Bolm «bibbert» und erhält letztlich Silber
11.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bolm «bibbert» und erhält letztlich Silber
Kirsten Bolm und die Irin Derval O'Rourke sind bei der EM über 100-Meter-Hürden eine identische Zeit gelaufen. Erst nach einem Einspruch des DLV erhielt die Deutsche Silber.
Stundenlang hat Kirsten Bolm sich als Gewinnerin einer EM-Bronzemedaille gewähnt, doch es wurde noch Silber. Nachdem die 31-Jährige bei den Leichtathletik- Europameisterschaften in Göteborg den 100-Meter-Hürden-Sprint in 12,72 Sekunden beendet hatte, entschied die Jury anhand des Zielfotos auf Bronze. Denn auch die Irin Derval O'Rourke war 12,72 Sekunden schnell gewesen, auf dem Foto aber offenbar ein wenige näher an der Ziellinie. Erst nach einem Einspruch der deutschen Mannschaft entschieden die Kampfrichter, beiden die Silbermedaille zu überreichen.
«Es war ein echtes Wechselbad der Gefühle. Es ist nur gerecht, ein Happy-End», sagte die WM-Vierte Bolm. Europameisterin wurde die Favoritin Susanna Kallur.
«Die Suppe versalzen»Kirsten Bolm hatte ihrer schwedischen Rivalin vor dem Finale den Fehdehandschuh selbstbewusst hingeworfen. «Ich will ihr die Suppe versalzen. Susanna steht vor heimischem Publikum besonders stark unter Druck», hatte die Athletin der MTG Mannheim gesagt. Im Halbfinale setzte sie sich souverän mit 12,83 Sekunden durch - nur die Skandinavierin war im zweiten Semifinal-Lauf schneller. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ihr klar: «Im Bereich der Bestleistung muss ich wohl laufen und an meinen 12,59 Sekunden kratzen.»
Die Psychologiestudentin war vor der EM nur beim Europacup in Malaga gegen Kallur gelaufen und um 5/100 Sekunden unterlegen. Seit ihrem guten Auftritt bei der WM 2005, als sie in Helsinki Vierte wurde, ist das Selbstbewusstsein von Kirsten Bolm gewachsen. «Niederlagen sind dazu da, danach anzugreifen», sagte die in Frechen bei Köln geborene Läuferin und fügte an: «Ich bin mir meiner Leistungsfähigkeit bewusst.»
Um diese Selbstsicherheit zu erlangen, musste sie eine Reihe von sportlichen Rückschlägen wegstecken. Als sie nach einem vierjährigen Studium in den USA 2001 in die Heimat zurückkehrte, gewann Kirsten Bolm zwar 2002 bei der Hallen-EM Silber, scheiterte aber bei der Freiluft-EM im gleichen Jahr in München im Vorlauf.
Training verändertIn der Folgezeit machten ihr zahlreiche Verletzungen zu schaffen. Als sie vor den Olympischen Spielen 2004 ein Trainingslager wegen Rückenproblemen abbrechen und um die Teilnahme in Athen bangen musste, änderte sie ihr Training radikal und dosiert seitdem die Belastungen besser. «Das war der Wendepunkt», sagte Kirsten Bolm. Dass sie erst im reifen Athletenalter in die Weltspitze vorgestoßen ist, nimmt sie gelassen: «Besser spät als nie.» Außerdem hat die Hürdensprinterin, die zunächst bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking plant, noch einiges vor. «Ich bin noch hungrig», sagte sie. (nz)