netzeitung.deMuhammad Ali verbreitet Gänsehaut

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Muhammad Ali in der Max-Schmeling-Halle. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Muhammad Ali in der Max-Schmeling-Halle.
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Nach ihrem Sieg im WM-Boxkampf schleppte Muhammad Ali sich zum Ring hinauf und beglückwünschte Tochter Laila mit einem Küsschen. Die Zuschauer tobten.

Von Andreas Zellmer und Aliki Nassoufis

«Ali, Ali, Ali.» Die Stimmung und die Sprechchöre in der Berliner Max-Schmeling-Halle erinnerten an die 70er Jahre, als der «Größte» noch fit und stark war, und die Welt mit seiner Boxkunst und geistreichen Sprüchen verzauberte. Am Samstag kam der 63-jährige dreifache Box-Weltmeister als schwer kranker Mann in die Arena, um seiner Tochter Laila bei deren Deutschland-Debüt zuzusehen, wie sie die Schwedin Asa Sandell in der 5. Runde durch Abbruch bezwang.

Ein Küsschen auf den Mund
Zur Belohnung nach dem 22. Sieg gab es in der Ringecke ein Küsschen vom Vater, der sich mühsam die wenigen Stufen hochgeschleppt hatte. In diesem Moment gab es wohl keinen unter den 10.000 Zuschauern, der keine Gänsehaut bekam. «Ich habe in seinen Augen gelesen, dass er sich gefreut hat. Er ist mein Dad und immer nervös, wenn ich kämpfe», erklärte Laila Ali nach dem unerwartet mühsamen Sieg.

Vor seiner Fahrt zur Halle - die letzten Meter bis zu seinem Sitzplatz in der Arena legte Ali in einer Art «Pappa-Mobil» zurück - hatte die Box-Legende die Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen erhalten. Er erhielt die Auszeichnung im Rahmen eines Galadiners für sein lebenslanges Engagement in der Bürgerrechtsbewegung und seinen Einsatz als UN-Botschafter. Der von der Parkinson'schen Krankheit schwer gezeichnete Ali kam kaum zum Essen, immer wieder musste er die drei Buchstaben als Autogramm mit der nicht zitternden linken Hand kritzeln.

Botschafter für Völkerverständigung
«Ali ist mehr als ein Champion, er ist einer der herausragendsten Botschafter für Frieden, Völkerverständigung und Emanzipation», sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. «Er nutzte seine Popularität aus dem Boxring, um für die Friedensmission zu werben.» Ali ist der zehnte Träger der Friedensmedaille und erste Sportler. Einer seiner Vorgänger war Michail Gorbatschow. Mit der an den Nobelpreisträger und Physiker Otto Hahn erinnernden Friedensmedaille werden seit 1988 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben.

«Muhammad Ali triumphierte über eine Gesellschaft, die keine selbstbewussten, farbigen Sportler wollte», sagte der deutsche Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma in seiner Laudatio vor 400 Ehrengästen. Er hatte vor zehn Jahren ein Buch über den wohl charismatischsten Sportler aller Zeiten geschrieben.

Ali nahm die Auszeichnung, gestützt von seiner Ehefrau Lonnie, entgegen und blieb notgedrungen stumm. Lonnie Ali bedankte sich im Namen ihres Mannes: «Beide, Otto Hahn und Muhammad, arbeiteten in Berufen, die zerstörerische Wirkung hatten - aber beide setzten sich unermüdlich für den Frieden ein.» (dpa)