30. Jun 2006 09:44, ergänzt 12:19
Das Team T-Mobile hat auf die anhaltenden Dopingvorwürfe gegen seine Topfahrer reagiert. Die Tour de France findet definitiv ohne Jan Ullrich statt. Es sei «unmöglich», mit ihm weiterzuarbeiten, so T-Mobile.
Für Jan Ullrich hat sich der Traum vom zweiten Sieg bei der Tour de France zerschlagen. Sein Radrennstall T-Mobile hat den Tour-Sieger von 1997 mit sofortiger Wirkung suspendiert. Neben Ullrich wurden auch der Spanier Oscar Sevilla sowie Betreuer Rudy Pevenage aus dem Team ausgeschlossen. Die T-Mobile-Führung reagierte damit auf die wiederholten Doping-Vorwürfe gegen das Trio. Das teilte das Team am Freitag im elsässischen Plobsheim mit.
«Auf Grund von Unterlagen, die wir von der Tour-Direktion erhalten haben, halten wir es für unmöglich, mit diesen Dreien weiterzuarbeiten«, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.
Die Führung des T-Mobile-Teams wirft Ullrich vor, dass dieser bei der Befragung über eine mögliche Verwicklung in die Dopingaffäre falsche Angaben gemacht hat. Die Unschuldsbeteuerungen liegen dem Team in schriftlicher Form vor. «Seit heute früh liegen uns die entsprechenden Unterlagen vor», sagte T-Mobile Pressesprecher Stefan Wagner der Netzeitung. «Die Organisatoren der Tour de France haben uns ein entsprechendes Schreiben übermittelt.» Dessen Inhalt ist brisant. «Es geht daraus eindeutig hervor, dass es einen Kontakt gegeben hat zwischen beiden Fahrern, Pevenage und dem spanischen Arzt, der im Zentrum dieser Dopinggeschichte steht», so Wagner. Ullrich hatte dies bislang vehement bestritten. Wirklich überrascht habe das Team T-Mobile diese Entwicklung eigentlich nicht. Man habe schon länger befürchtet, «dass seine Unschuldsbeteuerungen nicht der Wahrheit entsprechen«.
Angesichts dieser klaren Fakten «blieb uns nichts anderes übrig, als Ullrich zu suspendieren». Das Team hat für die am Samstag beginnende Tour die zwei Profis Lorenzo Bernucci (Italien) und Stephan Schreck aus Erfurt nachnominiert.
Wie Ullrich auf diese Nachricht reagiert hat, konnte auch Wagner nicht sagen. «Wir hatten noch keine Gelegenheit, mit Ullrich zu sprechen.» Ullrichs Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Vor einer möglichen Verlängerung müsse der bisherige Team-Kapitän einen «glaubwürdigen Beweis seiner Unschuld» vorlegen, forderte Wagner.