Toursieger Landis auf Siegesfahrt gedopt
27. Jul 2006 15:06, ergänzt 21:06
 |  Floyd Landis | Foto: dpa |
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Der amerikanische Tour-Sieger Floyd Landis ist gedopt gewesen. Sein Schweizer Team bestätigte einen überhöhten Testosteron-Wert.
Die positive Dopingprobe bei der diesjährigen Tour de France stammt von Toursieger Floyd Landis. Bei der Dopingstubstanz, die bei dem 30-Jährigen festgestellt wurde, handelt es sich um das männliche Hormon Testosteron. Sein Schweizer Phonak-Team bestätigte, dass der Testosteron-Wert des Amerikaners nach der 17. Etappe ungewöhnlich erhöht gewesen sei.
«Natürlicher Prozess oder Fehler»
In einer Presseerklärung von Phonak heißt es: «Der Weltverband UCI hat uns gestern darüber informiert, dass der Testosteron- Epitestosteron-Wert in dem Test von Floyd Landis nach der 17. Etappe ungewöhnlich war. Das Team und der betroffene Fahrer sind völlig überrascht vom physiologischen Ergebnis.» Landis werde die Öffnung der B-Probe beantragen. Er wolle beweisen, «dass es entweder ein natürlicher Prozess oder ein Fehler war, der dieses Ergebnis verursacht hat.» Sollte die B-Probe von Landis das Ergebnis der A-Analyse bestätigen, will sich Phonak allerdings sofort von seinem Kapitän trennen, der erst Anfang 2005 vom Team des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong zu den Schweizern gewechselt war. Zudem könnte der zweitplatzierte Spanier Oscar Pereiro nachträglich zum Tour-Sieger erklärt werden. T-Mobile-Profi Andreas Klöden könnte vom dritten auf den zweiten Rang rutschen.
Solofahrt auf der 17. Etappe
Die 17. Etappe war jener Abschnitt, den Landis nach einer Solofahrt mit großem Vorsprung als Sieger in Morzine beendet hatte. Den Tag zuvor war er in den Alpen spektakulär eingebrochen und hatte mehr als zehn Minuten auf den Tagessieger Michael Rasmussen verloren. In der Vergangenheit hatte das Schweizer Phonak-Team immer wieder durch spektakuläre Dopingfälle für Schlagzeilen gesorgt, darunter derjenige des amerikanischen Olympiasiegers von 2004, Tyler Hamilton, dem später bei der Vuelta Blutdoping nachgewiesen wurde. Betroffen waren auch der Schweizer Ex-Weltmeister Oscar Camenzind, der frühere Zeitfahr-Weltmeister Santiago Botero aus Kolumbien und der diesjährige Giro-Zweite Jose Gutierrez aus Spanien.
«Anormales Resultat»
Der internationale Radsport-Verband UCI hatte am Mittwoch «ein anormales Resultat» bei einem Teilnehmer der diesjährigen Tour de France bekannt gegeben, dabei allerdings weder Namen und Herkunft des Fahrers sowie die gefundene Substanz veröffentlicht.
Die dänische Zeitung «Ekstra Bladet» und das niederländische Blatt «De Telegraaf» hatten daraufhin einen direkten Zusammenhang zu Landis hergestellt. Landis hatte am Mittwoch seine Teilnahme an einem Kriterium in den Niederlanden ebenso überraschend abgesagt wie einen Start am heutigen Donnerstag in Dänemark. In beiden Fällen hatte der Amerikaner keine Gründe für seinen Startverzicht genannt. Laut Landis’ Teamkollegen Robert Hunter habe sein Kapitän starke Schmerzen an seiner kranken Hüfte bekommen, die im Herbst operiert werden soll, und sei zum Phonak-Mannschaftsarzt nach Deutschland gereist.
«Jetzt sind wir Regionalliga»
UCI-Sprecher Enrico Carpani hatte noch am Donnerstag angekündigt, dass sein Verband die Identität des Fahrers bis zur Öffnung der B-Probe nicht preisgeben werde. Der Fahrer, sein Team, der nationale Verband und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada seien allerdings bereits informiert worden.
Bereits im Vorfeld der diesjährigen Tour hatte es Dopingschlagzeilen gegeben. Als Folge des spanischen Dopingskandals um den Mediziner Eufemiano Fuentes waren zahlreiche Sieganwärter, darunter der Deutsche Jan Ullrich und sein italienischer Konkurrent Ivan Basso, wegen Dopingverdachts von der Rundfahrt suspendiert worden. Ullrich ist von seinem ehemaligen Arbeitgeber T-Mobile inzwischen entlassen worden.
Vor ihren Ausschlüssen sei die Tour die Champions League des Radsports gewesen, danach die Zweite Liga, meinte Ex-Profi Rolf Aldag. «Jetzt sind wir auf Regionalliga-Niveau», sagte Aldag nach Bekanntwerden von Landis positiver Dopingprobe. Als Fernsehkommentator war er noch von Landis' Flucht begeistert gewesen. (nz)