Drogen und Doping beschädigen Image der EM
Zwei Riesentüten und ein Paket voller verdächtiger Arzneimittel sowie bizarre Kokain-Partys einstiger Leichtathletik-Stars haben die Göteborger Europameisterschaft nachträglich in ein trübes Licht gesetzt. Dass möglicherweise EM-Teilnehmer oder Betreuer aus Angst vor Entdeckung gleich ihre komplette Drogen-Werkstatt auf der Straße vor dem Mannschaftshotel in einen Müllkorb gestopft hatten, sahen schwedische Medien am Dienstag als denkbare Panikreaktion.
Die russische Antidoping-Behörde hat alle Spekulationen hinsichtlich einer Beteiligung russischer Athleten zurückgewiesen. Die gefundenen Präparate sähen zwar verdächtig aus, räumte der Chef der Behörde, Nikolaj Durmanow, am Dienstag in Moskau ein. Andererseits könnte es sich bei dem Fund auch um eine plumpe Intrige handeln. «Es fehlt nur, dass gleichzeitig noch die Visitenkarte eines Sportlers gefunden wird», sagte Durmanow nach Angaben der Agentur Interfax. Seine Behörde sei bereit, alle seriöse Informationen zu überprüfen. Auf dem Niveau von Gerüchten und Mutmaßungen diskutiere er jedoch nicht.
Der 40-jährige Sjöberg, 1987 Weltrekordhalter im Hochsprung mit 2,42 Metern, bekannte sich in einer ellenlangen Presseerklärung zu seiner «Dummheit» und begründete sie damit, dass er bei der sonst von ihm «zu 99 Prozent» abgelehnten Einnahme von Kokain schon betrunken gewesen sei. Nylander (41), ebenfalls in den achtziger Jahren einer der besten europäischen Läufer über 400 m Hürden, gab den Kokainkonsum erst nach mehrtägigem Leugnen zu, obwohl die Polizei die Droge auch in seinen Taschen gefunden hatte. Dabei dürften berufliche Interessen im Spiel gewesen sein, denn Nylander verdiente sein Geld zuletzt ausgerechnet bei der Stiftung «Sauberer Sport» - als Aushängeschild mit Vorträgen gegen Doping und Drogen in Schulen und Sportvereinen. Damit ist nun Schluss.
Man müsse sich schon fragen, wie sauber Sjöberg eigentlich in seinen Glanzjahren gewesen sei, meinte «Svenska Dagbladet». Das Blatt erinnerte daran, dass Sjöbergs vom Deutschen Carlo Thränhardt 1988 eingestellter Weltrekord nur vom Kubaner Javier Sotomayor übertroffen und auf 2,45 Meter geschraubt wurde. Sotomayor war noch als Aktiver wegen Kokain-Einnahme gesperrt worden. (dpa)
