Staatsanwaltschaften gegen Doping
24. Aug 2005 10:09
 |  Der Kampf gegen Doping soll forciert werden | Foto: dpa |
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Der Kampf gegen Doping soll durch Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften forciert werden. Bei Wirtschafts- und Umweltverbrechen hat sich eine solche Einrichtung bereits bewährt.
Von Heinz Peter KreuzerEin Anti-Doping-Gesetz wird es in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben, aber neben dem Regelungsproblem gibt es vor allem ein Vollzugsproblem.
Das 1998 novellierte Arzneimittelgesetz (AMG) wird nicht richtig genutzt, obwohl es sogar Freiheitsstrafen vorsieht, sagt Prof. Dieter Rössner, Mitglied der Rechtskommission des Sports gegen Doping. «Insbesondere gegenüber Jugendlichen ist die Abgabe von Dopingmitteln sogar als Verbrechen eingestuft, vergleichbar mit Raub und Vergewaltigung und sonstigen schweren Straftaten.»
Rössner für Anti-Doping-Gesetz
Aber die strafrechtliche Situation im Bereich des Dopings sei eher symbolisch und werde praktisch nicht verfolgt. Denn kaum jemand zeigt diese Vergehen an, nur mit regelmäßigen Kontrollen können die Behörden Vergehen aufdecken. Der Marburger Jurist befürwortet ein deutsches Anti-Doping-Gesetz, aber eine Verankerung im Strafrecht wurde abgelehnt. «Ich hatte vorgeschlagen, dass man in den Kernbereich des Strafgesetzbuches einen Tatbestand des Sportbetruges aufnimmt, der dann sowohl Doping umfasst, aber auch Manipulationen etwa im Schiedsrichterbereich und ähnliches, sodass man dies sozusagen als Verbrechen, ähnlich wie Raub oder Vergewaltigung im Strafrecht, wahrnimmt.» Bei einer solchen Gesetzeslage müsste bei Dopingverstößen zwingend ermittelt werden, weil diese Delikte dann zum Kernbereich des Strafrechts gehören würden. So sind die bisherigen Erfolge der Ermittlungsbehörden eher Zufallserfolge, zum Beispiel wenn Polizei oder Zollfahnder große Mengen von verbotenen Substanzen wie anabole Steroide, Wachstumshormon oder Aufputschmittel beschlagnahmen. Auch die aktuellen Ermittlungen gegen den Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein wurden von der Staatsanwaltschaft Magdeburg nur vorangetrieben, weil Anzeige erstattet wurde. Um dieses Problem zu lösen, sollen zentrale Staatsanwaltschaften Doping eingerichtet werden.
Weitergeleitet an Justizminister
Dieser Forderung der Rechtskommission des Sports gegen Doping hat sich die Sportministerkonferenz der Länder angeschlossen. «Wir werden diesen Vorschlag an die Konferenz der Justizminister weiterleiten. Diese und leitende Oberstaatsanwälte können dies umsetzen», erläutert der Bremer Innensenator Thomas Röwekamp (CDU). Der Vorsitzende der Sportministerkonferenz meint: «Für eine schnelle und zügige Bearbeitung eignen sich Schwerpunktstaatsanwaltschaften, zumindest in den großen Flächenländern. Wir brauchen Spezialisten, die schnell und zügig die Ermittlungsergebnisse entsprechend sanktionieren.»
Spezialisten bei der Polizei
Rössner verweist auf Vorbilder. «Bei Wirtschafts- und Umweltverbrechen haben sich Schwerpunktstaatsanwaltschaften bewährt.» Der Jurist fordert auch Spezialisten bei der Polizei. «Es ist natürlich so, dass die Staatsanwaltschaft die Herrin des Verfahrens ist, sie ist verantwortlich. Aber die tatsächlichen Ermittlungen laufen bei der Polizei. Da ist es natürlich ganz entscheidend, Sonderzuständigkeiten und feste Ermittlungsgruppen bei der Polizei zu haben, die dann das polizeitaktische Know-How haben.» Darunter versteht Rössner verdeckte Ermittlungen mit V-Männern, Telefonüberwachungen und Hausdurchsuchungen. Denn im Gegensatz zu anderen Straftatbeständen sind die Ermittlungen in Sachen Doping äußerst schwierig, meint Rössner. «Der Dopingbereich schottet sich ab, da gibt es keine Verletzten oder Opfer, die anzeigen, wie bei Vergewaltigung oder Körperverletzung. Da arbeiten Täter - diejenigen, die den Sportlern die Mittel geben - und Opfer ganz eng zusammen. Keiner hat ein Interesse daran, dass irgendetwas publik wird.»
Missbrauch in Fitnessstudios
Die Sportminister wollen auch den Missbrauch in Fitness-Studios verstärkt bekämpfen, deshalb sollen zukünftig neben Staatsanwaltschaft und Polizei die Gewerbeaufsichtsämter in die Fahndung mit einbezogen werden. «Doping ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht nur den organisierten Sport betrifft. Im Freizeitbereich muss der Kontrolldruck erhöht und verschärft werden. Insbesondere den Handel mit illegalen Mitteln in den Sportstudios muss verhindert werden. Hier sollen die Gewerbeaufsichtsämter stärker und intensiver kontrollieren sowie schnell sanktionieren», so Thomas Röwekamp.