutzen und den Pferdesport mit den zweiwöchigen Weltreiterspielen zu weiterer Popularität verhelfen. Die Voraussetzungen für die am Sonntag beginnenden Weltmeisterschaften in Aachen sind glänzend. «Wir haben den potentesten Veranstalter der Welt», lobt Reinhard Wendt von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die örtlichen Veranstalter und verspricht: «Das wird ein Fest.» Auch die sportlichen Voraussetzungen stimmen, denn in allen sieben Disziplinen haben die Gastgeber glänzende Chancen auf Medaillen - in den meisten sogar auf Gold.
Die Größe der Veranstaltung ist beeindruckend und stellt die Tischtennis-WM Ende April in Bremen und die noch folgende Hockey-WM in Mönchengladbach klar in den Schatten. Allein die halbe Million Zuschauer, die rund 800 Sportler und 900 Pferde, die in Aachen erwartet werden, verdeutlichen die Dimensionen. Aber auch die mediale Präsenz ist riesig: Weltweit übertragen mehr als 140 TV-Sender, in Deutschland übertagen ARD und ZDF die wichtigsten Entscheidungen zur besten Sendezeit am Abend.
Im Blickpunkt stehen besonders die drei olympischen Disziplinen, allen voran das Springreiten. «Wir sind mit der Mannschaft ganz klar Favorit», sagt Bundestrainer Kurt Gravemeier. Spätestens seit dem souveränen Sieg bei der Generalprobe während des CHIO an gleicher Stelle. «Die Form ist tatsächlich sehr gut», sagt auch Ludger Beerbaum, der bereits zwei WM-Titel mit dem Team gewann und dem in seiner langen Erfolgsstatistik nur der Einzel-Erfolg fehlt.
Beerbaum warnt allerdings: «In Jerez waren wir auch Favorit.» Nach dem enttäuschenden vierten Platz «haben wir ziemlich lange Gesichter gemacht». Anders als vor vier Jahren reduzierte der Bundestrainer aber vor der WM im eigenen Land die Zahl der Turnierstarts, nominierte das Team schon vor den deutschen Meisterschaften und ersparte den WM-Startern so vier schwere Runden. «Wir haben aus Jerez sicher gelernt», sagte Gravemeier: «Die Pferde sollen bei der WM fit sein, nicht vorher.»
Am ehesten ist das Titelverteidigerin Nadine Capellmann (Würselen) zuzutrauen. Mit Elvis besitzt sie einen hoffnungsvollen Nachfolger von Farbenfroh, mit dem sie vor vier Jahren den Einzeltitel gewann. «Elvis hat das Zeug, Salinero zu schlagen», sagt Schmezer zum Vergleich mit van Grunsvens Pferd. Allerdings könnte die WM für den neunjährigen Wallach ein Jahr zu früh kommen.
Zuverlässige Titelsammler hat das deutsche Team auch in den vier nicht-olympischen Pferdesport-Wettbewerben, vor allem im Voltigieren und bei den Vierspännern. Beim Distanzreiten und beim Reining (Western-Reiten) gehören die Gastgeber nicht zu den Titelfavoriten, Medaillen in der Teamwertung erhoffen sich aber Vertreter beider Disziplinen. (dpa)

