netzeitung.deHistorische Fusionsentscheidung

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Manfred von Richthofen (l.) jubelt, Klaus Steinbach freut sich. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Manfred von Richthofen (l.) jubelt, Klaus Steinbach freut sich.
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Der deutsche Sport kann gestärkt in die Zukunft gehen. NOK und DSB haben sich für eine Fusion beider Organisationen ausgesprochen.

Von Frank Mertens, Köln

Es war ein Moment, auf den Manfred von Richthofen seit einem Jahrzehnt hingearbeitet hat. Nun ist die Fusion von Nationalem Olympischen Komitee (NOK) und Deutschem Sportbund (DSB) Realität geworden. «Dies ist für den gesamten deutschen Sport eine historische Entscheidung. Dieser Tag wird ein wichtiges Kapitel in der deutschen Sportgeschichte einnehmen», sagte Manfred von Richthofen am Samstagnachmittag nach dem außerordentlichen DSB-Bundestag in Köln. Die Zufriedenheit über diesen Erfolg, seinen Erfolg, war dem Berliner Freiherrn deutlich anzusehen.

Nachdem sich zunächst die NOK-Mitgliederversammlung für die Fusion mit der erforderlichen Dreiviertelmehrheit ausgesprochen hatte und damit den Weg für den Zusammenschluss beider Organisationen frei gemacht hatte, stimmten im Anschluss auch die DSB-Mitglieder für die Verschmelzung.

Knappe NOK-Entscheidung
Doch es war eine knappe Entscheidung, zumindest beim NOK. So votierten von den anwesenden 142 NOK-Mitgliedern 109 in einer geheimen Abstimmung für die Verschmelzung, während 29 dagegen waren. Vier abgegebene Stimmen waren ungültig. Für das Erreichen der Dreiviertelmehrheit waren 104 Stimmen notwendig. Das Votum der 575 DSB-Mitglieder fiel eindeutiger aus: Von ihnen stimmten 535 für die Fusion, nur 40 dagegen. «Das es beim DSB so glatt geht, war zu erwarten. Ich erwarte durch die neue Organisation einen starken und engagierten Sport», sagte Nordrhein-Westfalen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nach der Entscheidung.

Auf Seiten des NOK hatte man indes schon vorher mit einer engen Entscheidung gerechnet. «Wir wussten, dass es knapp wird. Doch mit 75 Prozent hatten wir die Hürde auch sehr hoch gelegt», sagte NOK-Präsident Klaus Steinbach zum Abstimmungsverhalten seiner Mitglieder. «Doch am Ende zählt nur, dass man die Hürde übersprungen hat.«. Mit diesen zustimmenden Voten haben beide Sportorganisationen zugleich ihre Auflösung beschlossen. Bis zur Gründung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 20. Mai 2006 in Frankfurt/Main existieren NOK und DSB jedoch weiter.

Keine Einzelgänge
Bis dahin dürfen auf Antrag von Fusionskritiker Andreas Trautvetter, dem Chef des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), die Präsidien beider Organisationen jedoch keine Verträge schließen, die Auswirkungen auf die Finanzen des zu gründenden DOSB haben. Für derartige Entscheidungen ist die Zustimmung beider Präsidien notwendig.

Der NOK-Chef hatte in seiner mehr als 30minütigen Rede versucht, insbesondere die Kritiker aus den Wintersportverbänden zur Zustimmung zu bewegen. Dabei hatte der einstige Weltklasseschwimmer die Widersacher einer Verschmelzung dazu aufgerufen, die Chancen einer Fusion - die dem Sport deutliche Effizienzgewinne bringen würde - nicht leichtfertig zu verspielen.

«Zur Zeit haben wir im NOK zur Leistungssportentwicklung in diesem Land nichts zu sagen, im Sinne von entscheiden. Wir haben die organisatorische Vorbereitung der Olympischen Spiele und wir haben bestenfalls die Nominierungskriterien zu beschließen, die ohnehin vorher im DSB erarbeitet werden. Ich weise auf die Gunst der Stunde hin. Jetzt ist die Gelegenheit günstig, eine Vereinigung der deutschen Sportdachverbände zu vollziehen», sagte Steinbach, der den spanischen Philosophen Ortega Y Gasset zitierte. «Nicht was wir gestern waren, sondern was wir morgen sein wollen, vereinigt uns zu einer erfolgreichen Gesellschaft.»

Außenseiter Tröger
Doch nicht bei allen Widersachern fand Steinbach Gehör. Insbesondere nicht bei Andreas Trautvetter und Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV). Sie sprachen sich in ihren Wortbeiträgen klar gegen eine Fusion aus.

Das traf vor allem auf NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger zu, der bereits Richthofens ersten Versuch, beide Organisationen zu verschmelzen, 1996 abwehren konnte. «Ich begreife nicht, was sich hier in den letzten Minuten abgespielt hat», sagte Tröger. Aus seiner Perspektive habe niemand das Recht, dem obersten Organ des NOK zu sagen, es hätte keine Alternative zu dieser Fusion. «Nach dem vorliegenden Satzungsentwurf wird das NOK in Zukunft nicht mehr stattfinden», sagte Tröger, der im Fusionsprozess ein Klima der Drohungen und Anfeindungen ausgemacht hatte. Enttäuscht sei er über das Ergebnis jedoch nicht, «denn ich habe es erwartet». Zukünftig will Tröger jedoch dazu beitragen, die Fusion konstruktiv zu begleiten.

Ob er daran jedoch maßgeblich wird mitarbeiten können, bleibt abzuwarten. Denn Tröger erscheint mit seiner Haltung zunehmend als Außenseiter. Steinbach jedenfalls wollte nach der NOK-Mitgliederversammlung den Redebeitrag seines Ehrenpräsidenten nicht kommentieren. Das tat aber Manfred von Richthofen. «Seine Argumente sind seit elf Jahren immer die gleichen, mehr muss ich dazu nicht sagen.»

Nach dem sporthistorischen Tag in Köln wird es nun darum gehen, wer zukünftig an der Spitze des DOSB stehen wird. Offiziell bekannt hat sich noch niemand zu seinen Ambitionen. Doch neben Klaus Steinbach gehören Thomas Bach und auch Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), zu den möglichen Kandidaten. Das NOK jedenfalls wird auf seiner Präsidiumssitzung am 21. Dezember seinen Kandidaten von einer Findungskomission vorschlagen lassen. Aber vielleicht tut auch Manfred von Richthofen dem Sport den Gefallen, einen geeigneten Kandidaten vorzuschlagen. Wer Richthofen kennt, der weiß, dass er nicht tatenlos zusehen wird, wer zukünftig an der Spitze der Organisation steht, die er so gerne schon 1996 gehabt hätte.