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Lupe Bartels will in Peking vorn dabei sein

Kugelstoßer Ralf Bartels sieht seine Leistungen auch als «Daseinsberechtigung» für die Sportförderung der Bundeswehr. «Die Kameraden sehen, dass wir nicht nur herumreisen», sagte der Bootsmann beim Istaf.

Das Kugelstoßen führt bei Leichtathletik-Meetings meist ein Schatten-Dasein. Dass das beim Istaf nicht der Fall war, dafür sorgte Ralf Bartels. Allein seine Teilnahme quittierten die 60.820 Zuschauer im Berliner Olympiastadion mit Applaus. «Es ist schön, wenn die Menschen das Kugelstoßen intensiver verfolgen, als die anderen Wettkämpfe», freute sich der Neubrandenburger am Sonntag.
Mehr «Teddy» als «Grizzly»
Mit 20,93 Metern sicherte Bartels sich bei dem Golden-League-Meeting den dritten Platz hinter Joachim Olsen (21,10) aus Dänemark und Reese Hoffa aus den USA (21,06). Die Drehstoßer hatten einmal mehr über den Angleit-Techniker gesiegt. «Es war schwierig, nach der Weltmeisterschaft die Leistung hochzuhalten», erklärte der 27-Jährige nach dem Wettkampf.

Die Euphorie um Bartels, der die Kugel bei der WM in Helsinki auf 20,99 Meter gestoßen und Bronze gewonnen hatte, erlebte beim Istaf einen weiteren Höhepunkt. «Hier musst Du Dich nicht künstlich hochpushen, das erledigt das Publikum auf ganz natürliche Weise für dich», sagt Bartels. Dass die Zuschauer ihn lieben, liegt auch an seinem Wesen. Der 125-Kilo-Koloss hatte beim Gewinn von WM-Bronze Tränen in den Augen und dankte mit norddeutschem Akzent seiner Familie für die Unterstützung. «Mehr Teddy als Grizzly», hat das Fachblatt «Leichtathletik» seinen Charakter beschrieben.

Erfolg dank Psychologie
Solche Emotionen erlaubt sich Bartels nur nach dem Wettkampf. Vor und während des Kugelstoßens hat er seine Nerven im Griff. Auch dank psychologischer Betreuung durch Professor Willi Neumann von der FH Neubrandenburg. Dort machte er ein Konzentrationsprogramm am Computer, wobei EKG und Hautleitfähigkeit gemessen werden. Diskusweltmeisterin Franka Dietzsch nutzt dieses Programm ebenfalls. Das Ergebnis ist der derzeit erfolgreichste Leichtathletik-Verein: Der SC Neubrandenburg mit einer Weltmeisterin und einem WM-Dritten.

Damit die Neubrandenburger auch in drei Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking Erfolge feiern können, muss Bartels weiterhin auf die Unterstützung der Sportförderung der Bundeswehr setzen können. «Nur so ist gewährleistet, dass ich genug trainieren kann», erzählt der Bootsmann der Marine. «In Peking will ich ganz vorne mit dabei sein.»

Als wenige Tage nach seinem WM-Erfolg die «Hanse Sail» in Rostock veranstaltet wurde, war Bartels eine der Attraktionen seiner Einheit. «Meine Leistungen sind eine Art Daseinsberechtigung für die Sportförderung der Bundeswehr», erzählt er. «Und auch die Kameraden haben gesehen, dass ich nicht nur so zum Spaß herumreise.»