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Armstrong sieht in Dopingvorwurf Hexen-Jagd

23. Aug 2005 11:22, ergänzt 15:41
Lance Armstrong (vorn) und Jan Ullrich (r.)
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Der US-Amerikaner Lance Armstrong soll bei seinem ersten Toursieg 1999 mit dem Blutdopingmittel Epo gedopt gewesen sein. Der Texaner weist die Vorwürfe entrüstet zurück.

Lance Armstrong steht erneut unter Doping-Verdacht. Der siebenmalige Sieger der Tour de France soll nach einem Bericht der französischen Sporttageszeitung «L´Equipe» bei seinem ersten Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt 1999 mit dem Blutdopingmittel Epo gedopt gewesen sein.

«Armstrongs Lüge»

Mehr in der Netzeitung:
Das Blatt beruft sich in seinem Artikel («Armstrongs Lüge») auf Untersuchungsergebnisse des vom Internationalen Olympischen Komitees (IOC) anerkannten französischen Labors Châtenay-Malabry. Die dortigen Analytiker hätten in sechs eingefrorenen Urinproben Armstrongs aus dem Jahre 1999 Spuren von Epo gefunden. «Es gibt keinerlei Zweifel an der Gültigkeit der Test-Ergebnisse», sagte Jacques de Ceaurriz, der Direktor des bei Paris gelegenen Doping-Kontrollinstituts, in dem die Methode zum Nachweis von EPO im Urin auch entwickelt wurde, am Dienstag.

Die Urinproben seien zwar erst im Jahr 2004 ausgewertet worden, doch gebe es bei dem Test nur zwei Möglichkeiten, «entweder bauen sich die EPO-Hormone ab und sind nicht mehr nachweisbar oder das Protein bleibt so, wie es ist». Allerdings seien die Proben «im Rahmen wissenschaftlicher Forschung» anonym ausgewertet worden. Es sei nicht um einen bestimmten Fahrer gegangen. Es handelt sich demnach laut «L'Equipe» auch nicht um positive Dopingtests im Sinne von Regel-Verstößen, die Sanktionen gegen Armstrong nach sich ziehen müssten.

Die Nachweisbarkeit von Epo, dass die Zahl der roten Blutkörperchen erhöht und damit für eine erhöhte Sauerstoffaufnahme sorgt, war im Jahre 1999 bei Urinproben noch nicht möglich.

Analyse nach Jahren möglich

Mehr im Internet:
Eine Analyse von Urinproben auch nach Jahren der Entnahme stellt kein Problem dar. «Bei einer Tieffrierung ist eine Nachanalyse nach Jahren ohne weiteres möglich», sagte der Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, Prof. Wilhelm Schänzer, der Netzeitung. Diese Möglichkeit sei sogar «bis zu zehn Jahren gegeben». Wie Schänzer hinzufügte, ist «eine tiefgefrorene Urinprobe nur im Einzelfall nicht mehr aussagekräftig, wenn es zu einem Bakteriumwachstum gekommen ist.» Deshalb ist eine «Urinprobe nicht gleich eine Urinprobe».

Die verlässliche Nachweisbarkeit im Urin ist seit 2002 möglich, nachdem das Verfahren erstmals bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zum Einsatz gekommen war. Lance Armstrong, der nach seinem siebten Toursieg in diesem Jahr seine Karriere beendet hat, sieht sich nicht das erste Mal mit Dopinganschuldigungen konfrontiert. Dem Texaner, der 1997 an Hodenkrebs erkrankt war und nach seiner Gesundung 1999 die Tour vor Alex Zülle und Jan Ullrich gewann, konnte indes nie ein Vergehen nachgewiesen werden.

Vorwurf zurückgewiesen

Armstrong wies auch diesmal alle Anschuldigungen gegen seine Person zurück. ««Ich habe niemals leistungssteigernde Mittel genommen», teilte Armstrong bereits am Montg auf seiner Internetseite mit. Mit Blick auf den L´Equipe-Bericht sagte Armstrong, dass die «Hexenjagd» gegen seine Person mit diesem Artikel fortgesetzt werde. Für den US-Amerikaner ist diese Berichterstattung nichts anderes «als purer Skandaljournalismus».

Reaktion von Ullrich

Die ersten Reaktionen der internationalen Radsportszene bewegten sich zwischen Zurückhaltung und Erschütterung. «Da ich überhaupt keine Details kenne, will ich das nicht kommentieren», sagte Armstrongs Dauer-Rivale Jan Ullrich vor der letzten Etappe der Deutschland Tour am Dienstag in Bad Kreuznach. Der im Gelben Trikot zum Ziel in Bonn fahrenden Amerikaner Levi Leipheimer, der 2000 und 2001 im Armstrong-Team US-Postal fuhr, erklärte: «Ich bin nicht Lance, das interessiert mich nicht.»

Leblanc geschockt

In Frankreich hingegen herrschte Bestürzung. «Das ist ein Donnerschlag», sagte der Sportmanager des Rennstalls Cofidis, Eric Boyer und kritisierte zugleich den Radsport-Weltverband UCI. «Die Journalisten haben ihre Arbeit getan, doch finde ich es wirklich schade, dass der Internationale Radverband nicht nachträglich die Mittel einsetzt, die ihm zur Verfügung stehen.» Der 69 Jahre alte frühere französische Rad-Champion Raymond Poulidor sprach von einer «betrüblichen Sache. Als einziges kann man dazu festhalten, dass er es wie die anderen gemacht hat».

«Wir sind nach diesen Enthüllungen sehr besorgt, sehr geschockt», meinte Tour-de-France-Direktor Jean-Marie Leblanc am Dienstag in einer ersten Reaktion. Die Affäre habe «schwerwiegende Auswirkungen» für die Tour und zeige, «dass der Kampf gegen Doping im Radsport und in anderen Sportarten seine Zeit braucht».

Hein Verbruggen, der Präsident des Internationalen Radsport- Verbandes UCI, forderte die vollständige Aufklärung. Erst dann könne man entscheiden, «ob es rechtliche Schritte geben sollte und ob dies ein weiterer Schlag für den Radsport» sei. Derzeit seien in den Fall lediglich Armstrong und Frankreich involviert.
(FM/nz)

 
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