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«Juve» soll in dritte Liga absteigen

04. Jul 2006 12:36, ergänzt 14:30
Alessandro del Piero
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Juventus Turin soll im Zuge des Korruptionsskandals zu einem Amateurverein degradiert werden. Die Anklage fordert außerdem die Aberkennung zweier Meistertitel.

Kurz vor Anpfiff des WM-Halbfinales gegen Deutschland erlebte der italienische Fußball mit drastischen Strafforderungen der Ankläger eine seiner schwersten Stunden. Der hauptangeklagte Rekordmeister Juventus Turin, dem mehrere WM-Spieler angehören, soll in die dritte Liga (Serie C) oder eine noch tiefere Liga absteigen. Die mitangeklagten Top-Vereine AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz sollen mit dem Verweis in die zweite Liga (Serie B) bestraft werden.

Juve die letzten Meistertitel aberkennen

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  • Außerdem forderte Chef-Ankläger Stefano Palazzi am Dienstag im Prozess um den Manipulations-Skandal vor dem Sportgericht in Rom, dass «Juve» die beiden letzten Meistertitel aberkannt werden. Palazzi sprach von einem «heimtückischen und raffinierten» System zur Spiel- Manipulation.

    Damit hat die Anklage beim Verfahren des Fußball-Verbandes FIGC, das vergangene Woche im römischen Olympiastadion eröffnet worden war, die erwarteten harten Strafen verlangt. Die Vereine sollten zusätzlich zum Zwangsabstieg in der dann niedrigeren Liga auch noch einen Punktabzug erhalten. «Juve» solle in eine «Liga unterhalb der Serie B» absteigen, hieß es im Einzelnen in der Anklage.

    Finanzielle Folgen nicht absehbar

    Der Präsident von AC Mailand und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte: «Ich bin außer mir. Wir haben niemals Vorteile genossen. Im Gegenteil: Wir sind zum Opfer geworden.» Auch italienische Medien gehen davon aus, dass AC Mailand mit einem «blauen Auge» davonkommen dürfte.

    Zu den «Juve»-Spielern in der «Squadra Azzurra» gehören unter anderem Torwart Gianluigi Buffon, Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro und Mauro Camoranesi. Juventus Turin hatte in seiner über 100- jährigen Vereinsgeschichte bislang immer in der obersten Liga gespielt. Die finanziellen Folgen für die Clubs sind kaum absehbar. Allerdings sind bei dem Verfahren keine Spieler angeklagt.

    Urteile bis zum 9.Juli

    Der mutmaßliche Drahtzieher des größten Skandals in der Fußball- Geschichte, Ex Juve-Manager Luciano Moggi, soll fünf Jahre lang keine Ämter im Verband übernehmen dürfen. Die gleiche Strafe wurde für Ex- FIGC-Präsident Franco Carraro verlangt. Auch Star-Schiedsrichter Massimo De Santis, der wegen der Beschuldigungen bereits von der WM in Deutschland zurückgezogenen worden war, drohen fünf Jahre «Berufsverbot». Die Urteile sollen bis zum 9.Juli gesprochen werden - dem Tag des WM-Endspiels. Außerdem ermittelt auch die italienische Staatsanwaltschaft.

    Auch von anderer Seite droht Unbill für Juventus Turin: Wie italienische Medien am Dienstag berichteten, werde Star-Trainer Fabio Capello den Verein verlassen und zu Real Madrid gehen.

    Moggi als Hauptbeschuldigter

    Den Ermittlungen zufolge soll Moggi Kopf einer Mafia-ähnlichen Vereinigung gewesen sein. Zu seinen engsten Komplizen gehörte Schiedsrichter De Santis sowie die Schiedsrichter-Koordinatoren Paolo Bergamo und Pierluigi Pairetto, die alle ebenfalls angeklagt sind. Nach den bisher bekannt gewordenen Ermittlungen hat «Big Luciano» ihnen befohlen, welche Schiedsrichter die Juve-Partien pfeifen sollten. De Santis und anderen will die Anklage nachweisen, dass sie durch die gezielte Verteilung von Gelben Karten Juve-Gegner bewusst für ihre nächste Partie gegen die Turiner geschwächt haben.

    Dagegen ist die Verteidigungslinie von Moggi und dem ebenfalls angeklagten Ex- Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo klar: Sie dürften von der Sportjustiz gar nicht mehr verurteilt werden, weil sie nicht mehr Mitglied des Verbandes sind, meinten deren Anwälte. «Unser Ziel ist es, einen Zwangsabstieg zu verhindern», sagte ein Juve-Anwalt zur Prozesseröffnung. Dagegen hofft ganz Italien zwar auf den Gewinn des WM-Titels, aber auch auf ein «Großreinemachen» im heimischen Fußball. (nz)

     
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