Muhammad Ali verbreitet Gänsehaut
18.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
«Ali, Ali, Ali.» Die Stimmung und die Sprechchöre in der Berliner Max-Schmeling-Halle erinnerten an die 70er Jahre, als der «Größte» noch fit und stark war, und die Welt mit seiner Boxkunst und geistreichen Sprüchen verzauberte. Am Samstag kam der 63-jährige dreifache Box-Weltmeister als schwer kranker Mann in die Arena, um seiner Tochter Laila bei deren Deutschland-Debüt zuzusehen, wie sie die Schwedin Asa Sandell in der 5. Runde durch Abbruch bezwang.
Vor seiner Fahrt zur Halle - die letzten Meter bis zu seinem Sitzplatz in der Arena legte Ali in einer Art «Pappa-Mobil» zurück - hatte die Box-Legende die Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen erhalten. Er erhielt die Auszeichnung im Rahmen eines Galadiners für sein lebenslanges Engagement in der Bürgerrechtsbewegung und seinen Einsatz als UN-Botschafter. Der von der Parkinson'schen Krankheit schwer gezeichnete Ali kam kaum zum Essen, immer wieder musste er die drei Buchstaben als Autogramm mit der nicht zitternden linken Hand kritzeln.
«Muhammad Ali triumphierte über eine Gesellschaft, die keine selbstbewussten, farbigen Sportler wollte», sagte der deutsche Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma in seiner Laudatio vor 400 Ehrengästen. Er hatte vor zehn Jahren ein Buch über den wohl charismatischsten Sportler aller Zeiten geschrieben.
Ali nahm die Auszeichnung, gestützt von seiner Ehefrau Lonnie, entgegen und blieb notgedrungen stumm. Lonnie Ali bedankte sich im Namen ihres Mannes: «Beide, Otto Hahn und Muhammad, arbeiteten in Berufen, die zerstörerische Wirkung hatten - aber beide setzten sich unermüdlich für den Frieden ein.» (dpa)

