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Lupe Börgeling mit Glücksunterwäsche zur EM

In Malaga erlebte Lars Börgeling vor einigen Wochen ein Desaster. Mittlerweile hat der Stabhochspringer aber sein Formtief überwunden und strebt bei der EM in Göteborg eine Medaille an.

Von Annika Ulrich

Jeder Sportler erlebt während seiner Karriere irgendwann einmal Höhe- und Tiefpunkte. Dass sie allerdings so nah beieinander liegen wie bei Stabhochspringer Lars Börgeling, ist selten. Beim Europacup in Malaga Ende Juni landete er einen so genannten «Salto Nullo», er blieb also ohne gültigen Versuch.

Desaster Malaga
Das war für den 27 Jahre alten Leichtathleten besonders bitter, da er mit der Hoffnung nach Spanien gereist war, sein Ticket für die Europameisterschaft in Göteborg (7. bis 13. August) vorzeitig zu lösen. «Ich war mir sehr sicher und wollte dort eigentlich im Bereich meiner Bestleistung von 5,85 Metern springen. Die Bedingungen waren beim Einspringen auch fast optimal. Doch dann hat der Wind gedreht, und es ist sehr schwierig geworden», sagt Börgeling.

Malaga war jedoch nicht nur für Börgeling ein Deaster, sondern für die komplette Mannschaft. Das war die schlechteste Platzierung seit der deutschen Einheit und der DLV durfte somit erstmals seit 29 Jahren kein Team zum Weltcup schicken. Die Männer als Titelverteidiger rutschten auf den achten Rang ab.

Doch Börgeling ist ein Kämpfer, einer, der immer wieder aufsteht. Nur eine Woche nach dem Debakel in Malaga bewegte sich Börgeling bereits wieder in luftigen Höhen. In Cuxhaven beim Internationalen Leichtathletik-Sportfest erreicht er wieder seine Form. Mit 5,75 Meter stand er am Ende ganz oben auch dem Treppchen..

Dieses Ergebnis gab dem Sport- und Eventmanagement-Studenten neuen Schwung für die Deutschen Meisterschaften in Ulm am letzten Wochenende. Allerdings war der Druck groß, weil Börgeling bis dato nur «Negativerlebnisse» mit Ulm verband. Und es galt ja noch, das Ticket für die EM endgültig zu lösen. In Ulm war dem Stabhochspringer noch nie ein gutes Ergebnis gelungen, und auch dieses Mal erwiesen sich die Windbedingungen nicht als optimal.

Es wurde ein taktisches Springen, eine Nervenschlacht. Börgeling, der sich selbst eher als Kraft- denn als Filigranspringer sieht, trotzte dennoch den schlechten Bedingungen. Er übersprang erneut die 5,75 Meter und sicherte sich den Titel des Deutschen Meisters. Die Tür nach Göteborg war geöffnet. «Ich kam mir vor wie in einer Daily Soap», beschreibt Börgeling das Auf und Ab seiner Gefühle. Aber, stellt er klar, man müsse sich auch mal «durchbeißen» können.

Medaillenhoffnung in Göteborg
Für die EM hat der gebürtige Neusser klare Zielvorstellungen. Der Stabhochspringer möchte nahtlos an die Leistungen von 2002 anknüpfen, als er Zweiter bei den Europameisterschaften wurde. Sein Teamkollege Tim Lobinger holte damals den dritten Platz.

In Göteborg möchten beide wieder das Podium erobern. «Wir werden wieder zwei Medaillen holen, aber dieses Mal Gold und Silber, und vielleicht wird es auch noch die Bronzene», gibt sich der für Leverkusen startende Athlet selbstbewusst. Er lächelt dabei verschmitzt Richard Spiegelburg an. Spiegelburg hat nach seinem zweiten Platz in Ulm das letzte freie Ticket für Göteborg lösen können, das Danny Ecker mit dem vierten Platz verpasste.

Nach der EM gibt es vor allem zwei interessante Stationen, ehe die Kräfte raubende Saison zu Ende geht. Zum einen das 65. Internationale Stadionfest («Istaf») in Berlin Anfang September, und eine Woche später das Weltfinale in Stuttgart. «Mein Traum ist es natürlich, in Berlin Bestleistung zu springen. Doch in Berlin zu siegen ist wahrscheinlich noch schwerer, als in Göteborg die Goldmedaille zu holen», glaubt der Deutsche Meister von 2006. Das «Istaf» motiviere ihn besonders, weil es das größte Meeting vor heimischem Publikum sei. Hier können noch wichtige Punkte gesammelt werden für die Qualifikation zum Weltfinale in Stuttgart. Börgeling macht deutlich. «Ich will unbedingt ins Weltfinale.»

Bis September bleibt noch viel Zeit für Tief- aber auch Höhepunkte. Die Vorzeichen für Höhepunkte stehen jedoch gut. Börgeling ist nach seinem «Betriebsunfall von Malaga» wieder in Form, und die Parallelen zu seinem Erfolgsjahr 2002 sind groß.

Notfalls vertraut er seinem persönlichen Erfolgsrezept: Mittagsschlaf vor dem Wettkampf, immer die gleichen Socken und die obligatorische Glücksunterwäsche. In Göteborg sollte Börgeling deshalb Waschmittel dabei haben, denn die EM dauert eine Woche - und Börgeling besitzt nur zwei Glücksshorts.