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Lupe Drogen und Doping beschädigen Image der EM

Nicht allein der dubiose Dopingmittel-Fund vor einem Göteborger Hotel hat einen Schatten auf die eben beendete Leichtathletik-EM geworfen. Jetzt kommen auch Drogenexzesse ehemaliger Athleten ans Licht.

Von Thomas Borchert

Zwei Riesentüten und ein Paket voller verdächtiger Arzneimittel sowie bizarre Kokain-Partys einstiger Leichtathletik-Stars haben die Göteborger Europameisterschaft nachträglich in ein trübes Licht gesetzt. Dass möglicherweise EM-Teilnehmer oder Betreuer aus Angst vor Entdeckung gleich ihre komplette Drogen-Werkstatt auf der Straße vor dem Mannschaftshotel in einen Müllkorb gestopft hatten, sahen schwedische Medien am Dienstag als denkbare Panikreaktion.

Plumpe Intrige
Am Dienstag war noch unklar, in welchem Umfang die am Vortag von Passanten bei der Polizei abgelieferten Präparate, Spritzen und Schläuchen verbotene Stoffe enthalten. «Wir müssen das jetzt im Einzelnen analysieren lassen», meinte Polizeisprecher Mats Glansberg. Beschriftet waren die Mittel auf Russisch. Das am Fundort gelegene Mannschaftshotel Opalen wurde von den russischen Teilnehmern sowie den Mannschaften aus Polen, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Gibraltar und Malta bewohnt.

Die russische Antidoping-Behörde hat alle Spekulationen hinsichtlich einer Beteiligung russischer Athleten zurückgewiesen. Die gefundenen Präparate sähen zwar verdächtig aus, räumte der Chef der Behörde, Nikolaj Durmanow, am Dienstag in Moskau ein. Andererseits könnte es sich bei dem Fund auch um eine plumpe Intrige handeln. «Es fehlt nur, dass gleichzeitig noch die Visitenkarte eines Sportlers gefunden wird», sagte Durmanow nach Angaben der Agentur Interfax. Seine Behörde sei bereit, alle seriöse Informationen zu überprüfen. Auf dem Niveau von Gerüchten und Mutmaßungen diskutiere er jedoch nicht.

Imageschaden für EM
Auch wenn es sich, wie von einigen Experten vermutet, bei den hastig entsorgten Mitteln um harmlose Vitaminpräparate handeln sollte, gilt der Imageschaden für die Leichtathletik-EM durch Drogenskandale als dauerhaft. Dafür sorgte Ex-Hochsprung-Weltrekordler Patrik Sjöberg zusammen mit dem früheren Hürdenläufer Sven Nylander und Patrik Lövgren, einem Ersatzläufer der schwedischen Springstaffel. Zusammen mit Sjöbergs Freundin und einem griechischem Trainer wurde das Trio bei einer nächtlichen Siegesfeier für den heimischen Dreispringer Christian Olsson wegen Kokain-Schnupfens festgenommen.

Der 40-jährige Sjöberg, 1987 Weltrekordhalter im Hochsprung mit 2,42 Metern, bekannte sich in einer ellenlangen Presseerklärung zu seiner «Dummheit» und begründete sie damit, dass er bei der sonst von ihm «zu 99 Prozent» abgelehnten Einnahme von Kokain schon betrunken gewesen sei. Nylander (41), ebenfalls in den achtziger Jahren einer der besten europäischen Läufer über 400 m Hürden, gab den Kokainkonsum erst nach mehrtägigem Leugnen zu, obwohl die Polizei die Droge auch in seinen Taschen gefunden hatte. Dabei dürften berufliche Interessen im Spiel gewesen sein, denn Nylander verdiente sein Geld zuletzt ausgerechnet bei der Stiftung «Sauberer Sport» - als Aushängeschild mit Vorträgen gegen Doping und Drogen in Schulen und Sportvereinen. Damit ist nun Schluss.

«Gold, Silber und Kokain»
«Wir haben viel Gold, Silber und Kokain geholt» kommentierte Schwedens größte Zeitung «Aftonbladet» leicht zynisch die hässlichen Begleitumstände der Gastgeber-Erfolge bei der Europameisterschaft im Göteborger Ullevistadion mit der überragenden Siebenkämpferin Carolina Klüft an der Spitze. Schon während der laufenden EM hatte die Mannschaftsleitung Kugelstoßer Jimmy Nordin nach Hause geschickt, nachdem dieser volltrunken randaliert hatte und eine Nacht in Polizeigewahrsam statt im Mannschaftshotel zubringen musste.

Man müsse sich schon fragen, wie sauber Sjöberg eigentlich in seinen Glanzjahren gewesen sei, meinte «Svenska Dagbladet». Das Blatt erinnerte daran, dass Sjöbergs vom Deutschen Carlo Thränhardt 1988 eingestellter Weltrekord nur vom Kubaner Javier Sotomayor übertroffen und auf 2,45 Meter geschraubt wurde. Sotomayor war noch als Aktiver wegen Kokain-Einnahme gesperrt worden. (dpa)