24.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Schleicher ist Straßen-Weltmeisterin
Straßen-Weltmeisterin Judith Arndt hat eine würdige Nachfolgerin gefunden. Bei der WM gewann Regina Schleicher den Schlussspurt einer 28-köpfigen Spitzengruppe.
Das war Maßarbeit: Nach vorbildlichem Teamwork hat sich Regina Schleicher nach 126 Kilometern vor dem Bernabeu-Stadion in Madrid den Titel als Straßen-Weltmeisterin geholt. Die 31-jährige Profi-Fahrerin aus dem Team Nürnberger Versicherung trat damit am Samstag die Nachfolge ihrer Team-Kollegin Judith Arndt an, die im Finale auch für Schleicher gefahren war.
Worrack zieht SchleicherIm Schlussspurt einer 28 Fahrerinnen starken Spitzengruppe hatte sich Trixi Worrack (Cottbus) zuletzt vor die deutsche Meisterin gespannt. 100 Meter vor dem Ziel schoss Regina Schleicher förmlich in Richtung Ziellinie und ließ sich den Sieg vor der Britin Nicole Cooke und ihrer australischen Mannschafts-Kollegin Oenone Wood nicht mehr nehmen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Siegerin auf dem schwierigem Kurs betrug stattliche 40,2 Stundenkilometer.
«Das war eine unglaubliche Mannschaftsleistung. Diesen Erfolg haben sich alle hart erarbeitet und haben ihn sich hochverdient. Bei uns arbeitet jede für jede. Im Vorjahr wurde Judith unterstützt, diesmal Regina. Im nächsten Jahr vielleicht eine andere», sagte Olympiasiegerin Petra Roßner, die seit vergangenem Jahr als Betreuerin im deutschen Team arbeitet. «Ich kann das noch gar nicht fassen - ich werde hier von den Journalisten umgerannt», war Regina Schleichers erste Reaktion nach den sechs Runden durch die Innenstadt Madrids.
Arndt als HelferinDie in Camaiore in der Toskana lebende deutsche Meisterin machte ihrem Ruf, im Moment die schnellste Frau der Welt auf dem Rad zu sein, alle Ehre. «Das ist heute perfekt für uns gelaufen. Trixi und Judith haben mich bis ins Ziel gebracht und an der letzten Steigung auf mich gewartet. Auf den letzten hundert Metern konnte ich dann meine Schnelligkeit ausspielen», sagte die neue Titelträgerin. Ihre Vorgängerin Arndt hatte noch am Vorabend wegen der Nachwirkungen einer Virus-Erkrankung erwogen, nicht anzutreten. Zum Glück fühlte sich die Vierte des WM-Zeitfahrens am Morgen besser und konnte wertvolle Helferdienste leisten.
«Zwei Titel hintereinander - das ist irre», freute sich Bundestrainer Jochen Dornbusch. Trotz der eindrucksvollen Demonstration des deutschen Teams fristet der Frauen-Radsport in Deutschland ein Schattendasein. Daran schuld ist eine Art Teufelskreis, den Regina Schleicher beschrieb: «Keine Fernseh- Übertragungen, keine Presse, keine Sponsoren.» Der erneute Titelgewinn soll die Situation bessern, auch wenn die Weltmeisterin vermutete: «Einmal im Jahr wird von uns ein Rennen im Fernsehen übertragen. Aber ich glaube nicht, dass bei uns heute Morgen viele Leute zugeschaut haben. Im vorigen Jahr war das besser, weil wir nachmittags fuhren.» (nz)