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Lupe Unschuldiger Lagat verklagt IAAF

Bernard Lagat verklagt den Internationalen Leichtathletik-Verband. Der Mittelstreckler war fälschlicher Weise des Dopings beschuldigt worden.

Bernard Lagat verklagt den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF wegen eines falschen Erythropoietin-Testverfahrens. In dem am zweiten November am Landgericht Köln anvisierten Prozess geht es um eine Summe von 500.000 Euro.
Von WM in Paris ausgeschlossen
Der in Kenia geborene Olympiazweite über 1500 Meter von Athen sowie Olympiadritte von Sydney, der seit 1996 in Tucson/Arizona lebt und inzwischen die US-Staatsbürgerschaft angenommen hat, hofft auf Entschädigung für entgangene Antrittsgelder sowie erlittene Rufschädigung und öffentliche Demütigungen.

Für den Weltklasse-Mittelstreckler Bernard Lagat wäre 2003 die sportliche Karriere um ein Haar so gut wie zu Ende gewesen. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im gleichen Jahr in Paris wurde Lagat, der damals die Weltjahresbestzeit hielt, ausgeschlossen wegen einer positiven Probe auf das Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo), gezogen bei einerTrainingskontrolle am achten August 2003 in Tübingen. Sie wurde durchgeführt von Jean-Paul van der Sypt, im Auftrag der schwedischen Dopingkontrollfirma IDTM.
Zwei Jahre Sperre drohten
Zwei Jahre Sperre durch den internationalen Verband drohten ihm. Beschimpfungen, er sei ein übler Betrüger und rassistische Äußerungen in diversen Internet-Chatrooms folgten. Lagat war von seiner Unschuld überzeugt und zu Tode geschockt.

Seinem Anwalt, Michael Lehner, gelang es, den erfahrenen Biochemiker Hans Heid vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zu interessieren. Er begleitete Lagat Ende September 2003 zur Öffnung der B-Probe in das Dopingkontroll-Labor Köln. Dort wurde in aufwendiger wissenschaftlicher Detailarbeit schließlich festgestellt, dass in Lagats Urin eben doch kein von außen zugeführtes Epo feststellbar war.

Fehler bei der Analyse
Zudem analysierte Heid den Ablauf der Dopingkontrolle von der Entnahme der Urinprobe, bis zum «positiven Ergebnis» der A-Probe im Kölner Labor. Wissenschaftler Heid stellte erhebliche Fehlermöglichkeiten fest, schon beim Transport in Deutschland wurden die Proben ungekühlt «nahezu 28 Stunden in einem Auto bei heißen Sommertemperaturen von ca. 38-40 Grad transportiert».

Der Transport in Kühlboxen oder Eis-Containern war wohl der IAAF nach Aussage des Schweizer Biochemikers Martial Saugy, der damals als Vertreter der IAAF in Köln der Analyse der B-Probe beiwohnte, zu teuer.

IAAF in der Kritik
Weiterhin seien offensichtliche Fehlinterpretationen und Unsicherheiten des Tests in Köln festgestellt worden. Nachdem die Analyse der B-Probe eindeutig die Unschuld von Lagat nachwies, wurde die Wettkampfsuspendierung durch die IAAF Anfang Oktober 2003 zwar wieder aufgehoben.

Doch die WM-Medaillenchance von Paris war dahin, es gab im Spätherbst keine Grand-Prix-Sportfeste mehr, vom Imageschaden eines temporären Dopingsünders ganz zu schweigen. Nach Aussage des Vorstandsmitgliedes der Weltantidopingagentur (Wada), Dr. Rabin, hätte die IAAF in keinem Fall das Ergebnis der A-Probe vor Analyse der B-Probe bekannt geben dürfen.